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Aus der Stadt 27 Künstler verschönern Gärten in Hannover
Hannover Aus der Stadt 27 Künstler verschönern Gärten in Hannover
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06:15 08.11.2012
Von Sonja Fröhlich
Bei einer Gemeinschaftsausstellung von 27 Künstlern aus der Region in der Güntherstraße wurden Vorgärten zu Freilichtbühnen umfunktioniert. Quelle: Tobias Kleinschmidt
Hannover

Im prallgrünen Vorgarten des Hauses Nummer 15 klafft mitten auf dem Rasen eine kahle, schlüpfrige Stelle. Vielleicht haben die Eigentümer dort einen Baum gefällt. Oder sie hatten im Sommer dort einen schweren Grill stehen, und das Gras ist nicht nachgewachsen. Schön ist das ja nicht grade - vor allem, weil die anderen Villenbesitzer ihre Vorgärten für die Kunstaktion in der Güntherstraße noch einmal auf Vordermann gebracht haben.

So in etwa könnte man sich das denken, wenn es da nicht das Schild am Zaun des Hauses Nummer 15 mit der Aufschrift „Pfütze“ gäbe. Und tatsächlich lohnt sich ein zweiter, intensiver Blick zu der Pfütze, die keine Pfütze ist. Vielmehr ist es das sehr realistische Foto einer Pfütze, das der hannoversche Fotokünstler Uwe Stelter auf eine Aluminiumscheibe gezogen hat - die hat er dann mitten in den Garten gelegt oder auch „installiert“. Kein Schandfleck, sondern Kunst. Das Spiel um Schein und Sein ist Stelters Spezialität, er mag es, den Betrachter zu täuschen - auch wenn das dann mal nicht so viel Aufmerksamkeit zieht.

So zogen gestern viele Menschen achtlos an seiner „Pfütze“ vorbei, die nach Meinung von Laudator und Kunstkritiker Michael Stoeber einer der Höhepunkte der Ausstellung ist. Aber zu sehen gibt es vieles in der Güntherstraße. Seit Sonntag stellt sich das Villenviertel im Stadtteil Waldhausen ganz offiziell als Freiluftgalerie vor. 27 Künstler aus der Region Hannover haben in 27 Vorgärten Kunst geschaffen. Das ist nicht neu, alle vier bis fünf Jahre wird die Güntherstraße zum Schauplatz der von der Gartenregion Hannover organisierten Gemeinschaftsausstellung „Wintergärten“. Neu ist aber, dass das Projekt jetzt die Jury des Bundeswettbewerbs „Stadt bauen. Stadt leben“ überzeugte und ausgezeichnet worden sei, wie die stellvertretende Regionspräsidentin Angelika Walther sagte.

Hunderte Menschen schlenderten an den Gärten vorbei

Für das diesjährige Kunstprojekt hat Kuratorin Dagmar Brand den Künstlern das Thema Wasser aufgegeben - auch vor dem Hintergrund, dass die weltweiten Wasserressourcen immer knapper werden. Hannovers Kulturdezernentin Marlis Drevermann lobte die Kunst („Die Künstler haben das Thema sehr gern und vielfältig in Szene gesetzt“) und auch ihren Kollegen im Rathaus, Umwelt- und Wirtschaftsdezernent Hans Mönninghoff („Er hat uns geholfen“). Mehrere hundert Menschen schlenderten gestern an den Gärten und Werken vorbei.

Boote und Schiffe gibt es jetzt zuhauf in der Güntherstraße - allerdings handelt es sich dabei eher um schlichte Modelle. Wie das Ruderboot von Maja Brockhaus, die damit vom Ursprung der Zivilisationen erzählt oder die Arbeit „Im Hafen“, mit der Edin Bajric gewollt sehnsuchtsvoll an die kleinen Papierschiffchen aus der Kindheit erinnern will. Von der kritischen Reflexion über das zeitgenössische Nomadentum der Kreuzfahrer auf den Weltmeeren (Klaus Madlowski) bis zur Wasserverschwendung in der Autowaschanlage (Timm Ulrichs) oder dem großformatigem „Seestück“ (Cornelia Urban) bleibt kaum ein Thema unbesetzt.

Nicht immer lässt sich das Thema Wasser sofort erkennen - viele Künstler haben sich ihm weniger offensichtlich genähert. Sina Heffner zeigt etwa vier riesige Giraffen aus Gips - der Vorgarten symbolisiert dabei den Fluss, den die Tiere mit dem langen Hals durchqueren. Barbara Lütjen hat gar den Himmel zur Erde gebracht, in Form eines Wolkenkissens. Schließlich seien Wolken eine Ansammlung winziger Wassertröpfchen, auch Nebel genannt, sagt sie. Lütjens Wolken sind wasserfest. Dieter Kists aus Beton gegossene Frösche sind auf dem Weg zum Wasser - man mag sich streiten, ob sie da schon plattgefahren sind. Er nutzt aber die Mauer des Hauses dafür, zu zeigen, dass es einen alternativen Weg außerhalb der üblichen Fahrstrecke gibt. Aber sag das mal einer den Fröschen.

Ethno-Antwort auf den traditionellen Gartenzwerg

Vor Haus Nummer Neun hat Rolf Sextro eine mehrere Meter hohe „Regenscheuche“ geschaffen, seine Ethno-Antwort auf den traditionellen Gartenzwerg, wie er sagt. Nur einen Namen gibt es für diese Gestalt im Blätterkleid noch nicht. Sextro hat für Vorschläge eigens einen wassergeschützten Notizblock am Zaun befestigt. Die Namen kann man dann in den Briefkasten der Hausbewohner stecken. Der war sicherlich an einem Sonntag noch nie so voll wie gestern.

Auf Interaktion setzt auch das „Refugium“ von Dagmar Schmidt. Ein Schild zitiert Elemente aus dem japanischen Tsunami-Frühwarnsystem. Es weist auf den Garten von Haus Nummer 22; dort gibt es eine Grillbank mit einem Topf Suppe darauf. Schmidt und ihr Sohn Kalle Kunze verteilen an die Zaungäste Kartoffelsuppe, es gibt auch Decken, die man sich ausleihen darf. Trockenübung für den Ernstfall. Von Katastrophen geschüttelt sehen die Kunstliebhaber in der Schlange indes eher nicht aus. Sollen sie auch nicht. „Es geht darum, Empathie zu fühlen für das Los und das Leiden anderer“, sagt Schmidt. Gestern war von Tiefsinn am Zaun allerdings nicht viel zu spüren. Nach drei Eröffnungsreden und einer Laudatio waren die Besucher schlichtweg hungrig.

Drei Monate stellen die Hauseigentümer ihr privates Grün zur Verfügung. Drei Monate nehmen sie in Kauf, dass ein reger Publikumsverkehr vor den Türen ihrer frei stehenden Villen stattfindet. Jeden Sonntag um 12 Uhr gibt es zudem eine Führung durch die Ausstellung „Wintergärten V“. Unter fachkundiger Anleitung könnte die Gefahr auch geringer sein, an künstlerischen Werken vorbeizulaufen.

An Holzscheiten zum Beispiel, die aussehen, als seien sie für den Kamin gespalten worden - aber so wie sie dort mahnend stehen, an die ungebremste Abholzung des Regenwaldes erinnern sollen. Auch das mehrfach geflickte Regenwasserrohr muss sich dem Besucher erst erschließen: Es handelt sich dabei nicht um ein mehrfach geflicktes Regenwasserrohre, sondern um eine 20 Meter lange Regenwasserschlange, die sich häutet. Oder es gibt die Pfütze, die keine Pfütze ist. Sondern Kunst im Garten.

Interview mit Anwohnerin Ute Kix, in deren Vorgarten eine Installation von Dagmar Schmidt steht:

Sagen Sie mal Frau Kix, stört es Sie nicht, wenn so viele fremde Menschen in Ihren Vorgarten gucken?

Nein überhaupt nicht. Das ist doch sehr kommunikativ. Wir sitzen selbst gern in unserem Vorgarten und trinken Wein. Wir sind es gewohnt, dass dort Menschen vorbeikommen.

Sie wissen ja: Ist der Ruf erst ruiniert ... Aber bei Ihnen herrscht zuweilen der meiste Andrang.

Aber die Menschen, die uns fremd sind, bleiben ja vor dem Zaun stehen. Zu uns rein kommen nur die, mit denen wir befreundet sind.

Und ich.

Ja, aber das ist eine Ausnahme.

Bei Ihnen hat Dagmar Schmidt ein „Refugium“ für Menschen geschaffen, die nach Naturkatastrophen einen Zufluchtsort suchen. Und es gibt Suppe. Wie finden Sie die Idee?

Das Kunstwerk passt gut in unseren Garten. Er ist für uns ja auch eine Art Refugium.

Aber die Menschen, die zu Ihnen kommen, flüchten vor keiner Naturkatastrophe.

Das nicht, aber bei der Kälte kann man eine heiße Suppe ja auch gut gebrauchen.

Waren Sie denn bei den Planungen dabei?

Ja klar. Wir haben mit der Künstlerin besprochen, wie viel Kohle sie für den Grill braucht oder was sie für Geschirr benötigt. Mein Mann hat beim Aufbau geholfen. Außerdem gab es ein Probeessen. Was wird am Ende von der Kunst in Ihrem Garten bleiben? (lacht) Ich denke, wir werden neuen Rasen legen müssen.

Interview: Sonja Fröhlich

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