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Aus der Stadt Berufsschüler wollen nicht „springen“
Hannover Aus der Stadt Berufsschüler wollen nicht „springen“
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00:15 24.01.2014
Von Bärbel Hilbig
Quelle: Tobias Kleinschmidt
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Hannover

Vor dem Regionshaus übergab Sinan Aydogan, Schülersprecher der BBS 6, rund 1000 Unterschriften an Regionspräsident Hauke Jagau. Die Region will die BBS 6 auflösen und die 900 Kfz-Technik-Azubis an die BBS Burgdorf schicken. Der zweite Zweig der BBS 6, eine Berufseinstiegsschule für rund 350 junge Männer ohne Schulabschluss, soll auf andere, meist nahe gelegene Berufsschulen verteilt werden. Die auf Recht und Verwaltung spezialisierte Hannah-Arendt-Schule soll zum großen Teil in das bisherige Gebäude der BBS 6 ziehen. Geplant ist allerdings, dass die 400 angehenden Steuerfachangestellten unter den Hannah-Arendt-Schülern die BBS Springe besuchen. Die Schüler befürchten lange Wege, höhere Kosten und eine womöglich schlechtere Betreuung.

Mehrere hundert Berufsschüler haben gegen Veränderungen an ihren Berufsschulen demonstriert. Unter anderem will die Region Hannover die BBS 6 auflösen.

Jagau versuchte zu erläutern, dass die Region bis zum Jahr 2020 mit einem Schwund von 4500 Berufsschülern rechnet. Zwei marode Gebäude sollen deshalb jetzt aufgegeben werden. Er traf auf wenig Verständnis. Axel Brockmann, CDU-Kandidat für die Regionspräsidentenwahl, suchte ebenfalls das Gespräch. „Es steht außer Frage, dass wir uns auf den demografischen Wandel einstellen müssen“, sagte er. Auch den Erhalt der drei BBS-Standorte im Umland, den die Region mit ihrem Konzept verfolgt, befürwortet Brockmann. „Aber wie mit den Schülern, Eltern und Unternehmen im Vorfeld umgegangen wurde, ist nicht vernünftig vorbereitet worden.“

Auch im folgenden Schulausschuss bot sich ein ungewohntes Bild: Rund 150 Lehrer und Schüler hörten zu und reagierten mit Applaus und Jubel, als die Leiter der beiden vor allem betroffenen Berufsschulen ans Mikro gingen. Michael Sternberg (BBS 6) fragte, warum die Region nur seine Berufseinstiegsschule auflösen will. Die Region will damit erreichen, dass die Jugendlichen ihr Berufsvorbereitungsjahr bereits an der Berufsschule machen, die auch die passende duale Ausbildung anbietet.

Sternberg sagte, an vielen anderen BBS solle das jedoch nicht verwirklicht werden. Berufsschullehrer übten Kritik an etlichen Details des vorgelegten Berufsschulkonzepts. Manche Aussagen in dem Papier sind offenbar faktisch nicht richtig. So sollen die Steuerfachangestellten in Springe angesiedelt werden. Die Lehrer stellten die Begründungen, die das Konzeptpapier dafür liefert, infrage. So gibt es nach Aussage der Lehrer in anderen Großstädten keine enge Verzahnung der Ausbildung von Steuerfachangestellten und Immobilienkaufleuten. Widersprochen wurde dem am Dienstag nicht.

Ulf-Birger Franz, Regionsdezernent für Schule und Wirtschaft, erklärte, dass der Sanierungsbedarf am Gebäude der BBS 3 und der Zweigstelle Wunstorf aktuell bei rund 40 Millionen Euro liegt. Das Geld will die Region sparen. Für Abriss, geplante Umbauten, Umzüge und Neubau von zwei Mehrzweckhallen, die das Konzept vorsieht, sind 21,6 Millionen Euro veranschlagt. Vorschläge, die Kfz-Berufe im Westen Hannovers anzusiedeln, wo viele Betriebe liegen, lehnt er ab. Vor Jahren war das diskutiert worden. „Ein Neubau ist heute aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr realistisch.“

Die CDU kritisierte, dass die Kostenkalkulation im Konzept fehle, und forderte, es zurückzuziehen. Ignazio Pecorino (Grüne) plädierte stattdessen dafür, die wirtschaftlichen und pädagogischen Auswirkungen zu prüfen. Die Fraktionen beschlossen einstimmig eine Anhörung der Betroffenen am 13. Februar um 14 Uhr.

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