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Aus der Stadt 2400 Hannoveraner sagen ihren Gemeinden Adieu
Hannover Aus der Stadt 2400 Hannoveraner sagen ihren Gemeinden Adieu
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00:23 07.08.2014
Von Mathias Klein
Foto: Immer mehr Hannoveraner treten aus der Kirche aus.
Immer mehr Hannoveraner treten aus der Kirche aus. Quelle: Archiv
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Hannover

Bis zum vergangenen Freitag haben nach Zahlen des Standesamtes knapp 2400 Hannoveraner die Kirche verlassen. Rund 1800 von ihnen traten aus der evangelisch-lutherischen Kirche aus, knapp 600 aus der katholischen Kirche.

Da die Austrittswelle vermutlich anhält, steht für die beiden großen Kirchen ein Negativrekord bevor. Schon im Jahr 2013 war die Zahl der Kirchenaustritte mit insgesamt 2945 Hannoveranern deutlich höher als in den Vorjahren, in diesem Jahr dürfte die Zahl auf weit über 3000 Austritte steigen.

Nach Angaben von Rathaussprecher Udo Möller sei der Anstieg der Austritte auf die Ankündigung der Banken zurückzuführen, die Kirchensteuer auf Kapitalerträge direkt abzuführen. „Viele interpretieren das so, dass sie nun kirchensteuerpflichtig geworden sind“, erläutert Möller. Tatsächlich habe sich an der Steuerpflicht gar nichts geändert.

Bereits im vergangenen Jahr war die Zahl der Austritte um mehr aus 600 stark angestiegen. Im Jahr 2012 haben 2332 Frauen und Männer die Kirche verlassen. 2011 lag die Zahl der Austritte bei 2261, im Jahr 2010 bei 2459.

Im Bereich des Stadtkirchenverbandes, dazu gehören auch die Kirchengemeinden in Garbsen und Seelze, ist die Zahl der Mitglieder unter die Grenze von 200.000 gerutscht. Am 30. Juni zählte der Stadtkirchenverband 197.654 Mitglieder.

Auch der stellvertretende Stadtsuperintendent Thomas Höflich vermutet einen Zusammenhang mit der Kapitalertragssteuer. Es komme vermehrt zum Austritt älterer Gemeindemitglieder, die eigentlich der Kirche besonders die Treue halten, berichtete Höflich. Eine vom Stadtkirchenverband eingesetzte Arbeitsgruppe befasse sich angesichts der Austrittswelle mit Fragen der Mitgliederbindung und -gewinnung, sagt Höflich. Im Herbst würden erste Überlegungen und Vorschläge diskutiert. „Die Kirchengemeinden wollen durch eine gute und zugewandte Arbeit überzeugen“, betont er.

Der katholische Probst Martin Tenge meint, die Bindung der Menschen an die Kirche gehe immer stärker verloren. „Wir müssen uns mit dem Gedanken anfreunden, keine Volkskirche mehr zu sein“, sagt er. Er wünscht sich ein Beschwerdemanagement für die Bürger, die mit der Kirche unzufrieden sind. „Menschen, die sich mit Kirche schwer tun, fehlt oftmals ein Ansprechpartner“, meint Tenge. Eine Beschwerdestelle könnte helfen, Menschen in der Kirche zu halten. „Und wir erfahren dann die Kritik und können daraus einiges lernen“, meint er.

Die katholische Kirche hat in Hannover derzeit rund 75.000 Mitglieder. Zuletzt war die Zahl der Katholiken trotz der Austritte wegen des Zuzugs von Osteuropäern nach Hannover jedoch gestiegen.

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