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Aus der Stadt Demonstration vor Schostoks Neujahrsempfang
Hannover Aus der Stadt Demonstration vor Schostoks Neujahrsempfang
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00:16 12.01.2017
Von Andreas Schinkel
Im Rathaus wird nicht nur der tradidionelle Neujahrsempfang gegeben. Vor den Türen gibt es Protest. Quelle: Droese
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Hannover

Rund 30 Demonstranten postieren sich vor dem  Rathaus, während die ersten Gäste des Empfangs bereits die Treppe zum Eingang emporsteigen. Die Aktivisten wollen ein Zeichen setzen, Aufmerksamkeit erregen, den Zugang aber nicht komplett verhindern. Sie entrollen auf der Rathaustreppe ein Transparent, das die Ruinen einer Stadt zeigt, darunter die Aufforderung: "Stoppt den Krieg in Kurdistan". Viele Besucher gehen um das Plakat herum, andere bleiben stehen und hören den Lautsprecherdurchsagen der Protestler zu. Nach etwa 20 Minuten löst sich die Versammlung auf.

Im Neuen Rathaus feierte Oberbürgermeister Stefan Schostok mit seinen Gästen den Neujahrsempfang - davor versammelten sich linke Aktivisten, um gegen die Verwaltung zu demonstrieren.

Aus zwei Gründen protestieren die Aktivisten vor dem Neujahrsempfang. "Die Stadt Hannover schweigt zu den Verhaftungen in Diyarbakir", sagt Detlef Werner, Sprecher der Initiative. Zum anderen sei nicht hinzunehmen, dass die Stadt sich immer noch weigere, eine Gedenkmöglichkeit für den von der hannoverschen Polizei erschossenen Kurden Helim Dener zu schaffen.

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Angesichts der jüngsten Verhaftungswelle in der kurdisch geprägten Stadt Diyarbakir müsse Hannover eine kritischere Haltung, sagt Werner. Schließlich will Hannover mit Diyarbakir enge Beziehungen knüpfen. Ende vergangenen Jahres sind die beiden gewählten Bürgermeister Diyarbakirs verhaftet worden. Sie sollen für etliche Jahre im Gefängnis bleiben.

Anstatt die Vorgänge in Diyarbakri zu kritisieren, hofiere Hannovers Stadtspitze Vertreter der türkischen Regierung, meinen die Protestler vor dem Rathaus. Damit spielen sie auf einen Empfang an, den der türkische Generalkonsul Mehmet Günay Ende Oktober im Rathaus gab. Anlass war damals der türkische Nationalfeiertag. Bürgermeister Thomas Hermann (SPD) hielt eine diplomatische Rede, drückte aber auch seine Sorge über die Inhaftierung der Bürgermeister Diyarbakirs aus.

Der Kurde Halim Dener ist vor 23 Jahren auf der Flucht von einem Polizisten erschossen worden. Zwar finden jedes Jahr Demonstrationen statt, um an die Tat zu erinnern sowie die schwierigen Verhältnisse zwischen Türken und Kurden ins Gedächtnis zu rufen, doch Linksaktivisten und Kurdenverbände wünschen sich eine dauerhafte Gedenkstätte. Auch die Grünen im Rat befürworten  eine Erinnerungsstätte für den erschossenen Kurden. Passiert sei bisher aber wenig, sagen die Demonstranten vor dem Rathaus.

Ein Protestplakat vor dem Rathaus entfalten auch Mitarbeiter des Kleinen Jugendtreffs GoHin in der List. Sie wehren sich dagegen, dass ihre Räume am Hinrichsring geschlossen und in das ehemalige VHV-Gebäude verlegt wurden. "Und nun soll das VHV-Haus abgerissen werden", sagt eine Demonstrantin.

Oberbürgermeister Stefan Schostok hat am Montag zum traditionellen Neujahrsempfang ins Neue Rathaus eingeladen.