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Aus der Stadt 6600 Polizisten verhindern Krawalle
Hannover Aus der Stadt 6600 Polizisten verhindern Krawalle
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00:20 19.11.2014
Von Tobias Morchner
Hooligans und Rechtsextreme versuchten während ihre Demo auf dem ZOB die Absperrungen der Polizei zu durchbrechen und die linke Gegen-Demo anzugreifen. Quelle: Nigel Treblin
Hannover

Um für die Sicherheit auf allen Veranstaltungen zu sorgen, musste die Polizei allerdings insgesamt 6600 Beamte aufbieten - 5300 Kräfte von der Landes- und 1300 weitere von der Bundespolizei.

Während sich die Hooligans in Hannover zu ihrem Aufmarsch rüsten, haben Gegendemonstrationen begonnen. Klicken Sie sich hier durch die Eindrücke. 

Einen Einsatz dieser Größenordnung hat es seit Jahren in Hannover nicht mehr gegeben. „Wir sind sehr zufrieden und ziehen eine durchweg positive Zwischenbilanz“, sagte Polizeipräsident Volker Kluwe am Sonntag. Auch Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok zeigte sich zufrieden: „Die friedlichen Kundgebungen gegen den Aufmarsch von gewaltbereiten Hooligans ist ein eindrucksvolles Signal für Toleranz und Vielfalt in unserer Stadt.“

Weitere Informationen zur Hooligan-Demonstration finden sie hier.

Insgesamt wurden bei den verschiedenen Demonstrationen sechs Menschen verletzt, darunter fünf Beamte. Die Polizei leitete insgesamt 91 Strafverfahren ein, unter anderem wegen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz, gefährlicher Körperverletzung und Verstößen gegen das Waffengesetz. Bei Durchsuchungen hatten die Ermittler unter anderem Messer und Pfefferspray, eine Eisenstange, einen Besenstiel und Quarzsandhandschuhe sichergestellt. Insgesamt beschlagnahmte die Polizei rund 100 Gegenstände. Elf Demonstranten wurden vorläufig festgenommen.

Der Protest von 3200 Hooligans und Rechtsextremen in Hannover ist weitgehend friedlich verlaufen. Einen Polizeieinsatz dieser Größenordnung hatte es jedoch seit Jahren in Hannover nicht mehr gegeben.

Am Nachmittag gab es kurzfristig Rangeleien zwischen Polizisten und Linken, die versuchten, eine Absperrung zu durchbrechen und dabei einen Streifenwagen demolierten. Die Polizei verhinderte eine Attacke der Linken auf die Demo unter Einsatz von Pfefferspray. Zu Rangeleien zwischen Hooligans und linken Gegendemonstranten kam es nur vereinzelt bei der Abreise am Sonnabendabend. Einige Feuerwerkskörper wurden gezündet. Die Scheiben einer Kneipe in der Fußgängerzone ging bei einem Angriff Linksautonomer auf Hooligans, die in der Gaststätte waren, zu Bruch. Nach der Hooligan-Kundgebung riefen mehr als 60 mutmaßliche Teilnehmer wohl auf ihrer Rückreise am Bahnhof von Halle/Saale ausländerfeindliche Parolen.

Die Folgen

50 Prozent Umsatzeinbußen in der City am Sonnabend.

Der Überfall auf die Kneipe Larifari und die Polizeieinsätze.

Die Kundgebung unter dem Dach der Gruppierung „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) war vom Verwaltungsgericht nur unter strengen Auflagen gestattet worden. So galt auf der Anreise und während der Veranstaltung ein striktes Alkoholverbot. Jeder einzelne Teilnehmer der Hooligan-Demo wurde vor Beginn der Veranstaltung durchsucht. „Ich glaube, dass es dadurch für viele sehr unattraktiv war, nach Hannover zu kommen“, sagt Polizeivizepräsident Thomas Rochell. Es gilt als sicher, dass die Art und Weise, wie Hannover mit den Hooligans umgegangen ist, künftig als Blaupause für andere Städte dienen wird, in denen sich die HoGeSa ankündigt.

Hooligans gelangweilt von eigener Veranstaltung

Am Ende waren es weitaus weniger Demonstranten auf Hannovers Zentralem Omnibusbahnhof (ZOB) als von den Organisatoren erhofft. Exakt 3208 Hooligans, Rechtsradikale und Anti-Islamisten – jeder einzelne von ihnen war vor dem Beginn der Veranstaltung durchsucht worden – hatten am Sonnabend den Weg nach Hannover gefunden. Eigentlich hatte die Gruppierung HoGeSa („Hooligans gegen Salafisten“), die zu dem Treffen aufgerufen hatte, mit mindestens genau so vielen Teilnehmern gerechnet, wie Ende Oktober in Köln. Damals waren etwa 5000 Menschen dem HoGeSa-Aufruf gefolgt.

Im Vorfeld der Demo hatte die Polizei immer wieder auf das „hohe Aggressionspotential“ der HoGeSa-Unterstützer und auf deren „niedrige Reizbarkeit“ hingewiesen. Wie richtig die Behörde mit dieser Einschätzung lag, zeigte sich auch auf dem ZOB. Immer wieder mussten gewaltbereite Schläger per Durchsagen von den eigenen Leuten zur Räson gerufen werden, weil sie sich formierten und die Auseinandersetzung suchten. „Bleibt friedlich, ihr wisst was auf dem Spiel steht“, brüllte einer der Ansager durch ein Megafon. Als am Nachmittag Reden und Musik der linken Gegendemonstranten vom Andreas-Hermes-Platz zur nahen HoGeSa-Veranstaltung herüberschallten, geriet die Situation beinahe außer Kontrolle. Eine große Anzahl Hooligans, einige vermummt, einige mit Quarzsandhandschuhen ausgestattet, wollten die Polizeiabsperrungen durchbrechen und auf die Gegendemonstranten losgehen. Ein Böller flog in Richtung der Polizisten. Die Ordner der HoGeSa-Demo konnten einen Übergriff nur mit Mühe verhindern. Sie bildeten eine Menschenkette und bremsten so den Angriffsversuch ihrer eigenen Leute ab. Zeitgleich begab sich eine Einheit der Bereitschaftspolizei auf den ZOB, was erneut für Aufregung bei den Hooligans sorgte.

Auch die Anwesenheit der vielen Reporter gefiel den HoGeSa-Leuten nicht. Zunächst wurden Fragen der Medien gar nicht oder mit Beleidigungen beantwortet. Später wurden die Demonstranten von der Bühne aus angewiesen, nicht mit der Presse zu sprechen.

Das HoGeSa-Treffen auf dem ZOB begann mit zwei Stunden Verspätung und endete eine Stunde früher als geplant – viele Teilnehmer sollen gelangweilt gewesen sein und wollten das Gelände verlassen. Nach Einschätzung der Polizei waren etwa 45 Prozent aus dem Hooliganlager und weitere 45 Prozent Sympathisanten verschiedener rechtsradikaler Gruppierungen. Die übrigen zehn Prozent konnten von den Beamten keiner bestimmten Gruppierung zugerechnet werden. Tatsächlich waren auf dem ZOB nahezu alle rechten Parteien vertreten. So hatte sich unter anderem Sigrid Schüssler unter die Demonstranten gemischt, die 2013 für die NPD für den Bundestag kandidiert hatte. Als erster Redner trat Michael Stürzenberger, der Bundesvorsitzende der rechtspopulistischen Partei „Die Freiheit“ auf. Als er eine Ausgabe des Koran in die Höhe reckte und erklärte, dies sei die „Betriebsanleitung“ für Salafisten, riefen die Zuhörer „Anzünden, Anzünden“ über den Platz. Keine Zustimmung erntete er mit seiner Bemerkung, der Nationalsozialismus sei eine linke Bewegung gewesen, schließlich enthalte der Begriff ja das Wort Sozialismus.

Hannes Ostendorf, der Sänger der in Neonazi-Kreisen beliebten Band Kategorie C, war trotz eines Auftrittsverbots für seine Gruppe nach Hannover gekommen. Seinen Wunsch, bei der HoGeSa-Demo eine Rede zu halten, unterband die Polizei jedoch. Darüberhinaus nahmen auch Siegfried Schmitz und Kevin Schumann von der Wählergemeinschaft „Die Hannoveraner“ an der HoGeSa-Kundgebung teil. Gesichtet wurden auch Benny K. und Ronny D. von der seit September 2012 verbotenen rechtsradikalen Gruppierung „Besseres Hannover“.

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