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Aus der Stadt Alba auf dem Rückzug, aha auf dem Vormarsch
Hannover Aus der Stadt Alba auf dem Rückzug, aha auf dem Vormarsch
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13:18 18.12.2012
Foto: Die geplant Zusammenarbeit von dem Abfallwirtschaftsbetrieb aha und dem Berliner Großunternhemen Alba ist gescheitert.
Die geplant Zusammenarbeit von dem Abfallwirtschaftsbetrieb aha und dem Berliner Großunternhemen Alba ist gescheitert. Quelle: dpa
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Hannover

Es ist für den Abfallwirtschaftsbetrieb aha so etwas wie die frohe Botschaft vor dem Weihnachtsfest. Wie berichtet, bleibt der komplette Auftrag für die Abfuhr der Gelben Säcke im hannoverschen Umland nun doch bei dem Regionsunternehmen, anstatt zum Berliner Großunternehmen Alba abzuwandern.

Vor einigen Monaten hatte es noch ganz anders ausgesehen: Im September war der Abfallwirtschaftsbetrieb bei der Ausschreibung des Dualen Systems Deutschlands für die Abfuhr der Gelben Säcke in den kommenden drei Jahren gescheitert – ein Auftrag mit einem Volumen von rund drei Millionen Euro schien geplatzt. Die Hannoveraner waren zu teuer. Bei der aha-Geschäftsführung und Regions-Umweltdezernent Axel Priebs herrschte schlechte Stimmung. Zum einen ging es um die Zukunft von 55 befristet Beschäftigten bei aha. Zudem wurde befürchtet, dass die verlorene Ausschreibung der Auftakt zum Angriff privater Müllentsorgungsunternehmen auf aha sein könnte. Die Privatfirmen könnten mit ihren gering verdienenden Arbeitskräften das kommunale Müllentsorgungssystem durcheinanderbringen, hieß es aus Politik und Verwaltung. Die privaten Müllentsorger seien auf der Suche nach den „Rosinen“ im Müllbereich, für die kommunalen Unternehmen bliebe dann nur die teure Entsorgung des Hausmülls.

Darauf folgten zwei wundersame Wenden: Die erste kam im November. aha teilte mit, man sei ausgerechnet von Alba gebeten worden, die Gelben Säcke im Umland auch weiterhin abzuholen – praktisch als Subunternehmer. Die höheren Kosten der aha-Abfuhr spielten dabei angeblich keine Rolle mehr.  aha war mit der neuen Situation vor allem deshalb zufrieden, weil die Müllwerker ihren  Job behalten konnten. Nun folgt die nächste Überraschung: Alba will mit den Gelben Säcken im Umland plötzlich gar nichts mehr zu tun haben und hat den Auftrag wieder an das Duale System, das für den Verpackungsmüll zuständig ist, zurückgegeben. Das Duale System wendet sich jetzt also an den zweiten Sieger der Ausschreibung - und das ist aha. Gestern nannte Alba-Sprecher Alexander Wood „wirtschaftliche Aspekte“ als Grund für die Rückgabe des Auftrages. Man wolle das „Engagement in Niedersachsen auf andere Geschäftsbereiche fokussieren“.

In der Branche kursiert der Verdacht, dass Alba befürchtet hat, die Abfuhr der Gelben Säcke selbst nicht zur Zufriedenheit organisieren zu können. Manche Branchenkenner halten das für möglich, weil der Abtransport der Säcke in den  vielen kleinen Ortschaften aufwendig ist. Dem steht allerdings das Engagement des privaten Entsorgers Remondis entgegen, der seit Jahren Altpapier in Teilen der Region einsammelt. Somit bleibt der Rückzug von Alba rätselhaft.

Sicher scheint nur, dass die zunächst geplante Zusammenarbeit von Alba und aha an kartellrechtlichen Gründen gescheitert ist. Denn im Abfallbereich dürfen nur 30 Prozent eines Auftrages an Subunternehmer weitergegeben werden. Die Verhandlungen zwischen aha und dem Dualen System über eine direkte Übernahme des Auftrags sind offenbar abgeschlossen, die Ergebnisse sollen der Regionspolitik am Montag in einer Sondersitzung des Abfallwirtschaftsausschusses präsentiert werden.

Was das für die Abfuhr der Gelben Säcke in der Landeshauptstadt Hannover bedeutet, ist noch unklar. Denn hier gilt ein anderer Vertrag. Dieser läuft in einem Jahr ab und wird deshalb im kommenden Jahr vom Dualen System neu ausgeschrieben.

von Mathias Klein

Tobias Morchner 15.12.2012
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