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Aus der Stadt 3000 Schulabgänger ohne Ausbildungsstelle
Hannover Aus der Stadt 3000 Schulabgänger ohne Ausbildungsstelle
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00:19 20.08.2014
3000 Ausbildungsplatzsuchenden stehen derzeit 2669 offene Ausbildungsstellen in den Betrieben gegenüber.
3000 Ausbildungsplatzsuchenden stehen derzeit 2669 offene Ausbildungsstellen in den Betrieben gegenüber. Quelle: dpa
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Hannover

Fast 3000 Schulabgänger sind nach Beginn des Ausbildungsjahres noch ohne Lehrvertrag – so sagt es die Statistik der Arbeitsagentur. Zugleich verdeutlicht sie die paradoxe Situation auf dem Ausbildungsmarkt in der Region: Denn den fast 3000 Suchenden  stehen derzeit 2669 offene Ausbildungsstellen in den Betrieben gegenüber. Rechnerisch dürfte es das Problem also fast gar nicht mehr geben. Aber: „Angebot und Nachfrage passen leider oft nicht zusammen“, sagt Sonja Kazma von der Arbeitsagentur-Regionaldirektion.

Insgesamt ist die Zahl der jungen Leute, die eine Ausbildung wünschen, deutlich gestiegen. In diesem Jahr registrierte die Arbeitsagentur im Raum Hannover 7988 Bewerber – ein Plus von 11,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Gesamtzahl der bei der Agentur gemeldeten Ausbildungsstellen dagegen ist um 5,7 Prozent auf 6273 gesunken.

Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) ist sich Berufsbildungschef Günther Hirth sicher, dass etliche Jugendliche gute Chancen haben, doch noch unterzukommen. Schließlich gebe es immer wieder angehende Azubis, die mehrere Zusagen bekommen, die Unternehmen aber nicht darüber informierten. „Jetzt ist die Chance für andere, die noch verzweifelt auf der Suche sind“, sagt Hirth: „Es lohnt sich, bei den Unternehmen direkt anzurufen.“ Zudem fängt das Ausbildungsjahr in etlichen Branchen nicht am 1. August, sondern am 1. September an.

Heiß begehrt sind weiterhin Ausbildungsplätze etwa in der Kfz-Mechatronik, im Bürowesen und im Einzelhandel. „Wir raten den Bewerbern, dass sie flexibel sein sollen“, sagt Kazma. Allein vom Beruf des Kfz-Mechatronikers gebe es 16 Varianten, darunter der Zweirad- oder der Nutzfahrzeugemechatroniker. Jugendliche sollten sich nicht zu sehr festlegen. Offene Stellen gibt es unter anderem noch im Bereich Verkauf – hier sind laut jüngster Statistik regionsweit noch 287 Ausbildungsplätze zu haben. Auf Platz zwei kommt die Gastronomie. Die Branche sucht noch 189 Bewerber. Im Bereich der Arzt- und Praxishilfe verzeichnet die Arbeitsagentur 162 unbesetzte Stellen. 

Flexibilität werde aber auch von den Unternehmen erwartet, sagt Agentursprecherin Kazma. „Die Arbeitgeber sollen den Jugendlichen ruhig eine Chance geben, auch wenn sie als Bewerber vielleicht nicht perfekt erscheinen.“ Langfristig gebe es schließlich immer weniger Bewerber. Die Unternehmen seien in der Pflicht, auch auf jene zuzugehen, die auf den ersten Blick nicht perfekt in ihr Anforderungsprofil passten.

Das gelte insbesondere auch für Branchen, in denen seit Jahren ein starker Bewerberrückgang registriert werde, etwa in der Hotel- und Gastrobranche. „Diese Bereiche hatten es ohnehin nie wirklich leicht“, sagt auch IHK-Mann Hirth. „Manche Jugendliche finden, diese Berufe werden zu schlecht bezahlt. Andere stören die ungewöhnlichen Arbeitszeiten“, bestätigt Kazma. Branchen müssten an ihrem Image arbeiten, wenn sie in Zukunft ausreichend Bewerber gewinnen wollten.

Von Manuela Wilk

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