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Aus der Stadt 6000 Landwirte feiern auf Young Farmers Party
Hannover Aus der Stadt 6000 Landwirte feiern auf Young Farmers Party
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00:17 16.11.2015
Die legendäre Young Farmers Party in der TUI-Arena. Quelle: Michael Wallmüller
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Hannover

Was Junglandwirt Hinrich Wehmann verkündet, klingt im dichten Gedränge zwischen schwankenden Karohemden-Trägern und mit Bier gefüllten Plastikbechern wie eine Prophezeiung: „Die Party wird anders, als du es gewohnt bist. Hier läuft ein Haufen Bauern rum.“ Er wird Recht behalten: Anders wird die Party auf jeden Fall.

Schon eine Stunde nach Einlass am Donnerstagabend ist in der Tui-Arena zwischen den gutgelaunten Partygästen kein Durchkommen mehr. So schnell wie in diesem Jahr waren die 6000 Eintrittskarten zur Young Farmers Party auf der Agritechnica noch nie verkauft. Wie ein Magnet zieht sie die jungen Landwirte an. Mit Headset und Telefon bewaffnet schiebt sich Organisatorin Leonie K. Hug durch die Menge, während sie erzählt, dass mehr als 12.500 Liter Bier und 400 Liter Wein für die Feiernden bereit stehen. Zur Stärkung gibt es an mehreren Ständen deftige Snacks – umsonst, die Landwirte haben schließlich Hunger.

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Hunderte junge Menschen feierten bei der legendären "Young Farmers Party" auf der Agritechnica.

Mit schwarzen Kochmützen und korrekt gebundenen Schürzen reichen Andreas Schießel und Danny Lange die mit Kasselerfleisch belegten Brötchen über den Tresen. Dabei beobachten sie amüsiert das bunte Treiben: „Hier sind alle Schichten vertreten. Vom Anzugträger bis zum Landei.“

Helene Fischer kommt gut an

Einige Schritte weiter läuft die Schlagerparade, und an der Decke drehen sich Discokugeln. „Schlager wie von Helene Fischer kommen bei den Gästen gut an“, so Organisatorin Hug. Was ins Bild der feiernden Bauern zu passen scheint, lockt allerdings nur wenige Feiernde auf die Tanzfläche. Zu Wolfgang Petrys „Wahnsinn, warum schickst du mich in die Hölle“, wippen nur vereinzelte Partygäste mit dem Kopf.

In der überfüllten Arena dagegen reißen die Freunde Lukas, Hauke und Hinrich aus Edemissen bei Peine zu den aktuellen Charts ihre Arme in die Luft. „Bauer“, das klingt für sie nach einem verstaubten Schimpfwort. „Wir sind Landwirte“, lautet die stolze Erklärung, und schnell dreht sich die Diskussion um Hektarzahlen, Zuckerrüben und Kartoffelanbau.

Je kleiner die Karos, desto mehr Hektar

Eine Einführung in das Leben eines Junglandwirts gibt es gratis dazu: Natürlich haben sie mit Anfang 20 ihren eigenen Hof, der Wecker klingelt um sechs, und eine Fläche von 100 Hektar sollte man schon haben. Beinahe empört unterstreichen sie, dass sie die Messe aus rein professionellen Gründen besuchen: „Wir haben uns informiert und Kontakte geknüpft“, erzählt Lukas Bremer-Grove.

Doch jetzt wird gefeiert, und schnell verschwindet der Pulk der munteren Landwirte zum Bierstand. Nicht ohne die Weisheit zu verkünden, dass man an der Größe der Karos auf den zahlreichen Hemden erkennen könne, wie vermögend sein Träger sei: „Je kleiner die Karos, desto mehr Hektar.“

Während Scheinwerfer buntes Licht durch den Saal schicken und Traktoren und Mähdrescher zu den schnellen Beats über die Leinwand flimmern, beobachtet Marius Heese fast skeptisch eine tanzenden Mädchengruppe. „Die sind bestimmt aus der Stadt.“ Auf dem Land wippe man nicht nur verhalten vor und zurück: „Wir tanzen den Knotentanz.“ Tatsächlich wirbeln mehrere Paare in Discofox-ähnlichen Choreografien durch das Gedränge, und es bleibt das Gefühl, dass auf dem Land irgendwie noch alles seine Ordnung hat.

Keine Urlaubsbilder auf dem iPhone, sondern Trecker

Frauen sind an diesem Abend zwar in der Minderheit, doch inmitten der Masse aus karierten Männerhemden lassen sich dann doch einige weibliche Feiernde entdecken. Auf Männerfang? „Nein, wir studieren Landwirtschaft.“

Wie viel Gesprächspotential Traktoren und Mähdrescher bieten, wird deutlich, wenn per Fingerwisch über das Smartphone nicht Urlaubsbilder, sondern Landfahrzeuge präsentiert werden. „Mein Traktor hat schwarze Felgen, keine roten. Das ist nicht mehr angesagt“, erklärt der 30-jährige Marius Heese, der einen Hof in Nordburg bei Celle bewirtschaftet.

Am Ende des Abends liegen sie sich in der fröhlichen Masse immer enger in den Armen. Bauer Wehmann ist in der Menge mittendrin.

Von Linda Tonn

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