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Aus der Stadt Mindestens 500 neue Wohnungen geplant
Hannover Aus der Stadt Mindestens 500 neue Wohnungen geplant
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00:15 10.04.2015
Von Andreas Schinkel
Foto: Stellten die Pläne für das Gebiet des ehemaligen Oststadtkrankenhauses vor: Barbara Schulte, Stefan Schostok und Hauke Jagau.
Stellten die Pläne für das Gebiet des ehemaligen Oststadtkrankenhauses vor: Barbara Schulte, Stefan Schostok und Hauke Jagau. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Hannover wird in den kommenden Jahren einen wahren Bauboom erleben. Nicht nur auf der Conti-Brache in Limmer und am Kronsberg soll in einigen Jahren Platz für Tausende Bewohner geschaffen werden, jetzt entsteht auch mitten im Stadtgebiet Hannovers ein neues Viertel. Auf dem Grundstück des ehemaligen Oststadtkrankenhauses in Groß-Buchholz sowie auf zwei benachbarten Flächen sollen mindestens 500 Wohnungen gebaut werden.

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Reihenhäuser wechseln sich mit Geschosswohnungen ab, günstige Mietwohnungen, teilweise zum Sozialtarif, und Eigentumswohnungen sollen angeboten werden. „Für uns ist das ein wichtiges Projekt, um dringend benötigten Wohnraum zu schaffen“, sagte Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) am Dienstag bei der Vorstellung der Pläne.

Auch südlicher Teil soll langfristig bebaut werden

Der erste Bauabschnitt wird bereits im Frühjahr 2016 beginnen. Er beschränkt sich zunächst auf die Flächen nördlich des ehemaligen Bettenhauses. Dort sind derzeit noch rund 460 Flüchtlinge untergebracht, Tendenz steigend. „Wir beginnen mit den Bauarbeiten im Norden, betreiben aber parallel die Unterkunft weiter“, sagt Baudezernent Uwe Bodemann. In drei bis vier Jahren, so hofft er, sei der Bedarf an Wohnraum für Flüchtlinge nicht mehr so hoch, sodass auch der südliche Teil des Grundstücks bebaut werden könne.

Pläne bestehen schon länger

Die Pläne liegen seit zwei Jahren in der Schublade. Die Stadt Hannover hatte einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben, aus dem das Münchner Büro Morpho-Logic-Architekten als Sieger hervorging. Doch mehrere Hürden standen einer schnellen Vermarktung des Grundstücks im Weg. Die Fläche gehörte bisher nicht der Stadt, sondern dem Klinikum Region Hannover. Zudem lasteten mehrere Erbpachtverträge, etwa mit der Medizinischen Hochschule und der städtischen Immobiliengesellschaft GBH, auf Teilen der Fläche. Erschwerend kam im vergangenen Jahr hinzu, dass die Stadt im Einvernehmen mit dem Klinikum eine Notunterkunft für Flüchtlinge im ehemaligen Bettenhaus einrichtete. Dafür zahlte die Stadt dem Regionsklinikum eine monatliche Pauschale von 50 000 Euro.

Ratspolitiker befürchteten wegen dieser Hürden, dass sich der Bau neuer Häuser auf dem Gebiet extrem verzögert. „Dabei benötigen wir auch für Flüchtlinge dringend neue Wohnungen“, sagte CDU-Ratspolitiker Maximilian Oppelt im vergangenen Jahr.

Kein Kauf sondern „Rückfall“

Zumindest die eigentumsrechtlichen Hürden haben Stadt und Regionsklinikum jetzt beseitigt. Nach „intensiven Gesprächen“, wie OB Schostok sagt, habe man eine Lösung gefunden. Die Stadt übernimmt das Grundstück des ehemaligen Oststadtkrankenhauses, dessen Belegschaft inzwischen in einem Neubau in Linden untergebracht ist. Nicht als Kauf, sondern als „Rückfall“ an die Landeshauptstadt sei die Übernahme zu werten, betont Regionspräsident Hauke Jagau (SPD), zugleich Aufsichtsratschef des Klinikums.

Damit spielt er auf eine Besonderheit bei der Gründung des Regionsklinikums vor zehn Jahren an. Damals übernahm das Klinikum etliche Immobilien von der Stadt Hannover. Sollte eines Tages die Aufgabe der kommunalen Patientenversorgung wieder abgegeben werden, fallen die Grundstücke zurück in die Hände der Stadt, so lautete die Vereinbarung.

Stadt verzichtet im Gegenzug auf Siloah und Frauenklinik

Eigentlich steht das Klinikum auf dem Standpunkt, dass der „Rückfall“ beim Oststadtkrankenhaus gar nicht eingetreten sei, schließlich ist die Belegschaft nur umgezogen und der Krankenhausverbund besteht weiter. Die Stadt ist aber der Ansicht, dass überall dort, wo jetzt kein Krankenhaus mehr betrieben wird, die Immobilien wieder zurück an die Stadt gehen. „Wir wollten einen Rechtsstreit vermeiden“, sagt eine Rathauskennerin. Im Gegenzug zur Übernahme des ehemaligen Oststadtkrankenhauses verzichtet die Stadt auf Ansprüche auf die Frauenklinik in der Nordstadt und das alte Siloah in Linden, die beide ebenfalls leer stehen. Das Klinikum hat nun die Möglichkeit, diese Immobilien zu verkaufen. „Eine Projektentwicklung für das Oststadtkrankenhaus wäre für uns aus Kostengründen gar nicht möglich“, sagt Barbara Schulte, Geschäftsführerin des Regionsklinikums.

Erbpachtverträge müssen zunächst abgelöst werden

Tatsächlich macht die Stadt Hannover mit der Vermarktung der Flächen in Groß-Buchholz keinen Gewinn. „Unterm Strich wird ein Negativsaldo von 3 Millionen Euro stehen“, sagt Schostok. Denn die Erbpachtverträge müssen abgelöst werden, die maroden Gebäude des Krankenhauses abgerissen und neue Leitungen verlegt werden. Zudem will die Stadt eine Kindertagesstätte für die neuen Bewohner bauen. Als Erlös aus dem Grundstücksverkauf hat die Stadt eine Summe von knapp 11 Millionen Euro eingeplant. „Als Investition in den Wohnungsbau macht sich das aber in jedem Fall bezahlt“, sagt Schostok.

Alte Klinikkapelle bleibt erhalten

Eine Reminiszenz an das Oststadtkrankenhaus bleibt auf dem mehr als 70 000 Quadratmeter großen Grundstück auch nach der Bebauung erhalten. Die Architektenpläne räumen der Klinikkapelle einen Platz ein. „Es muss sich aber jemand finden, der die Trägerschaft übernimmt“, sagt Baudezernent Uwe Bodemann. Das dürfte nicht allzu schwierig sein.

Als vor ein paar Jahren klar wurde, dass das Grundstück an der Podbielskistraße nach dem Umzug von Patienten und Personal bebaut werden soll, gründete sich eine Bürgerinitiative, die die Kapelle retten wollte. Die Gruppe schlug vor, im Erdgeschoss des Baus eine Ausstellung zur Medizingeschichte einzurichten, um die Erinnerung an den Klinikstandort mit seiner reichen historischen Tradition wachzuhalten. Das Oststadtkrankenhaus war Vorläufer und Gründungsort der renommierten Medizinischen Hochschule Hannover.

Im Obergeschoss soll es Platz für Kunstausstellungen geben. Die Mittel für den Betrieb will die Gruppe selbst aufbringen.

Andreas Schinkel 09.04.2015
Mathias Klein 09.04.2015