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Aus der Stadt Wissenschaftler protestieren gegen Arbeitsverträge
Hannover Aus der Stadt Wissenschaftler protestieren gegen Arbeitsverträge
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19:39 04.11.2015
Von Bärbel Hilbig
Spielerischer Protest: Eine feste Stelle im Wissenschaftsbetrieb gibt es bei der Aktion am Steintor nur am „Glücksrad“. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Eine gewisse Nervenstärke und Gleichmut scheint Andreas Sarcletti auszuzeichnen. Der Soziologe mit Doktortitel arbeitet inzwischen auf seiner fünften befristeten Stelle als Wissenschaftler. Und dabei hat der 36-Jährige seine Promotionsphase nicht einmal mitgezählt. „In der Forschung ist es ein Stück weit Glückssache, ob man eines Tages eine unbefristete Stelle bekommt.“ Am Mittwoch verbrachte der Vater von Zwillingen seine Mittagspause bei einer Protestaktion am Steintor, mit der die Gewerkschaften Verdi und GEW auf die prekäre Situation zahlreicher Mitarbeiter im Wissenschaftsbetrieb hinweisen wollten. Der Bundestag berät in Kürze über das sogenannte Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG), das überarbeitet werden soll.

Unbefristete Stelle im Wissenschaftsbetrieb? Ein Glücksspiel. Darauf machten Wissenschaftler bei einer Protestaktion der Gewerkschaften Verdi und GEW am Steintor aufmerksam.

Was früher eher eine Ausnahme war, habe sich extrem ausgeweitet, berichtet Frank Ahrens, Verdi-Sekretär für Wissenschaft. Forscher können zur Qualifikation, also meist für die Promotion, befristet beschäftigt werden. Oder wenn sie an einem von außen finanzierten, zeitlich begrenzten Projekt arbeiten. Dabei sind den Befristungen keine Grenzen gesetzt. „Viele hangeln sich nach der Promotion von einem Forschungsprojekt zum nächsten“, sagt Marc André Brinkfurth, Personalrat an der Leibniz Universität. Etliche Mitarbeiter arbeiteten seit vielen Jahren unter diesen Bedingungen. „Sie sind oft selbst dafür zuständig, Geld für das nächste Projekt einzuwerben. Wenn sie krank werden, sind sie draußen.“ An der Leibniz-Uni haben nach Angaben von Brinkfurth 90  Prozent der wissenschaftlichen Mitarbeiter einen befristeten Vertrag.

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Im an der Goseriede ansässigen Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung arbeiteten zahlreiche Mitarbeiter befristet in Drittmittelprojekten, die aber tatsächlich Dauerbrenner seien, berichtet Betriebsrat Peter Müßig. So läuft die Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks seit rund 40 Jahren regelmäßig. „Viele Mitarbeiter haben eine dauerhafte Aufgabe, bekommen aber bis zur Rente nur unsichere befristete Verträge.“     

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