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Aus der Stadt Das Currywurst-Rätsel
Hannover Aus der Stadt Das Currywurst-Rätsel
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00:15 31.08.2013
Von Bernd Haase
Guten Appetit:  Die „Currywurst-Demo“ am Mittwoch in Hannover. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Currywurst ist nicht gleich Currywurst. Es gibt sie im Darm und ohne, gepökelt und ungepökelt, aus Rind- und aus Schweinefleisch und für Liebhaber des Besonderen sogar mit Goldstaub. Über Soßenrezepte zu reden kann abendfüllend sein. Eine ähnliche Vielfalt wie in kulinarischer bietet die Currywurst auch in steuerlicher Hinsicht.

Der Fiskus guckt genau hin, wie Wirte und Imbissbesitzer die Ware an den Mann bringen. Gegen den Wirrwarr um die Würste haben am Mittwoch in Hannover auf Aufruf des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) rund 750 Kneipen- und Restaurantbesitzer aus ganz Niedersachsen demonstriert – passend vor den anstehenden Wahlen. „Fair schmeckt’s besser“, lautete das Motto, aufgedruckt auf Transparente und auf eigens angefertigte orange T-Shirts.

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750 Gastwirte aus ganz Niedersachsen haben sich am Mittwochvormittag auf dem Marktplatz versammelt. Die Wirte protestierten unter anderem mit gratis Currywurst für eine Reform der Besteuerung von Imbissen.

Dass die Wirte mit dem Steuerrecht nicht glücklich sind, erschließt sich auch dem Laien – man kann das am Beispiel der Currywurst ganz gut durchdeklinieren. Wird sie im Restaurant serviert, sind 19 Prozent Mehrwertsteuer fällig. Am Stehimbiss sind es sieben Prozent. Verfügt der Imbiss dagegen über Bestuhlung und der Gast setzt sich hin, macht sich die Wurst wieder mit 19 Prozent auf der Rechnung breit. Nimmt jemand die Currywurst – egal ob aus dem Restaurant oder vom Imbiss – einfach nur mit, bleibt es bei sieben Prozent. Nicht ganz unwichtig kann es auch sein, wer die Currywurst isst. Schulverpflegung und Verpflegung im Seniorenheim werden mit dem höheren Satz besteuert; in den Mensen der Hochschulen ist es der niedrigere. „Allein der daraus resultierende Abrechnungsaufwand kann einen wahnsinnig machen“, sagt Hotel- und Restaurantbesitzer Cord Kelle.

Die Gastronomen fordern einen einheitlichen Steuersatz, und es dürfte keine Überraschung sein, dass sie sich auf die sieben Prozent kaprizieren – „das ist der Satz, den auch Bäcker, Metzger und Lebensmittelhändler zahlen“, sagt Hermann Kröger, Präsident von Dehoga Niedersachsen. Überhaupt tun sich die Wirte schwer mit politischen Wendungen. Kommunale Bettensteuern mögen sie nicht, und die Hygieneampel, die im Internet anzeigen kann, wie es einzelne Betriebe bei diesem Thema halten, erst recht nicht. Während sich SPD und Grüne hatten entschuldigen lassen, signalisierten der ehemalige Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) und Matthias Waldraff – „ich bin für die Landes-CDU hier“ – Unterstützung. Sie verschwiegen dabei allerdings, dass ihre Parteien in Berlin durchaus in einer Position sind, mit der sich Steuergesetze ändern lassen.

Während der Kundgebung verteilten die Wirte 2000 Currywürste an Passanten. Dass sie dafür Schenkungssteuer zahlen müssen, erwies sich als Gerücht.

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