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Aus der Stadt Zieht das Stöckener Bad zum Pferdeturm?
Hannover Aus der Stadt Zieht das Stöckener Bad zum Pferdeturm?
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00:23 14.11.2014
Von Andreas Schinkel
Alex (v.l.) Jakob und Luca haben ihren Spaß im Stöckener Bad. Quelle: Rainer Surrey
Hannover

Wenn es nach CDU und FDP im Rat geht, könnte das Stöckener Bad zugunsten eines neuen Standortes auf dem Grundstück des ehemaligen AOK-Sitzes neben der Pferdeturmkreuzung von Messeschnellweg und Hans-Böckler-Allee aufgegeben werden. Diese Pläne sind die spektakulärsten Aspekte des umfangreichen Sanierungsprogramms für alle Bäder Hannovers, dessen Umsetzung 2015 beginnen soll. Das Programm für die Modernisierung von Hannovers Bädern ist Teil eines vertraulichen Verwaltungspapiers, das zunächst am 20. November der Bäderkommission der Stadt als „Diskussionsgrundlage“ dienen soll. Der HAZ liegt das Papier vor. Es basiert auf einem bereits veröffentlichten Gutachten der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen. Aus dem Gutachten ging hervor, dass Hannovers Bäder in einem millionenschweren Sanierungsstau stecken.

Der Sanierungsstau soll jetzt in mehreren Abschnitten bis 2029 behoben werden. Die vorgesehenen Umbauten haben ein Gesamtvolumen von rund 41 Millionen Euro. Ganz vorn auf der Terminliste steht das Stadionbad, Schlusslicht ist das Ricklinger Bad.

Für das Stöckener und das Fössebad hält die Verwaltung jeweils zwei Optionen bereit: Sanierung oder Abriss und Neubau. Bei beiden Bädern übersteigt der Investitionsbedarf jeweils den aktuellen Wert der Anlagen. Den Neubau des Stöckener Bads beziffert die Stadt in ihrem Programm insgesamt mit knapp 8 Millionen Euro. Eine Sanierung würde nur 3 Millionen Euro weniger kosten. Mit den Planungen für Neubau oder Sanierung will die Stadt 2023 beginnen, die Bauarbeiten sollen erst 2025 starten. Beim Fössebad ist der Kostenunterschied deutlich größer. Die Sanierung soll knapp 8 Millionen Euro verschlingen, ein Neubau würde die Stadtkasse mit mehr als 16 Millionen Euro belasten. Der Baustart für das Fössebad ist für 2019 anberaumt.

CDU und FDP überlegen, ob das bisherige Stöckener Bad an einem anderen Standort errichtet werden kann, etwa auf dem Grundstück des ehemaligen AOK-Gebäudes nahe dem Pferdeturm. „Dann ist der Südosten Hannovers besser mit Wasserflächen versorgt“, sagt CDU-Ratsherr Dieter Küßner. FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke teilt die Meinung seines Kollegen von der CDU, will aber offen lassen, auf welchem der brachliegenden Grundstücke nahe dem Pferdeturm das Bad wiedererrichtet werden könnte. Fest steht für ihn: „Der Norden Hannovers ist mit Bädern bereits gut versorgt.“ Zudem seien die Besucherzahlen im Stöckener Bad schwankend.

Tatsächlich gibt es mehrere Freibäder im Norden - das Naturbad Hainholz, das RSV-Bad Leinhausen und das Limmer Volksbad. Das Vahrenwalder Bad wäre nach einem Wegfall des Stöckener Bads aber das einzige Hallenbad im nordwestlichen Hannover. Grünen-Sportpolitiker Mark Bindert schlägt vor, größere Becken einzuplanen, falls sich die Stadt tatsächlich für Neubauten entscheidet. „Denn ein 50-Meter-Becken ist nur unwesentlich teurer als ein 25-Meter-Becken“, sagt er. Dadurch gewinne man aber mehr Platz für Schwimmvereine, die ohnehin um jede freie Bahn kämpften. Die SPD ist vor allem daran interessiert, mit den Bauarbeiten im Stadionbad rasch zu beginnen. „Wir müssen Verzögerungen vermeiden“, sagt SPD-Sportpolitikerin Peggy Keller. Im Mai 2016 soll das Stadionbad als Wettkampfstätte für die Special Olympics dienen. Ob Hannover die Wettkämpfe zwischen geistig Behinderten tatsächlich ausrichtet, entscheidet sich demnächst.

Auch aquaLaatzium in Schwierigkeiten

Auch außerhalb Hannovers müssen Kommunen viel Geld in die Hand nehmen, um ihre Bäder am Leben zu erhalten. So hat der Rat in Laatzen jetzt beschlossen, das finanziell angeschlagene Spaßbad aquaLaatzium mit einer Geldspritze von 600 000 Euro über Wasser zu halten. Betrieben wird das Bad von einer GmbH, die aber zu 100 Prozent der Stadt Laatzen gehört. Geschäftsführer Carsten Otte sagt, dass er 2014 weniger Geld eingenommen habe als erwartet.

Für die nächsten Jahre planen Laatzens Ratspolitiker, noch größere Summen in die Hand zu nehmen, um dem Bad mehr Spielraum zu verschaffen. Einschließlich der aktuellen Kapitalspritze sollen der Betreiberfirma 3 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden. „Wir wollen die Gesellschaft auf stabile Füße stellen und nicht jedes Jahr um Summen feilschen“, sagt der Aufsichtsratsvorsitzende und SPD-Fraktionschef Ernesto Nebot. Erstmals seit Jahren ziehen Laatzens Ratspolitiker an einem Strang, um das aquaLaatzium zu retten. Noch vor zwei Jahren hatten CDU und FDP einen Verkauf der Anlage vorgeschlagen.

Stadt zahlt bei jedem Besucher dazu

Wenn eine Kommune den Rotstift ansetzen muss, um ihren Haushalt in den Griff zu bekommen, wird meist ein verschämter Blick auf Schwimmbäder geworfen. Nicht ohne Grund, denn der Badespaß kommt eine Stadt teuer zu stehen. Jährlich rund 9 Millionen Euro gibt Hannover aus, um den Betrieb der 13 Bäder am Laufen zu halten. Zwar müssen sich städtische Bademeister nur um sieben Becken kümmern, den Rest haben private Betreiber übernommen. Doch mit einem sogenannten Betriebskostenzuschuss ist die Stadt bei jedem Bad dabei. Zudem sind Energiekosten, Unterhalt und Personalaufwand hoch, sodass unterm Strich jede Eintrittskarte subventioniert wird. So zahlt die Stadt für jedes Ticket ins Naturbad Hainholz zusätzlich 33 Euro. Auch das Stöckener Bad steht nicht gut da, mehr als 13 Euro pro Besucher beträgt der Zuschussbedarf. Am wenigsten liegt das Lister Bad der Stadt auf der Tasche. Nur 4,58 Euro muss die Stadt drauflegen.
Zwar rutscht auch der hannoversche Haushalt ins Minus, doch von Schließungen wollen Stadt und Rot-Grün im Rat nichts wissen. Aber die Eintrittspreise sollen ab 2017 steigen.

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