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Aus der Stadt Airline setzt Rollifahrer vor die Tür
Hannover Aus der Stadt Airline setzt Rollifahrer vor die Tür
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09:10 31.03.2011
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Weil er mit dem Kabinenpersonal in Streit geraten sein soll, hat der Pilot einen Rollstuhlfahrer aus dem Flugzeug verwiesen. Der schwerbehinderte Mann verlangt nun von der hannoverschen Fluggesellschaft TUIfly Schadensersatz und Schmerzensgeld für entgangene Urlaubsfreuden von insgesamt 6500 Euro.

Die Frau des Klägers machte gestern ihrem Ärger vor der Zivilkammer des Landgerichts Luft. Nach ihrer Version gab es zahlreiche Probleme. Sie und ihr halbseitig gelähmter Mann hatten für den 21. Dezember 2009 Plätze für den Flug mit der HapagLloyd (heute TUIfly) ab Düsseldorf im Voraus reserviert. Am Check-in-Schalter stellte sich heraus, dass diese Plätze anderweitig vergeben waren – der Rollifahrer erhielt einen anderen Platz am Gang. An dem Tag herrschte ein Schneechaos, sodass der Schwerbehinderte mit einem Hubwagen zum Flugzeug transportiert werden musste. Dieser sei durch eine Schneewehe gezogen worden, sagte die 67-Jährige: „Mein Mann hatte ganz nasse Füße.“

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Zu allem Überfluss griffen ihm die Helfer trotz Warnung der Ehefrau beim Einstieg an seine beeinträchtigte Seite. Der Mann erlitt dadurch einen spastischen Anfall. Schließlich gelang der Fluggast zu seinem auf der Bordkarte ausgewiesenem Platz – und stellte fest, dass auch dieser besetzt war. Der darauf sitzende Vater mit Kind weigerte sich, auf seinen Sitz am Fenster zu wechseln. Es wurde diskutiert, bis ein Holländer seinen Platz in der ersten Reihe freigab. Noch bevor ihr Mann gesessen habe, sei das Flugzeug angerollt, sagte die Zeugin, sodass er unsanft auf den Platz fiel.

„Es kann sein, dass mein Mann zwischendurch aus Angst ein bisschen lauter wurde“, räumte die Frau ein. Wenig später sei der Kapitän aufgetaucht und habe den Passagier ermahnt, leiser zu sein. „Dann war alles okay. Wir waren völlig überrascht, als zwei Bundespolizisten auftauchten und meinen Mann aus dem Flieger holten“, sagt die Frau. Seit fünf Jahren fliege sie mit ihrem behinderten Mann regelmäßig in den Urlaub: „So etwas ist uns noch nie passiert.“

Die Airline gab als Grund für den Rauswurf an, der Kapitän habe einen harmonischen Flug gewährleisten wollen.

Sonja Fröhlich

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