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Aus der Stadt 73-jähriger Senior stiehlt Fahrräder in Serie
Hannover Aus der Stadt 73-jähriger Senior stiehlt Fahrräder in Serie
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11:26 21.04.2011
Von Sonja Fröhlich
Ein 73-Jähriger hat vor der Realschule in Burgdorf 13 Fahrräder geklaut. (Symbolbild)
Ein 73-Jähriger hat vor der Realschule in Burgdorf 13 Fahrräder geklaut. (Symbolbild) Quelle: Ralf Decker
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Der Angeklagte löst Überraschung bei den Zeugen aus. Der Dieb, der ihre Fahrräder gestohlen hat, ist ein älterer Herr von seriösem Anschein. 73 Jahre alt ist Adolf-Konrad N. am Dienstag geworden. Der Burgdorfer trägt ein weißes Trachtenhemd und einen dunkelgrünen Anzug und erzählt vor der Strafkammer des Landgerichts Hildesheim, dass er sich gern Kosmetika aus dem Katalog bestellt und im Schwarzwald Urlaub macht. Mindestens 13 Räder hat er in den Jahren 2009 und 2010 mitgehen lassen. Dafür wurde er am Mittwoch zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, mit der Weisung, sich in einem psychiatrischen Pflegeheim betreuen zu lassen.

Der Senior hatte vor nichts halt gemacht – Mountainbikes, Damenfahrräder und auch ein Kinderrad gehörten zu seiner Beute. Die meisten Räder standen auf dem Schulhof der Realschule in Burgdorf. Gleich nebenan hatte der mehrfach vorbestrafte Dieb in einer katholischen Kirchengemeinde Sozialstunden abgeleistet. Dort sei er mit dem Bus hingefahren. Auf dem Weg nach Hause habe er gesehen, dass Fahrräder auf dem Schulhof nicht angeschlossen gewesen seien, sagt er: „Die standen da herum. Da hab ich mir halt eins geschnappt und bin zurückgeradelt.“ Gut ein Dutzend Mal ging das so. Warum er die Räder dann in seinem Keller hortete, konnte er nicht erklären. Er habe sie nicht verkaufen wollen, beteuert er: „Ich bin wohl ein Jäger und Sammler.“

Der psychiatrische Gutachter kommt zu einem anderen Ergebnis. Er bescheinigt dem Angeklagten eine schwere Persönlichkeitsstörung, die auf einen Mangel an sozialen Kontakten zurückzuführen ist: N. sei „ein einsamer Wolf“, der den Blick für Normen und Werte verloren habe. So äußerte sich der Angeklagte am Mittwoch verwundert darüber, dass ihm die Realschule ein Schulhofverbot erteilt hat. Und auf die Frage der Richterin, ob ein Mountainbike nicht eher etwas für Jüngere sei, antwortet er ernsthaft: „Ich hätte mir statt einem 26-Zoll-Rad besser ein 28er nehmen sollen.“

N.s Straftaten begannen in den achtziger Jahren, schon 15-mal wurde er zu Geld- oder Bewährungsstrafen verurteilt. In den Supermärkten in Burgdorf kennt man Adolf-Konrad N. gut. Dort ließ er immer wieder Sachen wie Fanta oder Alpenkäse in seinen Jackentaschen verschwinden. Der gelernte Kaufmann bestellte exzessiv Waren beim Versandhandel, obwohl er lediglich über eine monatliche Rente von 990 Euro verfügt. Seine finanzielle Lage sei „desaströs“, sagt ein mittlerweile eingesetzter Betreuer.

In dem Burgdorfer Mehrfamilienhaus würde man den Mieter lieber heute als morgen nicht mehr sehen. Er nehme dort alles an sich, was im Flur liege – mal sei bei einem Umzug ein Videorekorder verschwunden, mal die Bananen aus einer Einkaufstasche, schildert ein Nachbar vor Gericht. Als er ihn darauf ansprach, soll ihm der 73-Jährige gesagt haben: „Ich muss in Übung bleiben.“

Stefanie Kaune 20.04.2011
Tobias Morchner 20.04.2011
Bärbel Hilbig 20.04.2011