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Aus der Stadt 29-Jähriger mixt Abführmittel in Frikadellen
Hannover Aus der Stadt 29-Jähriger mixt Abführmittel in Frikadellen
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00:21 16.01.2015
Von Michael Zgoll
Foto: Für Frikadellen braucht es außer Mett nicht viel: Ein 29-Jähriger hat jedoch zum Geburtstag seines Bruders Abführmittel beigefügt. Quelle: dpa/Symbolbild
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Hannover

Der Grund war läppisch, der Erfolg durchschlagend. Am Dienstag musste sich der 29-jährige D. vor dem Amtsgericht Hannover wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. Doch das Dickicht der Schuldzuweisungen der beteiligten Parteien erwies sich als so undurchdringlich, dass Richterin Kristina Manthey das Verfahren gegen Zahlung einer Geldbuße von 840 Euro einstellte.

Das Klopskomplott spielte in einem Milieu, wo französisch angehauchte Vornamen beliebt sind, der Umgangston aber eher rau ist. Regelmäßiger Kontakt mit der Polizei gehört hier irgendwie dazu, und es gilt der Spruch: Arbeit schändet nicht, muss aber nicht sein. Opfer der Attacke waren der Bruder von Sascha D.s Freundin, dessen Lebensgefährtin und deren kleine Tochter. Diese drei hatten von den Buletten probiert, die ihnen Sascha D. und Freundin anlässlich einer Geburtstagsfeier vorbeigebracht hatten.

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Wie die Eltern am Dienstag aussagten, habe das Kind beim Probieren „Bäh“ gesagt. Sie selbst hätten einen metallischen Beigeschmack registriert, sich aber nicht schrecken lassen. Viele Frikadellen waren es nicht, die sich die Kleinfamilie einverleibte. Doch es reichte für stundenlanges Bauchgrimmen, signifikant beschleunigte Verdauung und langanhaltende Besuche einschlägiger Örtlichkeiten.

Wie Sascha D. erklärte, habe seine 24-jährige Freundin - von der er inzwischen getrennt ist - das tückische Mahl federführend zubereitet. Sie habe ihren Bruder abstrafen wollen, weil er ihr bei seinen regelmäßigen Besuchen immer alles wegesse. Er selbst sei des Kochens nicht mächtig, habe aber durchaus interessiert zugeschaut, wie seine Freundin die Tabletten zerrieben und in den Fleischteig gemischt habe. Die Dragees - die Rede war von 40 - habe sie kurz zuvor in einer Apotheke gekauft.

Die Ex-Freundin gab zu, ihrem Bruder nicht immer grün zu sein und ihn wegen eines Diebstahls auch schon mal angezeigt zu haben. Es liege ihr aber fern, Frikadellen zu vergiften. Ihre Version: Sie habe ferngesehen und Sascha D. das Kneten des Fleischteigs überlassen, weil ihr das „Matschen“ überhaupt nicht liege. Dabei müsse der 29-Jährige dem Mett das Abführmittel zugesetzt haben. Sein Motiv? D. habe ihren Bruder „gehasst“, weil dieser bei seinen Besuchen immer so viele Bratwürstchen verschlungen habe.

Der Bruder fotografierte die Klopse und fror sie ein. Doch zeigten diese Ermittlungsversuche wenig Erfolg, gingen spätestens am Dienstag in der Flut gegenseitiger Anschuldigungen verschiedener Freunde und Verwandter unter. Was blieb, war die Geldstrafe für Sascha D., der seine Beteiligung am Mettmixen so freimütig eingeräumt hatte. Die 840 Euro muss er an die geschädigte Familie und deren Anwalt überweisen.

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