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Aus der Stadt 5000 Schüler demonstrieren für Klassenfahrten
Hannover Aus der Stadt 5000 Schüler demonstrieren für Klassenfahrten
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00:15 16.01.2015
Von Saskia Döhner
Im November 2013 waren noch 5600 Schüler auf die Straße gegangen, um Entlastung für die Pädagogen zu fordern.
Im November 2013 waren noch 5600 Schüler auf die Straße gegangen, um Entlastung für die Pädagogen zu fordern. Quelle: Thomas
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Hannover

Herr Melchert, am morgigen Mittwoch wollen in Hannover rund 5000 Schüler aus ganz Niedersachsen auf die Straße gehen. Warum?
Weil wir es als Schüler satt haben, dass die Lehrer und die Landesregierung ihren Konflikt um die Mehrarbeit an Gymnasien weiterhin auf dem Rücken der Schüler austragen. Beide Seiten verharren in ihren Ecken anstatt aufeinander zu zugehen. Land und Lehrer sollten endlich einen Kompromiss finden. Dafür muss man auch bereit sein, Abstriche zu machen. Aber danach sieht es im Moment leider nicht aus. Besonders wollen wir als Schüler gegen den Klassenfahrtenboykott demonstrieren. Zahlreiche Jugendorganisationen, etwa von Parteien, unterstützen unseren Schulstreik, wie die Junge Union, die Jusos, aber auch der Landesjugendring.

Weil die wöchentliche Unterrichtsverpflichtung ab diesem Schuljahr auf 24,5 Stunden erhöht worden ist, haben die Personalräte an zwei Dritteln der Gymnasien entschieden, Klassenfahrten erst mal auszusetzen. Aus Schülersicht ist das ...
... unfair. Denn eine ganze Generation von Schülern wird auf diese Weise um Erlebnisse gebracht, die für die Schulzeit oft prägend sind. Man lernt die Klassenkameraden, aber auch den Lehrer noch einmal von einer ganz anderen Seite kennen. Es ist auch gar nicht klar, wie lange der Klassenfahrtenboykott eigentlich gelten soll. Auf jeden Fall sind die Fünftklässler, die in diesem Schuljahr um ihre Einführungsfahrt gebracht werden, und die Abiturienten, die keine Abschlussfahrt haben, besonders gekniffen.

Im November 2013 waren noch 5600 Schüler auf die Straße gegangen, um Entlastung für die Pädagogen zu fordern. Warum jetzt die Kehrtwende?
Von einem Klassenfahrtenboykott war damals noch gar nicht die Rede. Die Demonstration morgen richtet sich nicht gegen die Lehrer, sondern dagegen, dass über den Klassenfahrtenboykott die Schüler die Leidtragenden des Konflikts sind. Das schlägt inzwischen auch merklich auf das Schulklima.

Woher kommen die Schüler, die sich zum Protest angemeldet haben?
Aus dem ganzen Land. Wir haben zum Beispiel Anmeldungen aus Oldenburg, Osnabrück, Hildesheim, Braunschweig und aus Lüneburg. Sicherlich werden auch aus Hannover besonders viele kommen. Es haben sich sogar einige Eltern bereit erklärt, jüngere Schüler zu begleiten.

Warum protestieren Sie morgens während der Unterrichtszeit und nicht nachmittags?
Viele Institutionen, vor denen wir demonstrieren, wie das Kultusministerium, würden uns nachmittags nicht wahrnehmen. Ein Erlass von 2003 erlaubt es Schülern in diesem Fall sogar ausdrücklich, vom Unterricht fernzubleiben.

Zur Person

Tjark Melchert ist 17 Jahre alt und stellvertretender Vorsitzender des Landesschülerrates. Er besucht den zwöften Jahrgang des beruflichen Gymnasiums in Gifhorn und hat den Schülerstreik am 14. Januar in Hannover als Privatperson angemeldet. Er sei überrascht, wie gut die Organisation geklappt habe. Schließlich sei dies seine erste Erfahrung mit Großveranstaltungen. Die Demonstration startet um 10 Uhr am Opernplatz und endet vor dem Kultusministerium.

Interview: Saskia Döhner

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