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Aus der Stadt Im Auge des Bussards
Hannover Aus der Stadt Im Auge des Bussards
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16:17 02.11.2014
Von Gunnar Menkens
Falkner Marc Frangenberg mit Wüstenbussard Hera und Frettchen für die  Kaninchenjagd.
Falkner Marc Frangenberg mit Wüstenbussard Hera und Frettchen für die  Kaninchenjagd. Quelle: Tobias Kleinschmidt
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Hannover

Bevor es auf Jagd geht, sind Mensch und Tier mit letzten Vorbereitungen beschäftigt. Die Frettchen Jessie und Jamie, Halbgeschwister, wie zu erfahren war, wieseln aus dem Käfig, um im Gras ihr Geschäft zu erledigen. Männer erkundigen sich nach dem Bestand im Revier. „Fasane haben wir gut“, sagt Heinz Pyka, Jagdpächter und Stadtjäger, der bestätigen kann, ja, auch Sauen seien vor Ort.

85 Falkner besuchten am Wochenende in Hannover die Tagung des Ordens deutscher Falkoniere, und so kam es, dass nach getaner Verbandsarbeit in Leinemasch, am Kronsberg, Isernhagen und Wettbergen Männer zu sehen waren, die Vögel auf behandschuhter Faust trugen. Wüstenbussarde, etwas über ein Kilogramm schwer, der Körper stets auf 40 Grad geheizt. Die Tiere brauchen auf der Jagd sofort Betriebstemperatur, sie können sich nicht erst wie Senioren in der Kreisliga aufwärmen. Und sie müssen Hunger haben, Lust auf Fleisch, denn zur Jagd drängt es Raubvögel nicht, weil Herrchen zufällig Sitzung hatte und später jagen will. Also sorgen Menschen dafür, dass die Tiere eine Winzigkeit Untergewicht haben, vielleicht so an die 25 Gramm. Erwischt der Bussard sein Opfer, schlägt er seine scharfen Krallen rein. Ist es nicht sofort tot, „klagt“ es, aus der Jägersprache übersetzt bedeutet das: es fiept im Todeskampf.

So ziehen sie los um die Ricklinger Teiche. Mike Thieke mit Harry, Marc Frangenberg mit Hera und Andreas Wagner, auf der Faust den Bussard Amy. Die Tiere blicken eher finster, aber man könnte auch sagen, aufmerksam. Wagner erzählt, wie man Kaninchen stellt. Bau suchen, Frettchen reinlassen, warten, bis Kaninchen vor Angst aus Bau flüchtet, dann Harry, Hera und Amy vom Handschuh lassen.

Bilder vom Falknertreffen an den Ricklinger Teichen in Hannover.

Die Männer schlagen sich unter hellblauem Himmel und sanft fallendem Herbstlaub durch Unterholz und feuchtes hohes Gras. Radfahrer und Spaziergänger bleiben stehen und schauen. Es passiert nicht viel. Frettchen tauchen ab, am Ende des Baus gucken sie raus. Kein Kaninchen da. Lange Zeit wirkt es wie ein Spaziergang von Männern mit Vögeln.

Die Gruppe zieht dorthin, wo Sonne den Boden aufheizt. „Das Karnickel mag es warm und trocken“, sagt Frangenberg. Irgendwas raschelt, er lässt Hera vom Handschuh, sekundenlanger Segelflug, dann: nichts. Aber er hat was gesehen: „Sie war am Arsch dran!“ Hera fliegt auf einen nahen Baum, das Kaninchen versteckt sich unten. Gleich wird es tot sein. Es weiß nicht, dass es nur regungslos verharren müsste, statt zu flüchten, dann würde der Bussard nicht angreifen. Hera erspäht ihr Opfer und stößt sich vom Ast. Die Schönheit des Fluges. Der Bock rennt los, Hera greift es sich. Es kämpft. Es klagt. Es stirbt nicht. Frangenberg läuft hinterher, zieht sein Messer und versetzt ihm den tödlichen Stich. Hera rupft am Aas. Nerven des Kaninchen senden weiter, das Tier zuckt. Thieke sagt, das müsse man jetzt nicht unbedingt schreiben. Aber andererseits, so ist das Leben.

Die Runde ist ergriffen. „Waidmannsheil“, sagen die Männer leise. „Schön“, meint einer, „solche Vögel bewundere ich.“ Frangenberg stopft das tote Kaninchen in seine Tasche. Die Beute wird an Bussarde verfüttert, oder endet als Braten. Thieke sagt: „Das ist Bio pur.“

Am Ende des Tages waren 20 Kaninchen, drei Hasen, zwei Fasane sowie eine Krähe zur Strecke gebracht. Und eine Taube. Außerhalb der Innenstadt ist es einfach zu gefährlich.

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