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Aus der Stadt Abgelenkt am Steuer: Polizei Hannover verstärkt Kontrollen
Hannover Aus der Stadt Abgelenkt am Steuer: Polizei Hannover verstärkt Kontrollen
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12:07 19.04.2018
Auf der Autobahn 2 Richtung Dortmund hatte im November 2017 am Kreuz Buchholz ein Lkw-Fahrer das Stauende übersehen. Zwei Personen wurden zum Teil schwer verletzt.
Auf der Autobahn 2 Richtung Dortmund hatte im November 2017 am Kreuz Buchholz ein Lkw-Fahrer das Stauende übersehen. Zwei Personen wurden zum Teil schwer verletzt.   Quelle: Uwe Dillenberg
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Hannover

  Sie schreiben an der Ampel kurz eine Whatsapp-Nachricht, im Verkehrsschluss werden fix die E-Mails geprüft und auf der Autobahn läuft nebenher eine Serie auf Netflix. Auto- und Lkw-Fahrer lassen sich zunehmend am Steuer ablenken. „Es ist ein großes Thema für uns“, sagt Hannovers Polizeivizepräsident Jörg Müller. Die Zahl aller Unfälle innerhalb der Zuständigkeit der Polizeidirektion stieg 2017 mit 37 324 Fällen auf ein Zehn-Jahres-Hoch. Der ADAC geht zudem davon aus, dass jeder zehnte Unfall auf das Smartphone zurückzuführen ist.

Aus diesem Grund wollen die Beamten in diesem Jahr ihre Verkehrskontrollen verstärkt auf diesen Aspekt richten. „Es wird natürlich schwer, die Nutzung zu beweisen“, sagt Müller. Allerdings wollen die Ermittler zeigen, dass der Kontrolldruck da ist. Die Überprüfungen sollen im gesamten Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion stattfinden – sowohl im normalen Alltag als auch mit Großkontrollen. Auf den Autobahnen sollen zudem verstärkt Lkw-Fahrer in den Fokus rücken. „Was man dort teilweise am Steuer beobachten kann, ist kaum zu glauben“, sagt Müller.

Denn auch die Zahl der Lkw-Unfälle ist 2017 erneut gestiegen. Allein auf der Autobahn 2 verzeichnete die Polizei 1339 Kollisionen mit Lastwagen-Beteiligung – 116 mehr als 2016. Auch die Zahl der Unfälle, an denen Lkw-Fahrer die Schuld trugen, wuchs von 788 auf 860. Im vergangenen Jahr starben drei Lkw-Fahrer, „diese Zahl haben wir 2018 bereits jetzt erreicht“, sagt Müller. Zusätzlich zur Ablenkung am Steuer komme bei den Lkw ein weiteres Problem: Neufahrzeuge seit 2013 verfügen zwar über Notbremsassistenten, doch das lässt sich abschalten. „Viele Fahrer wollen nicht ständig abgebremst werden“, sagt Müller. Das rechtliche Abschaltverbot komme wohl nicht vor 2020. Im vergangenen Jahr ahndete die Polizei 2431 Trucker, die zu dicht auffuhren.

„Alle haben das Problem der Ablenkung am Steuer erkannt“, sagt Birgit Blaich-Niehaus, Leiterin des Bereichs Verkehr beim ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt. Seit Jahren engagiert sich der Automobilclub mit der Polizei und anderen Partnern in der Kampagne „Abgelenkt... ist neben der Spur“. Vor allem Fahranfängern sollen die Gefahren des Smartphones am Steuer aufgezeigt werden. „In unserem Junge-Fahrer-Training fahren die Teilnehmer zum Beispiel durch einen Parcours, während sie abgelenkt werden“, sagt Blaich-Niehaus. Die meisten seien im Anschluss erschüttert, was sie dadurch auf der Straße nicht mitbekommen und wie spät sie erst reagieren.

Doch auch generell will die Polizei viel mehr im Straßenverkehr überprüfen. Laut Vizepräsident Müller sind alle Inspektionen dazu angehalten, „den Kontrolldruck aus Einsatz- und Streifenfahrten zu erhöhen“. Dabei sollen die Beamten in ihrem Zuständigkeitsbereich selbst entscheiden, welche Themen wichtig sind – in Burgdorf zum Beispiel Raser auf Landstraßen, in der List Ampel- und Vorfahrtsverstöße. In dem Zusammenhang kündigt Müller bereits an, dass auch 2018 in Mitte wieder gegen die zu lauten Autoposer vorgegangen werden soll.

Von Peer Hellerling