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Aus der Stadt Aktionswoche zu mehr Zivilcourage gestartet
Hannover Aus der Stadt Aktionswoche zu mehr Zivilcourage gestartet
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06:15 20.09.2012
Treten für mehr Zivilcourage ein: Peter Jörding, Patrick Niemann, Sheryl Ann Hartmann, Marlo Zirr, Bernd Strauch und Axel Brockmann. Quelle: Thomas
Hannover

Die Rentnerin Gisela S. ist eine Alltagsheldin, wie man so sagt. Als sie in der Bahn beobachtet, wie zwei Männer einen Fahrgast angreifen, bleibt sie nicht stumm. „Wir waren allein im Abteil, aber als ich gesehen habe, dass die Männer auf seinem Kopf rumtrampeln, hab ich gesagt: Hört auf, lasst ihn in Frieden.“ Doch die Männer hören nicht auf. Also drückt Gisela S. den Notknopf, um mit dem Fahrer zu sprechen, und es passiert dies: An der nächsten Haltestelle steigen die Täter aus und fliehen. Die ältere Dame ist immer noch erschüttert von dem Ereignis: „Wenn ich daran denke, dann tut mir mein Kopf heute noch weh. Das war schrecklich.“

Ihre Erlebnisse erzählt die Rentnerin in einem Video, das seit gestern im Internet zu sehen ist. Sie ist Teil der Kampagne „Ich bin ein Held. Was ist mit dir?“, mit der die Stadt Hannover zusammen mit ihren Partnern im Rahmen einer landesweiten Aktionswoche für mehr Zivilcourage werben will. Auf sechs Postern, die seit Montag überall in der Stadt hängen, zeigen sechs Alltagshelden ihr Gesicht - und in den dazugehörigen Videos erzählen sie ihre persönliche Geschichte.

Auch Ferenc H. ist auf einem der Poster abgebildet. Der Hannover-96-Fan stand nach einem Heimspiel vor dem Stadion als er sah, wie drei Jugendliche ein kleines Mädchen bedrängten und versuchten, sie in eine Seitengasse zu ziehen. „Ich wollte nicht alleine eingreifen, weil ich dachte, das könnte für mich persönlich gefährlich werden. Deshalb habe ich umstehende 96-Fans angesprochen“, erzählt der junge Mann in seinem Video. Gemeinsam sind sie dann auf die Jugendlichen zugegangen und haben sie aufgefordert, das Mädchen loszulassen. Das wirkte, die jungen Männer liefen weg, und Ferenc H. rief die Polizei, die sich um das verstörte Mädchen kümmerte. „Die Geschichte ist dann doch noch gut ausgegangen“, sagt der 96-Fan und lächelt erleichtert. Mithilfe der Kampagne für Zivilcourage soll er jetzt Menschen Mut machen, genauso zu handeln wie er: mutig, aber nicht tollkühn.

„Wir haben bewusst keine Prominenten für die Aktion geworben“, sagt die Geschäftsführerin des Kommunalen Kriminalpräventionsrats, Annette Spremberg. Auch die Polizei, die City-Gemeinschaft Hannover, der Weiße Ring und die Opferhilfe Niedersachsen sind Partner im neu gegründeten „Netzwerk Zivilcourage Hannover“. „Die Kampagne sollte von Bürgern für Bürger sein“, sagt Spremberg. Aus diesem Grund habe man auch keine Mediaagentur beauftragt, die Fotos und Videos zu machen, sondern sei an die Berufsbildende Schule für Multimedia in Hannover herangetreten. Nach einem internen Wettbewerb bekamen die drei Schüler Patrick Niemann, Sheryl Ann Hartmann und Marlo Zirr den Auftrag, die Kampagne zu bebildern. „Wir haben bei dem Projekt viele Erfahrungen gesammelt, in Fotografie, Gestaltung und Videoproduktion“, berichtet Marlo Zirr und schaut sichtlich stolz auf eines seiner Plakate.

Neben jedem der sechs Alltagshelden ist eine von sechs Regeln für Zivilcourage abgedruckt, die die Polizei Bürgern an die Hand gibt (siehe Kasten rechts). „Wir erwarten keinen Heldenmut, aber jeder kann nach seinen Möglichkeiten helfend tätig werden“, sagt Polizeipräsident Axel Brockmann. Es sei wichtig, sich selbst nicht in Gefahr zu bringen, aber heutzutage habe fast jeder ein Mobiltelefon dabei, mit dem er zumindest die Polizei verständigen könnte. Der Polizeipräsident berichtet von einem Beispiel aus der vergangenen Woche in Linden. Dort hatte ein 36-jähriger Anwohner in der Nacht verdächtige Geräusche auf der Straße gehört und konnte aus seinem Fenster Fahrraddiebe beobachten. Der Mann alarmierte daraufhin die Polizei und folgte den Dieben in sicherer Entfernung. „Nur durch ihn konnten die Polizisten die beiden Männer stellen“, erzählt Brockmann.

Für die Polizei ist es außerdem wichtig, dass Beobachter von Straftaten sich als Zeugen zur Verfügung stellen. „Nur so können wir die Täter überführen und zukünftige Straftaten verhindern“, sagt der Leiter der Bundespolizeiinspektion, Peter Jördening. Im Rahmen der Kampagne für Zivilcourage verteilt die Polizei deshalb auch sogenannte Zeugenkarten, die Beobachter einer Straftat im Ernstfall als Grundlage für ihre Notizen benutzen können.

Das Netzwerk für Zivilcourage informierte gestern auch an einem Stand in der Karmarschstraße über die neue Kampagne. Mit dabei war auch Bürgermeister Bernd Strauch. „Viele Menschen würden gerne helfen, aber sie haben Angst, etwas falsch zu machen. Sie wissen nicht, wann und wie sie eingreifen können, ohne sich selbst zu gefährden. Dabei können die sechs Regeln helfen“, sagt er. Knapp 500 Plakate hat die Stadt an öffentliche Einrichtungen wie Schulen oder Bibliotheken geschickt. Außerdem liegen insgesamt 50000 Flyer in den Geschäften der Innenstadt aus, auf denen die Alltagshelden und die Regeln für Zivilcourage abgebildet sind. Zudem zeigt das Fahrgastfernsehen der Üstra zeigt die Motive.

An ihrem Stand hatten die Verantwortlichen auch eine große Pinnwand aufgestellt. An diese konnten Passanten Zettel mit einem persönlichen Statement heften. Polizeipräsident Axel Brockmann machte mit seinem Statement den Anfang: „Zivilcourage ist für mich ... die selbstverständliche Pflicht jeder Bürgerin, jedes Bürgers. Hinsehen statt Wegsehen“, stand darauf geschrieben. Bürgermeister Bernd Strauch unterstützte die Kampagne mit der Notiz: „Zivilcourage ist für mich ... in entsprechenden Situationen Verantwortung für andere zu übernehmen.“

Genauso eben, wie die sechs Alltagshelden es getan haben. Die Eventmanagerin Christina R. half einen Raubüberfall aufzuklären, der Stadtbahnfahrer Andreas K. ging gegen Rechtsradikalismus in seiner Bahn vor, die Mediengestalterin Kristina H. sprach eine Mutter an, die ihr Kind im Park geschlagen hatte, und der DJ Philipp S. half einem Betrunkenen auf der Toilette eines Clubs auf die Beine und rief einen Krankenwagen. Sie alle geben der Kampagne „Ich bin ein Held. Was ist mit dir?“ ein Gesicht.

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