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Aus der Stadt "Alles Irre": Comedian Dietmar Wischmeyer im Interview
Hannover Aus der Stadt "Alles Irre": Comedian Dietmar Wischmeyer im Interview
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11:24 02.03.2013
Von Sonja Fröhlich
Dietmar Wischmeyer in der von ihm erdachten Rolle des „Kleinen Tierfreunds“  – zusammen mit dem Katta-Lemur namens Karl Hermann aus dem Serengeti-Park in Hodenhagen.
Dietmar Wischmeyer in der von ihm erdachten Rolle des „Kleinen Tierfreunds“ – zusammen mit dem Katta-Lemur namens Karl Hermann aus dem Serengeti-Park in Hodenhagen. Quelle: HAZ (Archiv)
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Hannover

Hallo Herr Wischmeyer, Ihr neues Programm heißt „Deutsche Helden“. Welcher Typus Mensch ist für Sie ein Held?

Im Wesentlichen steht er im Weg rum. Man könnte meinen, die Hauptbeschäftigung der Deutschen ist es, auf Rolltreppen rumzustehen, sich unendlich langsam im Verkehr zu bewegen, an der Supermarktkasse ewig nach der EC-Karte zu suchen. Meine Helden sind also eine eher ironische Bezeichnung - wie unsere Eltern immer gesagt haben: „Du bist aber ’nen Held!“

Ihr neues Programm basiert auf ihrem Buch mit dem Titel „Frank Bsirske macht Urlaub auf Krk“, das Sie gemeinsam mit Oliver Welke geschrieben haben. Darin porträtieren Sie 77 deutsche Helden - warum nicht 88?

Das ist eine willkürliche Zahl - und das Buch war voll. Uns wären aber locker auch 200 Helden eingefallen. Und folgt man der Politik, kommen ständig welche hinzu.

Haben Sie Lieblingshelden?

Angela Merkel und Klaus Wowereit sind solche Stereotypen, über die sich immer gut etwas machen lässt. Oder Dirk Niebel, diese Flitzpiepe, und jetzt auch noch Steinbrück - der findet tatsächlich immer noch etwas, was er draufsetzt.

Und Ihre hannoverschen Helden?

Da hat Hannover tatsächlich einige zu bieten. Ganz vorn rangieren Margot Käßmann, Gerd Schröder und Doris Schröder-Köpf. Der Wulff ist nicht mehr dabei, der ist ja schon auseinandergeschrieben. Für den Auftritt in Hannover fällt es mir jedenfalls nicht schwer, Lokalkolorit miteinzubeziehen.

Apropos: Was halten Sie von Matthias Waldraff als CDU-Bürgermeisterkandidat für Hannover?

Da hätte ich ja eher auf seinen Berufskollegen Götz von Fromberg gesetzt. Den kennen wenigstens viele - und sei es von ihren Besuchen im Steintorviertel. Seien wir ehrlich: Mit Matthias Waldraff kann doch kaum ein normaler Mensch etwas anfangen. Da muss die CDU eine Menge Aufbauarbeit leisten - um ihn in den nächsten acht Jahren bekanntzumachen. Und passt der dann noch unter die Altersgrenze?

Gibt es für Sie überhaupt Menschen, die Ihren „Helden“ nicht entsprechen?

Da gibt es die normale Biomasse: Menschen, die nicht so auffallen und deshalb nicht stören.

Dazu gehören Sie aber nicht.

Stimmt, von außen betrachtet bin ich vielfach wohl auch so ein Held. Ich versuche aber, in Situationen cool zu bleiben, in denen andere unter Stress stehen - eben an der Kaufhauskasse. Aber manchmal gelingt mir das nicht. Man ist ja ständig mit Irren konfrontiert. Das versuche ich zu kompensieren, indem ich überfreundlich bin.

Wann haben Sie sich über eine Alltagssituation so richtig geärgert?

Es ist alles ätzend. Ich stehe hier gerade auf einem Parkplatz in der Nähe von Ostfriesland. Vor mir hat sich eine riesige Schlange von Autos gebildet. Die stehen alle. Wie soll ich da jemals rauskommen? In Hannover geht das dann weiter, da ist die verrückte CeBIT mit ihren Verkehrsmaßnahmen, dann finde ich am Aegi keinen Parkplatz, und überall sind Baustellen, weil die Irren aus der Stadt einen einzigen Fahrradweg machen wollen, und …

Lassen Sie uns lieber über nette Helden sprechen. Wer sind die?

Das ist schwer. Es gibt natürlich die echten Helden des Alltags, die einschreiten, wenn jemand in der U-Bahn zusammengeschlagen wird. Die mutig sind und Verantwortung übernehmen. Bestenfalls bleiben sie anonym und wollen keine Medaille dafür.

Und prominente echte Helden?

Da fällt mir keiner ein. Es gibt zwar Prominente, die sich mit herausragenden Leistungen hervortun. Wenn man da aber ein bisschen bohrt, verblasst der Schein schnell wieder. Aber das scheint vielen Menschen nichts auszumachen. Wenn ich mir die Beweihräucherungen für den Papst anschaue, muss ich brechen.

Dann wünsche ich Ihnen eine gute, entspannte Autofahrt.

Ja, danke. Ich versuche es.

Interview: Sonja Fröhlich

Dietmar Wischmeyer gastiert mit seinem Programm „Deutsche Helden“ am Montag im Theater am Aegi. Beginn ist um 20 Uhr. Karten gibt es in den Laporte-Shops zum Preis von 22 bis 28 Euro.

Wischmeyer und Welke über ...

Die Lust am Lästern: „Frank Bsirske macht Urlaub auf Krk“ steht in den Top Ten der „Focus“-Bestsellerliste. Nichts für Zartbesaitete: Dietmar Wischmeyer und der ebenfalls aus Hannover stammende Oliver Welke über …

Angela Merkel: „Fünf Uhr früh im Kanzleramt. Merkel ist spät dran. Ein halbes Brötchen mit Stacheldrahtmarmelade und zwei kleine Schlucke aus der Essigpulle machen sie fit für den Arbeitstag.“

Gerhard Schröder: „Wenn Schröder morgens das Bad verlässt, dann ist er sicher, dass sein Bild im Spiegel noch minutenlang verharrt, ehe es erlischt.“

Doris Schröder-Köpf: „Seit sie Landtagsabgeordnete ist, achtet sie peinlich darauf, nicht mit Gerhard Putin-Köpf gesehen zu werden – auch und gerade nicht in der eigenen Wohnung.“

Bettina Wulff: „Eigenständiger Begleitservice von sich selbst.“

Frank Bsirske: „Der ver.di-Chef hat die ,Louis Vuitton’-Logos auf seinen Rollkoffern aus Rücksicht auf seine Untergebenen mit Sylt-Aufkleber verdeckt.“

Carsten Maschmeyer und Veronica Ferres: „Sie haben sich verdient. In Gedanken nennt sie ihn immer noch den alten ,Schnurres’, obwohl er sich die Rotzbremse längst abrasiert hat.“

Lena Meyer-Landrut: „Sternschnuppe des Restbürgertums.“

02.03.2013
02.03.2013