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Aus der Stadt 45.000 feiern an drei Tagen auf der Expo-Plaza
Hannover Aus der Stadt 45.000 feiern an drei Tagen auf der Expo-Plaza
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08:00 07.06.2010
Von Bärbel Hilbig
„Auch wenn ich überzeugter Sohn Mannheims bin: Ihr scheint mir im Moment die geheime Hauptstadt Deutschlands zu sein“, begrüßt Naidoo am Sonnabend knapp 20.000 Besucher auf der Expo-Plaza. Quelle: Michael Thomas
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45.000 Besucher feiern zehn Jahre nach der Expo in Hannover an drei Tagen beim NDR Plaza Festival den runden Geburtstag. Bei der "N-Joy-Starshow" begeistert vor allem Xavier Naidoo: Höflicher als Xavier Naidoo kann ein Popstar kaum sein. Der 38-Jährige ist unangefochten ein meisterlicher Sänger, der Zuhörer stimmgewaltig und wie nebenbei in seinen Bann zieht. Und dennoch versäumt er es nicht, Hannovers junger Eurovision-Song-Contest-Siegerin Lena seine Referenz zu erweisen. „Auch wenn ich überzeugter Sohn Mannheims bin: Ihr scheint mir im Moment die geheime Hauptstadt Deutschlands zu sein“, begrüßt Naidoo am Sonnabend knapp 20.000 Besucher auf der Expo-Plaza. Und die danken ihm die Schmeichelei mit Jubel, bevor er ihnen sein Universum aus guten Botschaften präsentiert.

Vieles hat inzwischen längst Hit-Charakter. „Führ mich ans Licht“, „Sie sieht mich nicht“, „Ich kenne nichts“, „Dieser Weg“, „Was wir alleine nicht schaffen“, „Bevor du gehst“, „20 000 Meilen“: Die Fans singen mit glücklichem Lächeln mit. Und das erscheint umso erstaunlicher, weil die Texte oft religiös grundiert sind, manches Liebeslied genauso gut eine begehrte Frau meinen kann wie Gott. Der elfjährige Sean aus Laatzen hatte sich vor allem auf Naidoos Auftritt gefreut. „Ich mag seine Texte, weil sie Sinn machen.“ Und tanzen könne der auch, was am Sonnabend zu besichtigen war. Manchmal scheint Naidoo fast über den wogenden Armen und Handykameras der Zuschauer zu schweben.

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Das, was Xavier Naidoo im lässigen Wiegeschritt erreicht, muss Silbermond-Frontfrau Stefanie Kloß noch mit einem tiefen Griff in die Fan-Begeisterungs-Trickkiste erringen. Sie sprintet energiegeladen über die Aufbauten, animiert zum Mitklatschen, holt Zuschauer als Tänzer auf die Bühne, lässt sich über die Menge tragen und präsentiert ihre aufs Gefühl zielenden Popsongs in harter Rockpose. Für ein paar Songs zieht die Band durch das dicht gedrängte Publikum auf eine improvisierte Bühne in der Mitte der Plaza. Andreas Novak, dort ohne Schlagzeug, verblüfft, indem er mit elektronischen Sticks die Luft bearbeitet. Den Trick kennen die meisten Zuschauer noch nicht.

Der von N-Joy ausgerichtete Festivaltag gehört eindeutig dem jüngeren Publikum. Viele Kinder verfolgen die Auftritte von den Schultern ihrer Väter oder tanzen in einem eigenen geschützten Areal neben der Bühne. Zum Zielpublikum passt auch der belgische Balladensänger Milow, der nachmittags begleitet von einer exzellenten Ko-Sängerin seine eher melancholischen Stücke präsentiert, aber spätestens bei „Ayo Technology“ gehen fast alle im Publikum mit. Bandmusiker Tom Vanstiphout lässt auf Deutsch „99 Luftballons“ fliegen, die Fans sind begeistert. Die Veranstalter zeigen sich nach drei sommerlichen Tagen mit insgesamt 45.000 Besuchern hochzufrieden. Die Zukunft des NDR Plaza Festivals ist am zehnten Geburtstag noch nicht geklärt, auch wenn NDR und Hannover Concerts bekräftigen, dass sie weitermachen wollen. Dazu sei aber eine neue, fest installierte Bühne notwendig, die rund 50 000 Euro kosten könnte. Die bisherige Vereinbarung ist jetzt abgelaufen. Die günstigen Eintrittspreise von 20 Euro pro Tag seien nicht marktgerecht und nur mit besonderem Einsatz und Sponsoren möglich.

Naidoo zumindest verabschiedet seine Zuhörer am Sonnabend gewohnt optimistisch: „Und ich glaube, Deutschland wird Weltmeister!“ Das mag dahingestellt sein. Doch als dann Lenas „Satellite“ erklingt, tänzeln etliche Konzertbesucher euphorisch von der Expo-Plaza.

Der NDR zeigt einen Konzertmitschnitt am 23. Juli um 24 Uhr.

Dicht aneinander gedrängt, in der ersten Reihe direkt vor der Bühne stehen an diesem Sonntagnachmittag nicht etwa kreischende Teenie-Fans, sondern gesetzte, ältere Herren mit ihren Frauen an der Seite. Sie klatschen im Takt, schunkeln fröhlich und heben dabei immer wieder die Arme. Etwas abseits haben es sich einige Zuschauer auf Campingstühlen bequem gemacht. Manche tanzen, andere singen lautstark mit. Es ist eine ausgelassene, fröhliche Atmosphäre, die sich beim Schlagertag des NDR-Plaza-Festivals verbreitete.

Die Künstler, darunter etwa Andrea Berg, Mary Roos, Bernhard Brink und Helene Fischer, ließen sich von der Stimmung anstecken. „Ich möchte eigentlich viel lieber bei euch sein“, sagte etwa Mary Roos. Und verließ daraufhin kurzerhand die Bühne, um singend durch das Publikum zu ziehen, Fans zu umarmen und Hände zu schütteln. Roos begeisterte nicht nur mit Hits wie „Einmal um die Welt“ und „Nur die Liebe lässt uns leben“, sondern zeigte auch, dass sie durchaus rocken kann. Mit rauchiger Stimme und ausgelassen tanzend gab sie Rockabilly-Songs wie etwa „See you later alligator“ von Bill-Haley und „Let’s have a party tonight“ von Wanda Jackson zum Besten.

Und auch nach ihrem Auftritt hielt die gute Laune an. Mary Roos ließ es sich nicht nehmen, sich den Auftritt ihrer Kollegin Helene Fischer anzuschauen und kräftig mitzuklatschen. Als Helene Fischer auf die Bühne kam, brandete der Applaus im Publikum heftig. „Helene“, hörte man einige rufen. Mit Liedern wie „Morgen früh küss ich dich wach“ und „Mitten im Paradies umgarnt sie das Publikum und muss schließlich am Ende ihres Auftrittes eine Zugabe anstimmen. So schnell will das Publikum sein Idol nicht loslassen. Und auch auf dem Gesicht von Hans Schmitt zeichnete sich ein breites Lächeln ab. „Sie ist so freundlich und natürlich“, sagt die 65-Jährige, der fast alle Lieder mitsingen kann.

Bärbel Hilbig und Stefanie Nickel