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Aus der Stadt 97 Verfahren gegen Radfahrer eingeleitet
Hannover Aus der Stadt 97 Verfahren gegen Radfahrer eingeleitet
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08:24 13.04.2012
Von Vivien-Marie Drews
Foto: Die Polizei kontrollierte am Donnerstag zahlreiche Radfahrer am Klagesmarktkreisel.
Die Polizei kontrollierte am Donnerstag zahlreiche Radfahrer am Klagesmarktkreisel. Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

Dass die Polizei ihm ein Verwarngeld aufdrückt, dafür hat der 65-Jährige kein Verständnis: 5 Euro soll er zahlen. „Eine Unverschämtheit ist das“, sagt der Radfahrer, schaut Polizeikommissar Gerlach ins Gesicht und fügt hinzu: „Und Sie sind der Unverschämteste von allen.“ Das könnte als Beleidigung durchgehen, doch der 27-jährige Polizist sieht gelassen darüber hinweg.

Wenige Tage nachdem Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sich darüber beklagt hat, dass manche Radfahrer sich durch die Straßen bewegten, ohne irgendeine Regel zu beachten, haben Beamte der Polizeidirektion Hannover am Donnerstag eine groß angelegte Kontrolle durchgeführt. Die Polizei postierte sich unter anderem am Klagesmarktkreisel und in der Fußgängerzone in der Innenstadt und zog 117 Fahrradfahrer aus dem Verkehr. In 97 Fällen leiteten die Beamten ein Ordnungswidrigkeitsverfahren ein. So waren 26 Radler in der Fußgängerzone unterwegs, 18 Radfahrer befuhren den Radweg entgegen der vorgeschriebenen Richtung, 17 fuhren auf dem Gehweg, und drei telefonierten während der Fahrt mit dem Handy.

Der ungehaltene Rentner, den Polizeikommissar Gerlach am Klagesmarktkreisel stoppte, war auf dem Gehweg unterwegs, noch dazu auf der linken Straßenseite. Dann rollte er mit seinem Fahrrad über den Zebrastreifen. All das ist verboten, doch der gewählte Weg war erheblich kürzer als der vorgeschriebene. Der Fahrradfahrer kam aus Richtung Steintor; um auf die Otto-Brenner-Straße zu gelangen, hätte er eigentlich den gesamten Kreisel einmal umfahren müssen. Er aber zog die Abkürzung vor, und das ist nach Einschätzung der Polizisten ziemlich gefährlich. „Hier gelten Regeln, und das hat einen Sinn“, sagt Gerlach.

Der Klagesmarktkreisel zählt zu den Unfallschwerpunkten im Stadtgebiet. Im vergangenen Jahr kam es dort zu 42 Zusammenstößen. „Unfallschwerpunkt, so ein Quatsch“, sagt der Rentner. Seit 20 Jahren komme er Tag für Tag mit dem Fahrrad am Klagesmarkt vorbei. „Einen Unfall habe ich hier noch nie gesehen.“ Die 5 Euro Verwarngeld will er auf keinen Fall zahlen.

Die Polizisten sind es gewohnt, dass Radfahrer sich uneinsichtig zeigen, sobald sie auf ihr Fehlverhalten angesprochen werden. „Heute geht es aber“, sagt Polizeihauptkommissar Kwant. Eine 23-jährige Studentin hat die Celler Straße am Klagesmarktkreisel in Höhe eines Zebrastreifens überquert und nicht den vorgesehenen Radweg benutzt. „Auf dem Überweg fühle ich mich sicherer“, sagt sie, räumt aber ohne Umschweife ein, dass sie das Fahrrad hätte schieben müssen. „Diese Regel ist mir bekannt“, sagt die junge Frau. Warum die Vorschrift allerdings unbedingt beachtet werden sollte, leuchtet ihr nicht ein.

Einsatzleiter Kwant setzt zur Erklärung an: „Der Klagesmarktkreisel ist unübersichtlich. Die Autofahrer rechnen nicht damit, dass an einem der Zebrastreifen plötzlich ein Radfahrer auftauchen könnte, wenn wenige Meter davor ein rot markierter Radweg verläuft.“ Der Beamte ist überzeugt, dass die strikten Kontrollen notwendig sind. Er weiß, wovon er spricht. „Ich nehme schließlich auch die Unfälle auf.“

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