Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt 54-Jähriger wollte Haus in die Luft sprengen
Hannover Aus der Stadt 54-Jähriger wollte Haus in die Luft sprengen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 20.06.2014
Von Michael Zgoll
Das Wohnhaus an der Spichern- Ecke Kriegerstraße in der List. Quelle: Herzog
Anzeige
Hannover

Der Mann, der um ein Haar ein fünfgeschossiges Lister Mietshaus in die Luft gesprengt hätte, ist am Dienstag vom Schwurgericht zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt worden. Der 54-jährige Hans-Henning B. hatte Anfang Dezember 2013 in seinem Keller mithilfe einer abenteuerlichen Konstruktion ein Feuer gelegt, das eine Propan-Butan-Gasflasche auf 85 Grad erhitzt hatte; das geplante Inferno wertete die Kammer als erweiterten Selbstmordversuch. Verurteilt wurde der Bewohner aus der ersten Etage wegen versuchten Mordversuchs in 13 Fällen. Mordmerkmale waren Heimtücke und die Verwendung gemeingefährlicher Mittel. In das Strafmaß flossen auch die Delikte „versuchte Brandstiftung“ und „versuchtes Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion“ ein.

Als ein Hausbewohner den Brand an einem Montagmorgen gegen 7 Uhr entdeckte, befanden sich 13 Personen in dem Haus Spichern- Ecke Kriegerstraße. Im Keller von B. entdeckten Polizei und Feuerwehr inmitten von Rauch und Feuer einen glühend heißen elektrischen Campingkocher, eine Zeitschaltuhr und den mit 21 Litern Flüssiggas gefüllten Druckbehälter. Mit Benzin getränkte Pappen und Textilien hatten den Brand beschleunigt. Die Feuerwehr konnte die heiße Gasflasche ins Freie befördern und das Feuer löschen, sodass es zu keiner Explosion kam. „Doch viel hat nicht gefehlt, es war fünf vor zwölf“, sagte der Vorsitzende Richter Wolfgang Rosenbusch in der Urteilsbegründung.

Anzeige

In Gang gesetzt hatte B. die Stromzufuhr zur Kochplatte über eine Leitung, die vom Keller in seine Wohnung führte. Den Schalter legte der gelernte Programmierer gegen 5.30 Uhr um – mit 2,3 Promille Blutalkohol und zusätzlich berauscht durch Marihuana. Mit der Gasflaschenbombe, so Rosenbusch, hätte man das 18-Parteien-Mietshaus in Schutt und Asche legen können, dabei wären vielleicht auch Passanten in Mitleidenschaft gezogen worden: „In anderen Zusammenhängen wird so etwas als Terroranschlag bezeichnet.“

Die Anklage hatte für B. siebeneinhalb Jahre Haft gefordert, Verteidiger Jan-Martin Fett auf Freispruch plädiert. Sein Mandant habe mit dem Feuer – ohne Kenntnis der Gasflasche – nur auf seinen Leichnam aufmerksam machen wollen, den die Polizei nach einem Suizid per Kohlenmonoxidvergiftung in der Zweizimmerwohnung hätte finden sollen. Einen Selbstmordversuch dieser Art gab es an jenem Morgen aber nicht.

Das Schwurgericht billigte dem nicht vorbestraften 54-Jährigen aufgrund seiner Alkoholisierung zur Tatzeit erheblich verminderte Steuerungsfähigkeit zu. B. sei depressiv veranlagt, habe isoliert gelebt, Probleme mit Nachbarn sowie Behörden gehabt und nur über das Internet soziale Kontakte gepflegt. Erschwerend sei hinzugekommen, dass der Vermieter dem arbeitslosen Hartz-IV-Empfänger im November die Wohnung gekündigt hatte. Mit seinem perfiden Selbstmordplan habe Hans-Henning B. jedoch in Kauf genommen, dass außer ihm auch etliche andere Menschen durch Explosion, Flammen und Rauchvergiftung sterben.

Nord Bande mit sechs Mitgliedern - Polizei nimmt Einbrecher in Vahrenwald fest
17.06.2014
Rüdiger Meise 20.06.2014
Wissen Wissenschaftspreis für MHH-Professor - Fritz-Behrens-Stiftung ehrt Haverich
Nicola Zellmer 17.06.2014