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Aus der Stadt Abpfiff im Eilenriedestadion
Hannover Aus der Stadt Abpfiff im Eilenriedestadion
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09:10 20.02.2012
Für die Talente da: Jens Rehagel, Manger des Nachwuchsleistungszentrums. Quelle: Surrey
Hannover

In großen Stahllettern prangen diese zwei Zeilen am Aufgang zur Tribüne links: „Was man nicht aufgibt, hat man nie verloren.“ Es ist ein Zitat aus Maria Stuart von Schiller, aber es wirkt ein bisschen gekünstelt an der mächtigen Tribüne des Eilenriedestadions. Denn sonst ist hier nicht viel von Dichtern und Denkern zu finden.

Dafür hängt der Geruch von Schweiß in der Luft, der über Generationen hinweg in die Wände der Umkleideräume eingezogen ist – ebenso, wie manche Träne hier geflossen ist. Zuweilen waren es Freudentränen. Zweimal wurden im Eilenriedestadion Länderspiele gewonnen: 1931 gegen Dänemark (4:2) und 1937 gegen Belgien (1:0). Damals jubelten dank einer zusätzlichen Tribüne sogar 54.800 Zuschauer. Jetzt aber soll das charmante Stadion ausgedient haben. 96-Klubchef Martin Kind, dessen Verein das Stadion als Nachwuchsleistungszentrum gepachtet hat, würde lieber umziehen und zum Beispiel im Expo-Park ein ganz neues Leistungszentrum errichten.

Helge Sandström ist der „Objektverwalter“. Seit 35 Jahren ist er 96-Fan und kennt sein Eilenriedestadion. Seit fünf Jahren ist er beim Verein angestellt, bessert hier und da etwas aus, schreibt Belegungspläne für die Umkleiden, sieht nach dem Rechten. Die Substanz der Anlage sei im Grunde gut, sagt er: „Als wir 2007 für die Vergrößerung des Kraftraums zwei Wände rausnehmen wollten, da mussten wir lange stemmen – 80 Zentimeter dick waren die.“

Um das Stadion aber wirklich auf Vordermann zu bringen, müsste wohl richtig investiert werden. Die Steinbänke der alten Freitribüne sind verschoben, an vielen Stellen bröckelt der Putz, und dann ist da eben der Denkmalschutz. Der verhindert zum Beispiel Anbauten für einen zusätzlichen Besprechungsraum oder eine Erweiterung von Trainingsflächen.

Deutsche Stadiongeschichte geschrieben

Tatsächlich gehört das Stadion nicht nur zu Hannovers Sportgeschichte des vergangenen Jahrhunderts, sondern hat deutsche Stadiongeschichte geschrieben. Mindestens drei bemerkenswerte Ereignisse sind mit ihm verbunden: 1921/22 erbaut, gilt es als das erste städtische Sportstadion in Deutschland. 1973 soll hier nach Angaben des „Stadtlexikons Hannover“ das erste deutsche Stadionkonzert gestiegen sein – mit Eric Burdon und der Spencer Davis Group. Und vor der großen Tribüne erstreckt sich – auch das ist ein Alleinstellungsmerkmal – die einzige 500 Meter lange Tartanbahn, die es in Europa noch gibt.

Doch der Segen der Einzigartigkeit ist Fluch zugleich. Internationale Leichtathletikwettbewerbe etwa dürfen im Eilenriedestadion nicht ausgetragen werden, weil die Tartanbahn die 400-Meter-Norm nicht einhält. Auch die Punktspiele der zweiten 96-Herren müssen derzeit in der AWD-Arena ausgetragen werden – zumindest bis Saisonende erlaubt des Regelwerk der Regionalliga den Punktspielbetrieb in dem alten Stadion nicht. Ob die Punktspiele danach an den Eilenriederand zurückkehren? „Das werden wir sehen“, sagt Jens Rehhagel vorsichtig.

Nicht mehr zeitgemäß, zu wenig Platz: 96-Klubchef Martin Kind möchte das traditionsreiche Eilenriedestadion als Nachwuchszentrum für talentierte Fußballer aufgeben. Ein Stadionbesuch.

Der 38-Jährige ist Manager des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) von 96 und damit Herr im Eilenriedestadion. Und er schätzt die öffentliche Diskussion um das Bauwerk sichtbar nicht. „Das Wichtigste für unsere Nachwuchsarbeit ist, dass die sanitären Anlagen top sind und es Physio- und Sanitärräume gibt“, sagt Rehhagel: „Das ist alles vorhanden, damit kann man arbeiten.“ Schließlich hätten Per Mertesacker, Jan Rosenthal, Konstantin Rausch und andere in diesem Stadion trainiert – und es weit gebracht.

„Natürlich gibt es Vereine mit moderneren Nachwuchszentren“, sagt Rehhagel. „Aber wer in derartige Glasbutzen reingeht, der weiß doch schnell gar nicht mehr, wo er ist – die sehen alle gleich aus.“ Das Eilenriedestadion hingegen, das sei „echt 96“. Wer schicke Sofas und goldene Wasserhähne wolle, sei bei anderen Vereinen ohnehin besser aufgehoben. „Wir machen hier eine erstklassige Ausbildung – sogar Spieler von Hertha BSC sind nicht wieder weggefahren.“

Sein Chef allerdings macht keinen Hehl daraus, dass für ihn die Weiternutzung des Stadions keine Option für die Zukunft ist. „Das wäre unternehmerisch falsch“, sagt 96-Präsident Martin Kind. Der Pachtvertrag mit der Stadt läuft bis 2096, Kind will möglichst bald raus aus dem Vertrag, neu bauen und umziehen. Die dafür benötigten 20 Millionen Euro? „Das sehe ich mit der neuen Sponsorenregelung entspannt “, sagt der Klubchef: „Daran wird es nicht scheitern.“ Möglicherweise aber an den politischen Mehrheiten in der Stadt.

SPD und Grüne wollen, dass das historische Stadion weiter genutzt wird – und erwarten von der Stadtverwaltung ein Konzept, wie das mit dem Denkmalschutz und dem Schutz für die angrenzende Eilenriede vereinbar ist. „Wir reden seit Jahren darüber“, sagt Grünen-Baupolitiker Michael Dette: „Bisher haben wir kein ernsthaftes Argument gehört, warum 96 an diesem Standort nicht seine Pläne verwirklichen können soll.“

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