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Aus der Stadt Nach 50 Jahren Haft erneut verurteilt
Hannover Aus der Stadt Nach 50 Jahren Haft erneut verurteilt
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00:40 29.11.2014
Von Michael Zgoll
Wilhelm P. stahl eine Flasche Likör und ohrfeigte die Leiterin eines Getränkemarkts. Nun hat ihn die Richterin für weitere elf Monate ins Gefängnis geschickt.
Wilhelm P. stahl eine Flasche Likör und ohrfeigte die Leiterin eines Getränkemarkts. Nun hat ihn die Richterin für weitere elf Monate ins Gefängnis geschickt. Quelle: Symbolbild
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Hannover

Er wurde wegen Diebstählen und Betrügereien verurteilt, aber auch wegen sexueller Nötigung und Vergewaltigungen. Doch der gebürtige Osnabrücker ist offenbar unbelehrbar, selbst im hohen Alter. Gestern verurteilte ihn das hannoversche Amtsgericht zu einer Haftstrafe von elf Monaten ohne Bewährung. P. hatte vergangenen Sommer eine Flasche Likör gestohlen und kurz darauf die Chefin des Getränkemarkts geohrfeigt, die ihn zur Rede stellen wollte. Richterin Gesine Irskens ging deutlich über das Strafmaß von fünf Monaten hinaus, das die Staatsanwaltschaft gefordert hatte.

Der Rentner auf der Anklagebank konnte nur schwer hören, wirkte aber noch recht rüstig. Die Tat in einem Stöckener Getränkemarkt räumte er freimütig ein: Er habe zur Geburtstagsfeier eines Bekannten etwas Alkoholhaltiges mitbringen wollen, aber die 13,88 Euro für die Flasche Likör nicht aufbringen können. An der Kasse zahlte der Mann, der von Grundsicherung lebt, zwei Flaschen Limo - doch unter seinem Jackett zeichnete sich die Silhouette einer weiteren Flasche ab. Von der Filialleiterin auf der Straße angesprochen, fackelte Wilhelm P. nicht lange: Er gab der Frau das Diebesgut zurück - und schlug zu. Die Ohrfeige war so heftig, dass das Opfer eine Schädelprellung erlitt. Dann drohte er der Marktleiterin, sie solle nicht gegen ihn aussagen, sonst mache sie sich unglücklich. Einige Tage später begegnete er ihr erneut. In einem Supermarkt in Ledeburg wiederholte er seine Warnungen und drohte ihr seinerseits eine Anzeige an.

Die erste Straftat beging Wilhelm P. 1951. Im Jahr 1965 gab es eine einschneidende Zäsur: Der „gefährliche Gewohnheitsverbrecher“ wurde vom Landgericht Hannover zu zehn Jahren Zuchthaus und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Schuldig gesprochen wurde er wegen fünf Sexualstraftaten und sieben Diebstahldelikten; 1963 und 1964 hatte er mehrere junge Frauen sexuell genötigt, dabei sogar eine Schwangere vergewaltigt. 1982 und 1992 wurde P. kurzfristig aus der Sicherungsverwahrung entlassen, beging aber sofort neue Straftaten, sodass es zu erneuten Verurteilungen kam. Wieder hatte P. Frauen vergewaltigt und sich sogar an Kindern vergriffen.

Im Mai 2011 urteilte das Oberlandesgericht Celle, dass P. aufgrund einer von ihm initiierten Beschwerde freizulassen sei - im Alter von 76 Jahren. Der Rentner müsse nur dann in der Sicherungsverwahrung bleiben, wenn eine „hochgradige Gefahr schwerster Gewalt- oder Sexualstraftaten“ bestehe - doch dies sei nicht mehr der Fall. Im November 2011 wurde P. entlassen.

Ein Jahr später begaffte der Senior auf einer Toilette der Medizinischen Hochschule eine Frau, fuchtelte bei seiner Festnahme mit einem Messer herum. Dafür wurde er 2013 zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Bevor er die Haftstrafe antrat, folgte die nächste Tat: der Diebstahl und die Körperverletzung im Getränkemarkt. Jetzt wird P. frühestens Ende 2015 freikommen.

Volker Wiedersheim 29.11.2014
Christian Purbs 27.11.2014
Bernd Haase 29.11.2014