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Aus der Stadt Soldat soll Munition in Spind gehortet haben
Hannover Aus der Stadt Soldat soll Munition in Spind gehortet haben
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00:15 10.07.2017
Ein Soldat aus der Kaserne soll in seinem Spind Munition gehortet haben. Quelle: HAZ/Archiv
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Hannover

Ein Soldat aus der Emmich-Cambrai-Kaserne soll Tausende Schuss Munition gestohlen und gehortet haben. „Er wird verdächtigt, gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen zu haben“, sagt Hannovers Polizeisprecherin Kathrin Pfeiffer. In der Kaserne in Hannovers Norden ist die Schule für Feldjäger und Stabsdienst beheimatet. Auch die Bundeswehr bestätigt den Fall. „Wir haben die internen Ermittlungen aufgenommen“, sagt ein Sprecher des Kommandos Streitkräftebasis in Bonn.

Der 29-Jährige soll insgesamt 2321 Patronen Gefechtsmunition für Handwaffen beiseite geschafft haben, darüber hinaus 630 Patronen Übungsmunition sowie fünf Übungsgranaten. „Das ist ein schwerwiegender Vorfall“, sagt der Bundeswehrsprecher. Der Verdächtige hat einen Mannschaftsdienstgrad. Wie lange der 29-Jährige schon in der Kaserne untergebracht ist, ist noch nicht klar. Die Munition sei am Dienstag entdeckt worden.

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Fall erinnert an Franco A.

Die Patronen und Granaten lagen demnach im Spind des 29-Jährigen. Der Diebstahl sei erst dadurch aufgeflogen, weil der Soldat einer Kameradin angeboten habe, mit der gestohlenen Munition zu schießen. Doch diese sei umgehend zu ihren Vorgesetzten gegangen und habe den Vorfall gemeldet.

Aufgrund der enormen Menge könnte der Soldat innerhalb der Kette von Transport und Aufbewahrung der Munition tätig gewesen sein. Warum der 29-Jährige die Patronen und Granaten hortete, ist noch unklar. Bundeswehr und Polizei machen zurzeit keine näheren Angaben.

Der Fall ähnelt stark dem von Franco A. im April dieses Jahres. Der rechtsextreme Oberleutnant soll Tausende Schuss Munition gestohlen und bei Komplizen gelagert haben. Die gestohlenen Patronen unterschiedlichsten Kalibers passen sowohl in Pistolen als auch Sturmgewehre. Gleichzeitig soll sich der 28-Jährige monatelang als syrischer Flüchtling ausgegeben und einen Anschlag geplant haben. Der Skandal löste eine Debatte über eine mögliche rechtsradikale Grundhaltung innerhalb der Bundeswehr aus.

Noch kein Kommentar vom Bundeswehrverband

Der Deutsche Bundeswehrverband möchte den jüngsten Vorfall momentan nicht kommentieren. Die Lage sei für eine Einschätzung noch zu unübersichtlich, teilt Sprecher Jan Meyer auf Anfrage der HAZ mit. Die Feldjäger stellen in Hannover mit rund 1.400 Personen (militärisches und ziviles Personal) die größte Bundeswehreinheit in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Neben der Feldjägerschule in der Emmich-Cambrai-Kaserne ist das Kommando Feldjäger in der Scharnhorst-Kaserne stationiert.

Der jetzige Munitionsfund in Hannover könnte auch den geplanten Besuch von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) überschatten. Sie soll am 4. August an einem feierlichen Gelöbnis in der Emmich-Cambrai-Kaserne teilnehmen. Von der Leyen hatte der Bundeswehr im Zuge des Skandals um Franco A. ein generelles Haltungs- und Führungsproblem unterstellt, sich aber wenig später für ihre Aussage entschuldigt.

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