Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Syrien-Korrespondent auf der Kanzel
Hannover Aus der Stadt Syrien-Korrespondent auf der Kanzel
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:04 05.01.2014
Von Mathias Klein
Hat wenig Hoffnung auf einen baldigen Frieden in Nahost: Jörg Armbruster spricht in der Johannes-der-Täufer-Kirche in Wettbergen. Quelle: Körner
Anzeige
Hannover

Er sprach auf Einladung der Kirchengemeinde Wettbergen von der Kanzel der dortigen Johannes-der-Täufer-Kirche.

„So voll war es zuletzt, als Gregor Gysi hier war“, berichtete eine Mitarbeiterin der Kirchengemeinde. Jedes Jahr stehen traditionell prominente Laien auf der Kanzel der Kirche. Im vergangenen Jahr war zum Beispiel der ehemalige Fluchthelfer Wolfgang Welsch zu Gast, der Flüchtenden aus der damaligen DDR geholfen hatte. In früheren Jahren hatte dort zum Beispiel auch schon Christian Wulff als niedersächsischer Ministerpräsident auf der Kanzel gestanden.

Anzeige

Den Gottesdienst mit dem 66-jährigen Armbruster wollten so viele Menschen miterleben, dass die Sitzplätze in der kleinen Dorfkirche bei Weitem nicht ausreichten. Dort drängten sich rund 150 Menschen, fast die gleiche Zahl verfolgte die Übertragung des Gottesdienstes im nahen Gemeindesaal.

Der Reporter kritisierte die Politik von EU und USA. „Der Westen hat in Syrien seine Chance verspielt“, meinte er. Denn es wäre für die USA und die EU „ein Leichtes gewesen“, Bohrgeräte für Trinkwasser in das umkämpfte Syrien zu schicken. Viele der Wasserwerke seien zerstört, die Menschen bohrten mit primitivsten Geräten nach Wasser. „Mit Bohrgeräten hätte der Westen dafür sorgen können, dass die Menschen einigermaßen menschenwürdig leben könnten“, sagte Armbruster.

Er machte auch nicht viel Hoffnung für die Syrien-Friedenskonferenz, die in der zweiten Monatshälfte in der Schweiz stattfindet. „Ein Großteil der Opposition verweigert sich“, berichtete er. Sollte die Konferenz Beschlüsse fassen, würden sie in dem umkämpften Land nicht akzeptiert werden.

Der Pastor der Kirchengemeinde, Friedhelm Harms, hatte Armbruster mit einem Anruf für die Ansprache gewinnen können. „Er hat recht zügig zugesagt“, berichtete der Pastor ein bisschen stolz.

Armbruster rief von der Kanzel zu Spenden für einen Zusammenschluss von Ärzten in der nordsyrischen Stadt Aleppo auf. „Das sind die Helden des Krieges“, sagte der Korrespondent, der erst vor wenigen Tagen mit einem Filmteam aus dem Libanon zurückgekehrt war. Einer der Ärzte aus Aleppo hatte Armbruster am Karfreitag vergangenen Jahres das Leben gerettet, nachdem dieser durch Schüsse von Heckenschützen schwer verwundet worden war.

05.01.2014
Conrad von Meding 05.01.2014
Tobias Morchner 08.01.2014