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Aus der Stadt Ärger und Missstände beim Roten Kreuz
Hannover Aus der Stadt Ärger und Missstände beim Roten Kreuz
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15:17 09.01.2012
Von Mathias Klein
Wilfried Lindwedel prangert Missstände und falsche Schwerpunktsetzung an. Quelle: Peters
Hannover

Eine Mütze mit Ohrenklappen, drei Paar dicke Socken und ein Becher Kaffee. Wolfgang freut sich, auch wenn er es sich nicht so richtig anmerken lässt. „Solche Socken kenne ich noch von der Bundeswehr“, sagt der 54-Jährige. Die Sachen hat Wolfgang von Wilfried Lindwedel bekommen.

Lindwedel, ein groß gewachsener 59-Jähriger, kümmert sich um Obdachlose in Hannover. Nahezu jeden Tag geht er mit anderen Freiwilligen frühmorgens gegen sechs Uhr in die Innenstadt zu den Schlafplätzen von Dutzenden von Obdachlosen, redet mit den Männern, fragt, was sie brauchen. Eigentlich hatte der wegen einer Krebserkrankung arbeitsunfähige Lindwedel Obdachlose mithilfe des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) betreuen wollen, jener Hilfsorganisation, der er schon seit vielen Jahren angehört. Aber es ist anders gekommen.

Im vergangenen Herbst sucht das DRK einen neuen Vorstand für den Ortsverein Hannover-West, der unter anderem Linden, Ricklingen, Badenstedt und Davenstedt umfasst. Mit 1500 Mitgliedern ist er einer der größten Ortsvereine im Regionsverband. Lindwedel, beim DRK als fleißiger Ehrenamtlicher schon bekannt, wird gefragt, ob er sich die Aufgabe zutraut. Er sagt Ja.

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln

Doch der Start des neuen Vorsitzenden verläuft so turbulent, dass die Spitzen des Regionsverbandes seine Wahl inzwischen schon wieder bedauern dürften. Lindwedel prangert die Zustände um die Suppenküche in der Rampenstraße in Linden an. Innerhalb des DRK wurde schon länger darüber geraunt, der 59-Jährige macht die Vorwürfe öffentlich: Ein DRK-Vorstandsmitglied habe in der Essensausgabe mit Drogen gehandelt. Nicht die DRK-Spitze, sondern der neue Ortsvereinsvorsitzende sorgt dafür, dass Polizei und Staatsanwaltschaft jetzt in der Angelegenheit ermitteln.

Gleichzeitig weist der Frührentner auf finanzielle Unregelmäßigkeiten hin und wirft auch in dieser Angelegenheit dem Regionsverband vor, von alledem gewusst, aber geschwiegen zu haben. Zudem spricht er von Unstimmigkeiten bei der Vorstandswahl des Verbandes. Ein Vorwurf, der direkt die DRK-Regionsspitze trifft.

Der Zeitpunkt der geballten Vorwürfe ist für das Rote Kreuz denkbar ungünstig. Schließlich steht die erneute Ausschreibung des lukrativen Auftrags für den Rettungsdienst im hannoverschen Umland an. Ihn will die Rettungsorganisation auf keinen Fall verlieren.

Aber Lindwedel lässt sich nicht beirren. Er will Obdachlosen helfen und die Essensausgabe wieder in Gang bringen, der Regionsverband aber sperrt sich.

Als das DRK Hannover dann mitteilt, der neue Vorstand werde sich auf die Jugendarbeit und Hilfen beim Ausfüllen von Behördenformularen konzentrieren, reicht es dem Freiwilligen Lindwedel. Er findet, die Hilfsorganisation vernachlässige die Obdachlosenarbeit. Trotzig erklärt er, sich künftig mit anderen Freiwilligen um Wohnungslose in der Landeshauptstadt zu kümmern – ohne das DRK im Hintergrund. Ein paar Tage später legt er sein Amt enttäuscht nieder.

Wolfgang lebt seit einem Jahr und zwei Monaten auf der Straße. Bis dahin hat der frühere Bundeswehrbeschäftigte bei seinen Eltern gewohnt. Seitdem sie gestorben sind, hält er sich tagsüber in der Nähe der Stadtbibliothek auf, nachts schläft er am Eingang zur Kröpcke-Passage. „Da muss man nicht so viel Angst haben, weil immer was los ist“, sagt der 54-Jährige und nimmt einen Schluck Kaffee.

Während er spricht, schaut Wolfgang meist nach unten, den Kopf ein bisschen verdreht, schmiegt sein Kinn an die Brust. Morgen will Lindwedel für Wolfgang Tee mitbringen. „Kaffee verträgt mein Magen nicht so gut“, sagt Wolfgang. Sein Essen kauft er sich von Geld, das ihm Passanten ab und zu geben, unter ihnen ist eine Frau, die in einem Restaurant arbeitet. „Sie bringt mir Obst und Kuchen.“

Während seiner Amtszeit als Ortsvereinschef kommt sich Lindwedel wie ein Bettler vor. Er will ein bisschen Geld vom Regionsverband, um hier und da ein paar warme Kleidungsstücke für die Menschen auf der Straße zu besorgen und die Mitarbeiter per Brief über die Arbeit zu informieren. 1,1 Millionen Euro hat die Hilfsorganisation beispielsweise im Jahr 2009 von ihren rund 37.500 Mitgliedern in und um Hannover aus Beiträgen eingenommen, dazu kamen rund 200.000 Euro Spendengelder.

Immer wieder werden Lindwedel unterschiedliche Summen vom Regionsverband genannt, die er bekommen soll. Geld hat er nach seinen Angaben nie erhalten.

Lindwedel ist mit seiner Klage über die finanzielle Zurückhaltung des Regionsverbandes nicht allein. Auch in anderen Ortsvereinen rumort es, weil etwa Geld für soziale Projekte fehlt. Aber nicht alle sind so angriffslustig wie Lindwedel.

„Betrogene Spender“

Unter der Hand ist sogar von „betrogenen Spendern“ die Rede. Beispielsweise bei Haussammlungen blieben nur 70 Prozent beim Ortsverein, den Rest teilen sich Regions- und Landesverband. Dazu heißt es vom DRK, dass die „ehrenamtlich aktive Arbeit auf allen Verbandsebenen auch mit durch die Sammlungserträge finanziert“ werde. Somit kämen 100 Prozent dieser Erträge dem guten Zweck zugute.

Von den Mitgliedsbeiträgen bleiben laut Satzung gerade einmal 15 Prozent der Einnahmen den Ortsverbänden in der Landeshauptstadt. „Das ist ein demokratischer Beschluss der Mitgliederversammlung“, sagt Ulrich Werkmeister, wie Thomas Dettmer Geschäftsführer des DRK-Regionsverbandes. Aber man könne mit einem Beschluss nicht jeden glücklich machen. „Das ist gelebte Demokratie“, ergänzt Dettmer.

Auf Lindwedel ist Dettmer nicht gut zu sprechen. Dieser vermittele den Eindruck als seien die anderen DRK-Ortsvereine „Kaffeetrinkvereine“. Das Gegenteil sei der Fall. In den mehr als 130 Ortsvereinen gebe es „Aktivitäten in unterschiedlichen Bereichen – mal mehr, mal weniger“. Aber durch Lindwedel hätten sich einige Ehrenamtliche „angezählt“ gefühlt, weil er den Eindruck vermittelt habe, woanders werde nichts getan.

An Wilfried Lindwedel perlt Dettmers Kritik ab. „Das ist mir egal, was der sagt“, sagt der frühere Pferdewirt. Innerhalb von wenigen Tagen und ohne Unterstützung des DRK hat er von der Bundeswehr warme Kleidung besorgt, die er nach und nach an Obdachlose wie Wolfgang verteilt. „Wir machen einfach das, was nötig ist, auch ohne DRK.“

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