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Aus der Stadt 25.000 Besucher feiern bei N-JOY Starshow
Hannover Aus der Stadt 25.000 Besucher feiern bei N-JOY Starshow
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19:33 03.06.2012
Foto: Mit einer klasse Show und Bühnentechnik überzeugte der britische R&B-Sänger Taio Cruz auf der N-JOY Starshow.
Mit einer klasse Show und Bühnentechnik überzeugte der britische R&B-Sänger Taio Cruz auf der N-JOY Starshow. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Es ist schon erstaunlich: Elf Jahre lang haben sich die Veranstalter von Hannover Concerts und dem NDR bemüht, perfekt arrangierte Bands zum Plaza-Festival zu holen. Wir sind Helden wurden 2004 vom Rock-am-Ring-Festival eingeflogen, für Peter Fox wurden etliche Bläser abgemischt, und auch die Punkrockshow des Racing Teams von Ärzte-Frontmann Farin Urlaub mit Dutzenden Instrumenten galt als Herausforderung. Und nun sorgten ausgerechnet zwei Sänger, deren Musik hauptsächlich vom Band kommt, dafür, dass das Festival erstmalig drei Wochen vor der Show ausverkauft war. Taio Cruz und Pitbull verwandelten die Expo-Plaza am Sonnabend in eine Großraumdisko und setzten mit 25000 Besuchern ihr Musikmotto bei der N-JOY-Starshow erfolgreich um: mehr Bass, mehr Spaß.

Es ist 22.45 Uhr, als Taio Cruz die Bühne betritt. 45 Minuten später ist er schon wieder weg. Doch zwischenzeitlich sorgt der 29-Jährige für einen Ausnahmezustand. Tausende junge Damen kreischen, kieksen, quietschen vor Vergnügen. Mit schwarzem Schal zur schwarzen Sonnenbrille trägt er gemächlich seine souligen Diskostampfer namens „Dynamite“, „Higher“ und „Rokstarr“ vor. Ein weiblicher DJ mit Sturmflutfrisur holt dazu Bässe aus den Boxen, die man als Tiefschläge werten muss. Der Engländer singt die Gruppenhüpfhymne „Hangover“ und startet den Effektreigen: Schnipselregen, Wunderkerzen, Feuerfontänen, Rauchsäulen. Wäre Disneyland ein Wochenendklub, Taio Cruz wäre die Micky Maus, die den Laden zusammenhält. Da ist es auch egal, ob er nun den elektronisch verzerrten Gesang vom Band begleitet oder umgekehrt, Hauptsache, es knallt. Und wenn man einen Star daran erkennt, dass Tausende jubeln, wenn er die Brille absetzt, muss man sich den Namen Cruz merken. Da telefoniert Wolfgang Besemer von Hannover Concerts gern die halbe Nacht vor dem Gig deutschlandweit mit Technikverleihern, weil Herr Cruz kurzfristig sehr spezielles Equipment wünscht.

Auf der Expo-Plaza ist es voll. Der Radiosender N-JOY feiert die 12. Starshow mit: Taio Cruz, Pitbull, Frida Gold, Culcha Candela und Don Francis .

Auch der zweite Sänger namens Pitbull schont die Techniker nicht. Mehrere Perkussionisten, ein Saxofonist, etliche Synthesizer sorgen für den Sound, der im Ergebnis dann doch nach tanzbaren Holzhammerrhythmen klingt. Doch anders als Cruz setzt der Amerikaner auf vollen Körpereinsatz. Jede noch so dünne Basslinie springt die optische Mischung aus Telly Savalas und Ralf Schnoor mit Fliegerbrille nach. Der schwarze Anzug ist nach wenigen Sekunden ein elegant sitzender Lappen. Mit so einem Vortänzer würde die DDR-TV-Show „Medizin nach Noten“ noch laufen. Dazu pflügt der 30-Jährige durch die Musiklandschaft. Es erklingen Gitarrenriffs von Lenny Kravitz’ „Are You Gonna Go My Way“ und „Sweet Child o’ Mine“ von Guns N’ Roses. Pitbull rappt über die „Stay“-Melodie von Maurice Williams, verarbeitet „Hits from the Bong“ von Cypress Hill und macht aus „Ai Se Eu Te Pego (Nossa Nossa)“ den „härtesten Remix der Welt“. Dazu tanzt er mal Rumba, mal Technodisko-Freestyle und präsentiert seine Hits „Give Me Everything“ und „Back in Time“. Die Disko als Fitnesstanzstudio.

Fast etwas kraftlos wirkt da das Konzert von Frida Gold, dessen Sängerin Alina Süggeler sich in eine Art Morgenmantel zum kurzen Pumphosenensemble geworfen hat. „Tanzen wir uns den Teufel vom Rücken“, fordert sie kryptisch und gibt alles: Gesang auf Knien, Schmollmundküsse, Barfußtanz. Am Ende singt sie ihre Lieder „Zeig mir wie du tanzt“ und „Wovon sollen wir träumen?“ gleich zweimal. Hauptthemen unter den jungen Besuchern bleiben trotzdem die hübsche Kurzhaarfrisur und die druckvollen Bässe, mit denen auch die Plaza-Stammgäste von Culcha Candela agieren. Das Dancehall-Sextett, das sich vor zehn Jahren noch sehr politisch gab, setzt mittlerweile auf reinen Partypop samt Textzeilen wie „Das Leben ist zu kurz, um lange rumzuquatschen / Runter mit dem Niveau und alle hoch die Tassen“. Das mag man schade finden, aber von EM-Songs wie „Von Allein“ erwartet man auch nur bedingt Tiefe. Das Publikum tanzt zumindest ausgelassen.

Auf der Expo-Plaza steigt wieder das große NDR 2 Festival mit unter anderem: Xavier Naidoo, Rea Garvey,Tim Bendzko und wingenfelder:Wingenfelder

„Die Fans haben mit den Füßen abgestimmt“, sagt Besemer zum tanzlastigen Programm. „Ein voller Erfolg.“ Vor allem junge Frauen seien in diesem Jahr zum Festival gekommen. „Lenny Kravitz-Verhältnisse“, sagt N-JOY-Chef Norbert Grundei. Zwischenfälle habe es keine gegeben, alles friedlich und entspannt. Zwischen 21.30 und 22.30 Uhr allerdings hatte die Üstra Stromprobleme und musste Ersatzbusse einsetzen. Gegen Mitternacht mussten Fahrgäste bis zu 20 Minuten warten, die Bahnen waren entsprechend voll. „Es ist klar, dass wir trotz großer Vorbereitung nicht jede Minute eine Bahn fahren lassen können“, sagt Üstra-Sprecher Udo Iwannek. Trotz Verzögerung sei es aber gelungen, mehr als 8000 Menschen in einer Stunde zu transportieren. Die Veranstalter lobten die Zusammenarbeit entsprechend.

So bleibt Besemer am Ende des zweitägigen Festivals nur ein Problem: „Mir treten Schweißperlen auf die Stirn, wenn ich an das Programm des nächsten Jahres denke.“ Aber das sagt er jedes Jahr. Und dann wird doch wieder getanzt.

Jan Sedelies

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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