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Aus der Stadt Abschied von der Gerhard-Ulhorn-Kirche
Hannover Aus der Stadt Abschied von der Gerhard-Ulhorn-Kirche
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06:15 21.11.2012
Von Andreas Schinkel
Landessuperintendentin Ingrid Spieckermann leitete den Abschiedsgottesdienst von der Gerhard-Ulhorn-Kirche. Quelle: Hagemann
Hannover

Beate Rambke kämpft mit den Tränen. „Ganz furchtbar“ fühle sie sich an diesem Tag, sagt die 49-Jährige, die Zeit ihres Lebens Mitglied der Gerhard-Uhlhorn-Kirche in Linden gewesen ist. Getauft und konfirmiert wurde sie hier, und auch ihre Kinder haben in dem markanten Gebäude am Leineufer den ersten christlichen Segen empfangen. Damit ist es nun vorbei. Am Sonntag wurde die Kirche entwidmet, der Altarschmuck von der Gemeinde in einer langen Prozession zur Bethlehemkirche, der neuen Heimat, getragen. Rund 400 Gemeindemitglieder füllten die Bänke, der Abschiedsgottesdienst von Landessuperintendentin Ingrid Spieckermann hatte zuweilen den Charakter einer Trauerfeier.

„Für die Gemeinde ist es in der Tat ein trauriger Tag“, sagt Spieckermann am Rande des Gottesdienstes. Denn alles stehe den Mitgliedern noch einmal vor Augen, die Arbeit und Freude in den Gemeindegruppen, die Feste und Gottesdienste mit Nachbarn und Freunden. „Aber im Grunde hat sich die Gemeinde gut vorbereitet“, meint die Landessuperintendentin. Denn die Gemeindearbeit sei schon vor drei Jahren in die Bethlehemkirche verlegt worden.

Seit 2009 bilden Gerhard-Uhlhorn-Kirche und Bethlehemkirche die Gemeinde Linden-Nord mit insgesamt 5000 Mitgliedern. Eine verschwindend geringe Zahl, vergleicht man sie mit dem Jahre 1957, als die Bethlehemkirche 25000 Gläubige zählte. Deshalb entschied man sich damals auch für den Bau der Gerhard-Uhlhorn-Kirche, die 1963 geweiht wurde. Doch die Mitgliederzahlen gingen stetig zurück und so war es am Ende schlicht zu teuer, zwei Kirchen zu unterhalten.

Nicht zu wissen, was mit dem Sakralbau am Leineufer passiert, lastet schwer auf den Gemütern der Gemeindemitglieder. „Am schlimmsten wäre ein Abriss“, sagt eine Dame mittleren Alters. Denn der Turm in Form eines Paddels gehöre schließlich zur Silhouette Lindens wie die Schornsteine des Kraftwerks. „Soll unser schöner, blauer Teppich eigentlich in der Bethlehemkirche aufgehängt werden?“, fragt sie sich. Das Stoffstück hinter dem Altar ist ein Relikt aus sonnigeren Tagen. Darauf sieht man die Kirche mit ihrem steilen Kupferdach, über dem sich ein bunter Regenbogen wölbt. „Den Leuten aus der Bethlehemkirche ist das ohnehin gleichgültig“, meint die Dame mit einem Anflug von Ärger.

Heinz Soural will noch immer nicht hinnehmen, dass die Pforten der Kirche nun endgültig geschlossen sind. „Man könnte doch einmal im Monat einen Gottesdienst hier abhalten. Das wäre allemal besser als ein Verkauf“, sagt das langjährige Gemeindemitglied. Genügend Besucher kämen bestimmt, sagt er und deutet auf die voll besetzten Bänke.

Aber das Rad lässt sich nicht zurückdrehen. Unter dem Stichwort „Kirche an der Leine“ ist die Immobilie bereits zum Verkauf inseriert. 410000 Euro Mindestgebot erwartet die Stadtkirchenkanzlei. „Die Ausstattung des Gebäudes ist kirchentypisch“, heißt es nüchtern im Text des Inserats.

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