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Aus der Stadt „Notfalls streiken wir wochenlang“
Hannover Aus der Stadt „Notfalls streiken wir wochenlang“
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00:15 10.04.2015
Foto: Alleine in Hannover und Peine demonstrierten laut Gewerkschaft Verdi rund 2600 Erzieher und Sozialpädagogen für mehr Anerkennung und eine bessere Bezahlung.
Alleine in Hannover und Peine demonstrierten laut Gewerkschaft Verdi rund 2600 Erzieher und Sozialpädagogen für mehr Anerkennung und eine bessere Bezahlung. Quelle: dpa
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Viele von ihnen zeigten angesichts des eintägigen Warnstreiks Verständnis, äußerten aber Sorge vor einem möglicherweise längeren Ausstand. Unterdessen kündigte Verdi gestern offensiv einen weiteren Warnstreik an, sollten sich die Arbeitgeber bei der nächsten Verhandlungsrunde am morgigen Donnerstag weiter unbeweglich zeigen. Auch ein längerer Streik über mehrere Tage oder auch Wochen wird von Verdi und von den Erziehern nicht ausgeschlossen. Allerdings gilt wegen der derzeit noch laufenden Verhandlungen mit den Arbeitgebern noch die Friedenspflicht.

Rund 3000 Mitarbeiter der kommunalen Kindertagesstätten in Niedersachsen haben am Dienstag ihre Arbeit niedergelegt.

Verständnis für den Warnstreik äußerte gestern zum Beispiel Isabell Schöpke. Die Mutter kümmerte sich am Dienstag außerplanmäßig um ihre zweieinhalbjährige Tochter Hanna. Wenn der Streik länger dauern sollte, bekämen viele Eltern große Probleme, sagt sie allerdings.

Die Bereitschaft zum längeren Arbeitskampf scheint hoch. „Notfalls streiken wir wochenlang“, sagt Erzieherin Jacqueline Giersberg. Die 26-Jährige ist am gestrigen Dienstag mit ihrem Mann Stefan, der ebenfalls als Erzieher in einer städtischen Kita arbeitet, zur Streikkundgebung auf den Kröpcke gekommen. Sie ist sich sicher: „Die Eltern möchten eine gute Betreuung für ihre Kinder haben, das können wir aber nur leisten, wenn wir entsprechend bezahlt werden.“ Natürlich litten unter dem Streik eher die Eltern der Kinder und nicht die Stadt. Anders aber könnten die Erzieher keinen Druck in der Tarifauseinandersetzung aufbauen.

2009 hatte der Tarifkonflikt zwischen den kommunalen Arbeitgebern und Verdi um die Arbeitsbedingungen von Erziehern insgesamt zwölf Wochen gedauert. Damals waren die Kitas in Hannover gleich mehrfach kurz hintereinander bestreikt worden, darunter auch eine gesamte Woche am Stück.

Bei der Stadt denke man derzeit darüber nach, einen Notdienst einzurichten, sollte es zu einem längeren Streik kommen, berichtet Behördensprecherin Konstanze Kalmus. Die Schwierigkeit sei jedoch der hohe gewerkschaftliche Organisationsgrad der Erzieherinnen und Erzieher, der die Einrichtung solcher Notgruppen erschwere. Gestern sollen alle 40 von der Stadt betriebenen Kitas in Hannover und knapp 200 kommunale Betreuungseinrichtungen im Umland betroffen gewesen sein. Die Erzieher fordern unter anderem durchschnittlich 10 Prozent mehr Lohn. Der Kita-Stadtelternrat weist darauf hin, dass Eltern ihre Kita-Beiträge anteilig für bestreikte Tage von der Stadt zurückfordern können.

Von Mathias Klein

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