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Aus der Stadt 300.000 besuchen City-Weihnachtsmärkte
Hannover Aus der Stadt 300.000 besuchen City-Weihnachtsmärkte
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22:29 07.12.2014
Von Michael Zgoll
Foto: In der Altstadt schieben sich Menschenmassen durch die Gassen.
In der Altstadt schieben sich Menschenmassen durch die Gassen. Quelle: Wallmüller
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Hannover

So voll war es noch nie. Sagt Michael Flohr. An die 300.000 Besucher, schätzt der Marktamtsleiter, haben sich von Freitag bis Sonntag über die Weihnachtsmärkte in der Innenstadt bewegt. Oder haben es zumindest versucht, inmitten der Massen zwischen Kunsthandwerk und Glühweinständen.

Besonders am Sonnabendnachmittag geht rund um Marktkirche und Ballhof gar nichts mehr. „Stehen die an oder wollen die weiter?“, möchte eine füllige Mittvierzigerin wissen. „Ist es da hinten auch so voll?“, fragt ein älterer Herr in der Menge. Die Antworten kennt niemand. Gut dran sind die, die als Gruppe einfach rumstehen und essen, trinken, klönen. Oder, wenn sich Platzangst breit macht, flüchten. Auf den veganen Weihnachtsmarkt etwa – da ist es merklich leerer.

In der Altstadt drängen sich auf den Weihnachtsmärkten am Nikolauswochenende fast 300.000 Besucher – am Steintor haben die Veganer Platz.

Zum fünften Mal haben die Veganer auf den Steintorplatz eingeladen. Die jahrelangen Debatten um eine festtagsgemäße Dekoration der Buden in der Altstadt sind an vielen der 30 Anbieter der Produkte ohne tierischen Ursprungs vorbeigegangen. Die neonhelle „Currywurstbude“ von Winfried Kaiser könnte auch auf einem Parkplatz am Rheinufer stehen. „Bis zu einer Stunde stehen die Leute bei mir an“, erzählt der Küchenchef. Heißt: Hier zählen die inneren Werte der Currywurst mehr als die Optik des Standes – Weizeneiweiß statt „großer Schweinerei“. Andere Händler versuchen, ihre Hütten mit Alibi-Lichterketten aus dem Baumarkt zu erleuchten. Im Kinderzelt immerhin ist’s schön geschmückt. Die Uhren am Steintor ticken anders als im Weihnachtswunderland der Altstadt. Dort bemüht man sich, ein im Kern freudiges Ereignis – die Geburt Jesu Christi – sinnesfroh zu begleiten. Mit allen Mitteln.

Am Steintor aber ist schon Passionszeit. „Massentierhaltung abschaffen“ oder „Kindern in Not helfen“ steht etwa auf den Plakaten. Man liest, dass eine Fluggesellschaft Versuchstiere in den Tod fliegt, es werden Vorträge gegen den Konsum von Tiermilch angeboten. In Feierstimmung kommt man inmitten der politischen Botschaften nur schwer. Aber wer sagt, dass die Tierschützer sich am Ende des Tages nicht besser fühlen als die Fleischspießesser?

Dirk Fehring-Prieß und Sebastian Rosmus preisen an ihrem Stand vegane Flusskreuzfahrten an. Und Ferien auf einem andalusischen Gut, wo auch Ledersofas – vorsicht Rind! – verpönt sind. Ein Stück weiter werden sogar vegane Kondome angeboten. Aus Naturkautschuk, nur mit pflanzlichen Farben. Das Fest der Liebe wird hier mit neuem Sinn gefüllt. Das Publikum des veganen Weihnachtsmarkts ist deutlich jünger als an der Marktkirche, das passt schon.

Und dann wird’s doch noch weihnachtlich am Steintor. Auf Strohballen sitzen zwei Pärchen am Lagerfeuer, summen Weihnachtslieder. Und an einer Keksbude bietet Kai Spitz Christstollen mit Marzipan. Das Ei? Wird durch Apfelpüree und Soja ersetzt. „Richtig lecker“, sagt Stollenkäuferin Brenda Rüping. Aber es sei ja schon ein alter Hut, dass vegane Kost genauso gut munden könne wie althergebrachte Spezereien.     

Nikoläuse besuchen verletzte Kinder

Als der Nikolaus in der Kinderklinik Auf der Bult auftaucht, muss Mutter Marie Tavartkiladze herzlich lachen. Ihr Sohn Giorgi guckt indes noch skeptisch. Dabei meint es Löschmeister Simon Haase von der Freiwilligen Feuerwehr Osterwald-Oberende doch nur gut mit dem Jungen, der sich jüngst eine schwere Brandverletzung am Kinn zuzog: Er verbrühte sich, als er einen Wasserkocher vom Tisch zog. Ein Dutzend Feuerwehr-Nikoläuse schwärmte zum Tag des brandverletzten Kindes in der Klinik aus und verteilte Geschenke an die Kleinen sowie Infomaterial an die Eltern.

07.12.2014
Michael Zgoll 10.12.2014