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Aus der Stadt Ein drei Zentimeter hoher Kompromiss
Hannover Aus der Stadt Ein drei Zentimeter hoher Kompromiss
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10:31 05.07.2014
Von Veronika Thomas
Foto: Barrierefreiheit für alle: Rollstuhlfahrer benötigen andere Hilfen als Blinde.
Barrierefreiheit für alle: Rollstuhlfahrer benötigen andere Hilfen als Blinde. Quelle: dpa
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Hannover

Für Behinderte, könnte man meinen, ist ein abgesenkter Bürgersteig eine gute Sache. Stadtplaner unserer Tage schreiben Barrierefreiheit mit gutem Recht groß, zum Nutzen etwa von Rollstuhlfahrern. Jetzt aber ergibt sich für Verkehrsplaner eine Schwierigkeit: Was für Gehbehinderte nützlich ist, ist für Blinde ein großes Problem. Denn die brauchen möglichst hohe Bordsteinkanten, um sich mithilfe ihrer Stöcke zu orientieren – und festzustellen, wo der Gehsteig zu Ende ist und die Straße beginnt.

Vier Tage lang haben Behindertenbeauftragte von Kommunen aus der Region Hannover und Mitglieder verschiedener Behindertenverbände in dieser Woche über Gesetzen, DIN-Normen und Grundlagen der Straßenplanung gesessen. „Barrierefreiheit im öffentlichen Raum“ nennt sich das niedersachsenweite Projekt, mit dem ein Bündnis aus elf Behindertenorganisationen und Sozialverbänden einheitliche barrierefreie Lösungen für alle durchsetzen will – für Mobilitätseingeschränkte, Blinde und Sehbehinderte ebenso wie für Gehörlose, geistig Behinderte, alte und demenzkranke Menschen. Eine schwierige Sache – denn was der einen Gruppe nützt, schadet unter Umständen der anderen, wie man am Beispiel Bürgersteige sieht.

Doch das haben Behindertenvertreter und Stadtplaner nun gelöst: Ein drei Zentimeter hoher Kompromiss bringt alle Interessen zusammen. Dieser Höhenunterschied ist für Rollstuhlfahrer gerade noch überwindbar und kann von Blinden mit dem sogenannten Langstock ebenfalls noch ertastet werden.

Auch bei Orientierungshilfen für Sehbehinderte wie den sogenannten Bodenindikatoren gibt es immer noch etwas zu verbessern. Diese in den Bodenbelag eingelegten Linien und Felder, mal genoppt und mal gestreift, führen Gehandicapte beispielsweise durch den hannoverschen Hauptbahnhof, sie warnen vor Gefahren an Treppen und Bahnsteigkanten und weisen auf besondere Gebäude oder Eingänge hin. „Diese Indikatoren sind oft falsch verlegt“, hat Ulla Petersen, Pattensens Behindertenbeauftragte, festgestellt.

„In der Region Hannover leben schon jetzt rund 120.000 Menschen mit einem Schwerbehinderungsgrad von 50 Prozent und mehr“, sagt Renate Conrad, Behindertenbeauftragte der Region Hannover. „Das Thema Barrierefreiheit für alle wird immer wichtiger.“ Alles, was für Behinderte sei – etwa Aufzüge, rutschhemmende Oberflächen oder eine blendfreie Beleuchtung – schließe alle Bürger mit ein, sagt Architektin Andrea Heppner vom Blinden- und Sehbehindertenverband Niedersachsen (BNV). „Auch alte Menschen und Familien mit Kinderwagen.“ 

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