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Aus der Stadt Aha lässt alte Säcke am Straßenrand liegen
Hannover Aus der Stadt Aha lässt alte Säcke am Straßenrand liegen
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21:54 12.02.2015
Von Simon Benne
„Das ist pingelig“: Der Langenhagener Eric Dönmez musste seine alten Müllsäcke in neue stopfen - wie viele Umlandbewohner.
„Das ist pingelig“: Der Langenhagener Eric Dönmez musste seine alten Müllsäcke in neue stopfen - wie viele Umlandbewohner. Quelle: Jan Philipp Eberstein
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Hannover

Pingelig sei das, sagt Eric Dönmez. Pingelig und bürokratisch. Wie in jeder Woche hat der Langenhagener kürzlich drei Müllsäcke an die Straße gestellt - doch abgeholt wurden diese nicht. Stattdessen klebten Aha-Mitarbeiter einen knallroten Aufkleber darauf: „Ich durfte nicht mit.“ Müllsäcke aus dem vergangenen Jahr lässt der Abfallentsorger konsequent am Straßenrand stehen. Nur noch Säcke von 2015 werden abgeholt. Und das ist durchaus ein Problem in den Umlandkommunen, wo Sackabfuhr - anders als in Hannover - die Regel ist.

Überall am Reuterdamm in Langenhagen liegen Trauben von alten Müllsäcken herum - teils seit Tagen: „Niemand fühlt sich dafür verantwortlich“, schimpft der 77-jährige Günter Lagis. „Manche Säcke sind aufgerissen, irgendwann kommen die Ratten“, fürchtet ein anderer Anwohner: „Wir sind doch hier nicht in der Bronx!“ Tatsächlich haben sich neben manchen Sackhaufen schon Papierstapel und Flaschen angesammelt. Da gilt ein heimliches Grundgesetz des städtischen Abfallwesens: Wo einmal Müll liegt, kommt schnell noch mehr Müll dazu.

Eric Dönmez hat seinen Abfall wieder ins Haus geholt. Dort hat der Dachdecker die Säcke in Säcke gestopft, alte in neue, und sie dann wieder an die Straße gestellt: „Das fühlt sich an, als hätte ich die Müllgebühr doppelt bezahlt“, sagt der 47-Jährige.

„Es geht um Gleichbehandlung“

Zu Unrecht, sagt Helene Herich vom Entsorger Aha. Schließlich wurde das Müllsystem vor einem Jahr umgestellt: Früher kauften Kunden die Säcke im Einzelhandel. „Inzwischen bezahlt man die Dienstleistung Müllabfuhr über den Gebührenbescheid“, sagt sie. Die Kosten ergeben sich dabei aus einer Kombination von Grundgebühr und einem individuellem Anteil, der sich nach dem bestellten Volumen richtet. Das ist in der Stadt und im Umland gleich: „Kunden, die Mülltonnen haben, bekommen das nicht genutzte Volumen ja auch nicht erstattet, wenn die Tonnen nicht ganz voll sind“, sagt Herich. Daher könne Aha die alten Säcke nicht einfach mitnehmen: „Es geht um Gleichbehandlung.“

Die Kommunen müssen sich nun selbst um deren Entsorgung kümmern: Seelze hat die 2014er Säcke jetzt in einer einmaligen Aktion eingesammelt. Springe will das auch tun - die Kosten dafür aber Aha in Rechnung stellen: „Das Geld klagen wir zur Not ein“, sagt Bürgermeister Jörg-Roger Hische. Auch Hemmingen sieht Aha in der Pflicht: Der Entsorger solle seine Informationspolitik überdenken, sagt Bürgermeister Claus Schacht. Ein Verwarngeld an Müllsünder zu verhängen, sei schwierig: „Oft lässt sich der Müll gar nicht einem Haus zuordnen“, sagt Schacht.

In Langenhagen hätten sich viele ein Entgegenkommen von Aha gewünscht: „Sie hätten die Übergangszeit, in der noch alte Säcke mitgenommen wurden, großzügiger gestalten können“, sagt der Rentner Dietmar Wicht-Czekay: „Viele haben noch alte Säcke, die sie nicht aufgebraucht haben.“ Den Müll einfach an der Straße liegen zu lassen, sei keine Lösung: „Irgendwann landen die Säcke dann einfach in der Botanik.“

Nachgefragt bei Aha-Sprecherin Helene Heinrich

Nachgefragt bei Hele Herich, Sprecherin von Aha.

Frau Herich, in manchen Umlandkommunen liegen dicke Trauben von Müllsäcken mit roten Aufklebern an den Straßen. Wäre es nicht einfacher, diese einfach mitzunehmen?

Wir verstehen, dass manche Kunden Schwierigkeiten mit der Umstellung haben. Deshalb sind wir den Sacknutzern entgegengekommen: Bis zum 16. Januar konnten sie noch die Säcke aus dem Vorjahr herausstellen.

Einige Städte wollen die liegen gebliebenen Säcke jetzt in Eigenregie entsorgen.

Abfall in ungültigen Säcken wird wie wilder Müll behandelt. Für diesen sind in geschlossenen Ortschaften die Kommunen zuständig, nicht der Entsorgungsbetrieb Aha.

Die Region wurde doch gegründet, um Probleme, die es in allen Kommunen gibt, gemeinsam besser in den Griff zu bekommen. Und das Problem mit den Altsäcken gibt es überall im Umland...

Wir stehen ja auch in engem Kontakt mit den Kommunen. Wenn sie an uns herantreten, finden wir eine gemeinsame Lösung. Allerdings haben wir auch festgestellt, dass es bei vielen Bürgern einen Lerneffekt gibt: Wenn sie sehen, dass ihr Sack nicht mitgenommen wird, holen sie ihn wieder ins Haus und entsorgen den Müll in den 2015er Restabfallsäcken.

Von Simon Benne und Andreas Zimmer

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