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Aus der Stadt 64-Jährige aus Hannover soll zum Bewerbungstraining
Hannover Aus der Stadt 64-Jährige aus Hannover soll zum Bewerbungstraining
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21:32 22.05.2011
Von Thorsten Fuchs
Die Arbeitsagentur hat eine 64-Jährige zum Eingliederungskurs geschickt – der endet einen Monat vor ihrer Rente. Quelle: Archivbild

Ein teurer Trick, um die Arbeitslosenzahlen zu senken, meint Helga Verhey – und hat sich mit weiteren älteren Teilnehmern des Kurses bei Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen beschwert.

Helga Verhey, gelernte Apothekenhelferin, hat 26 Jahre bei einem Factoring-Unternehmen gearbeitet, einem Finanzdienstleister in der Gesundheitsbranche, und ist dabei zur Teamleiterin aufgestiegen. Anfang 2010 hat sie ihre Stelle gekündigt, aus gesundheitlichen Gründen und wegen der rasant steigenden Anforderungen. Mehr als 40 Bewerbungen habe sie danach geschrieben, sagt sie – „leider ohne Erfolg“.

Im Februar schickte sie die Arbeitsagentur zu einer „Ganzheitlichen Eingliederungsleistung mit integrativem Ansatz“. Seitdem übt sie zwei Tage in der Woche Bewerbungen zu schreiben und das Internet nach Stellen zu durchsuchen. Einmal stand der Besuch des Klärwerks auf dem Programm, Lernziel: neue Berufsfelder kennenlernen. „Der Kurs ist insgesamt sinnvoll“, sagt Helga Verhey. „Aber in unserem Alter ist das rausgeschmissenes Geld.“ Fast die Hälfte der 15 Teilnehmer sei über 60 oder stehe unmittelbar vor der Rente, bestätigt eine andere Teilnehmerin. Unter anderem habe sie einen Flyer mit einem Foto von sich entwerfen müssen, den sie bei Firmen abgeben sollte, sagt eine gelernte Bürokauffrau, die in wenigen Tagen 64 Jahre alt wird. „Das kann nicht das Richtige für uns sein.“

Die Arbeitsagentur verteidigt dagegen den Kurs. Jeder, der dort teilnehme, habe erklärt, dass er arbeiten wolle, sagt Sprecher Rainer Keßler. Ziel sei es, alle möglichst wieder schnell in Arbeit zu bringen, betont er – gerade auch die Älteren. Ein Höchstalter für solche Kurse gebe es nicht. Die Teilnehmer profitierten davon: „Sie werden dort so intensiv individuell betreut, wie wir es gar nicht können.“ Zudem müsste niemand die zehn Monate komplett durchlaufen: „Wenn jemand eine Stelle findet, ist der Kurs für ihn natürlich sofort zu Ende.“

Nach Angaben der Arbeitsagentur Hannover absolvieren derzeit in ihrem Bereich 3200 Teilnehmer solche oder ähnliche Kurse. Wie viele von ihnen unmittelbar vor der Rente stehen, werde nicht statistisch erfasst. Die Arbeitsagentur beauftragt mit dem Training externe Firmen. Die Kosten für solche Kurse liegen nach Angaben der Agentur bei 420.000 Euro für 420 Teilnehmer, was rund 1000 Euro pro Teilnehmer entspräche.

Gemessen an anderen Kursen und Trainings sei die Summe relativ niedrig, betont Keßler. Helga Verhey hält den Kurs in ihrem Fall dennoch für sinnlos. Sie vermutet einen anderen Grund als Qualifikation und Vermittlung: Möglicherweise, hat sie an die Bundesarbeitsministerin geschrieben, gehe es vor allem um die Bereinigung der Arbeitslosenzahlen.

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