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Aus der Stadt 78-Jähriger begaffte Frau in MHH-Toilette
Hannover Aus der Stadt 78-Jähriger begaffte Frau in MHH-Toilette
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19:17 24.06.2013
Von Michael Zgoll
Ein 78-jähriger Mann soll in einer Toilette der MHH soll er eine Frau in einer Kabine begafft haben. Quelle: Wilde
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Hannover

Wegen mehrerer Gewalt- und Sexualstraftaten saß Wilhelm P. seit den sechziger Jahren – mit nur wenigen Unterbrechungen – in Haft und Sicherungsverwahrung. 2011 wurde er in die Freiheit entlassen, weil der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte und das Bundesverfassungsgericht die Verwahrpraxis in Deutschland für rechtswidrig erklärt hatten. Inzwischen ist P. 78 Jahre alt – und steht seit Dienstag wieder vor Gericht. In einer Toilette der MHH soll er eine Frau in einer Kabine begafft haben. Als er entdeckt wurde, kam es zu einem Handgemenge, bei dem er die 48-Jährige mit einem Messer am Finger verletzte. Nun muss sich P. am Landgericht Hannover vor der 3. Großen Strafkammer wegen gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und Beleidigung verantworten.

Es war der 12. Dezember 2012, als die 48-Jährige die Sanitäranlage in der MHH aufsuchte. Sie war aber weder Patientin noch Medizinerin, sondern Mitarbeiterin eines Sicherheitsdienstes. Die Frau war sensibilisiert, weil im Herbst bereits mehrfach ein Spanner in MHH-Toiletten gesichtet worden war. „Wir wussten, dass ein Mann schon häufiger über den Rand der Balustrade in Kabinen geguckt hatte“, sagte sie am Dienstag. Der Sicherheitsdienst habe den Täter aber nie stellen können.

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Ein 78 Jahre alter Mann soll in der MHH eine Frau in einer Toiletten-Kabine begafft haben. Als er entdeckt wurde, kam es zu einem Handgemenge, bei dem er die 48-Jährige mit einem Messer am Finger verletzte. Nun muss sich P. am Landgericht Hannover vor der 3. Großen Strafkammer wegen gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und Beleidigung verantworten.

Als die 48-Jährige das Gesicht des Mannes entdeckte, handelte sie blitzschnell. Sie stürzte aus ihrer Kabine und wollte P. am Verlassen der Toilette hindern. Er versuchte, sich mit aller Macht an ihr vorbeizudrängen, zog irgendwann ein Taschenmesser aus der Hose. Nach dem Stand der bisherigen Aussagen fuchtelte er aber wohl eher damit herum als dass er gezielt auf sein Opfer einstach. Als die Frau um Hilfe rief, eilten mehrere Männer hinzu. Allerdings hatten sie Mühe, den tobenden 78-Jährigen zu bändigen.

Verteidigerin Susanne Frangenberg deutete an, dass ihr Mandant möglicherweise verringert schuldfähig und die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik geboten sei. Sie verlas eine Erklärung von P., wonach ihm das Ganze sehr peinlich sei und er niemanden habe verletzen wollen. Er selbst habe bei dem Handgemenge eine Platzwunde am Kopf davongetragen. Später entschuldigte sich der 78-Jährige auch persönlich bei der Frau vom Sicherheitsdienst.

Eine besondere Note hat der auf nur zwei Verhandlungstage anberaumte Prozess, weil das Landgericht Lüneburg Wilhelm P. im März 2013 für die überlange Dauer seiner früheren Sicherungsverwahrung eine Entschädigung in Höhe von 55 000 Euro zugebilligt hatte. Das Geld ist aber noch nicht ausgezahlt, weil das Land Niedersachsen Berufung eingelegt hat.

Bernd Haase 11.06.2013
Michael Zgoll 11.06.2013
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