Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt An die Leine, bitte
Hannover Aus der Stadt An die Leine, bitte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 04.04.2015
Foto: Angeleint: Dieser Vierbeiner ist ab sofort in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt.
Angeleint: Dieser Vierbeiner ist ab sofort in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Quelle: Philipp von Ditfurth
Anzeige
Hannover

Über kaum etwas anders können Hundehalter und Hundelose so leidenschaftlich streiten wie über die Frage, ob Leinenpflicht sinnvoll ist. Umso ärgerlicher, dass jetzt eine Chance verpasst wurde, das Streitpotenzial zu entschärfen. Im Juni hatte eine Initiative um den Tiermediziner Prof. Ingo Nolte dem Land 13.043 Unterschriften für die Abschaffung des starren Leinengebots vorgelegt. Damals versicherte der Landwirtschafts-Staatssekretär Horst Schörshusen, das Anliegen zu prüfen.

Passiert ist seit dem Sommer: nichts. Am nächsten Mittwoch soll es nun eine Art Runden Tisch geben, bei dem die Positionen auf den Tisch kommen. „Zu spät“, findet Nolte. Mit seinen drei Mitstreitern Hilde Moennig (ehemalige Bürgermeisterin und Tierärztin), Cora Hermenau (ehemalige Staatssekretärin und neue Regionsdezernentin) und Prof. Heinz Haferkamp (Maschinenbau) hatte er gehofft, dass es noch vor Beginn der diesjährigen Brut- und Setzzeit eine Lösung gibt. Doch neun Monate lang war Stillstand.

„Schwachsinn“ nennt auch Rentner Werner Kreinacke die Regelung zur Brut- und Setzzeit, als er mit seinem Rottweiler über die Alte Bult spaziert. Nur 1,50 Meter lang darf die Leine sein - viel zu wenig Auslauf sei das für einen Hund. „Hier gibt es doch gar keine Bodenbrüter“, sagt Kreinacke und blickt sich um.

Schutz der Tiere gewährleisten

Beim Naturschutzbund (Nabu) kennt man solche Argumente von Hundehaltern. „Viele Vogelarten brüten auch auf Randstreifen, auf vegetationsarmen Flächen und in Parks“, heißt es beim Nabu. Kiebitz, Feldlerche und Nachtigall verließen fluchtartig die Brut, wenn sich ein Feind nähere. Die Jungvögel kühlten dann bei nasskaltem Wetter aus, kollabierten bei Hitze oder würden Opfer von Fressfeinden. Deshalb fordert der Nabu nicht nur, dass Halter ihre Hunde anleinen, sondern auch, dass mehr Hundeauslaufflächen ausgewiesen werden - und ist sich in dieser Forderung mit vielen Hundehaltern einig.

Leinen los?

Was Hundehalter zu Leinenzwang wissen müssen.

Insgesamt 22 solcher Flächen gibt es inzwischen in Hannover mit einer Gesamtfläche von mehr als 56 Hektar. Das entspricht der Größe von über 78 Fußballfeldern. Hinzu kommen acht Auslaufwege. Immer wieder kommt es aber zu Irritationen, weil unterschiedliche Regeln gelten. 2013 hatte die Stadt einen Hundehalter zur Geldbuße von 288 Euro verdonnert, weil er am Kronsberg einen Hund hatte laufen lassen - in einem per Schild ausgewiesenen Auslaufgebiet. Dass dort während der Brut- und Setzzeit strikter Leinenzwang gilt, war dem Mann nicht klar.

Das Bußgeld war ungewöhnlich hoch, weil der Hund sich in einer Schlammkuhle suhlte - nicht in Sichtweite. „In der Regel wird bei einem Verstoß gegen die Anleinpflicht eine Geldbuße von 70 Euro festgesetzt“, sagt Stadtsprecher Dennis Dix. Die Stadt nehme die Leinenpflicht ernst - und kontrolliere mit Parkrangern.

Gassi mit dem Rad

„Richtig so“, findet Stadtjäger Heinz Pyka: „Die Wildtiere brauchen die Natur zum Leben - Hunde und Menschen brauchen sie nicht zwangsläufig.“ Für die Gesundheit des Wildes sei ausreichend Ruhe wichtig. Pyka kritisiert die Rücksichtslosigkeit vieler Hundehalter - freilaufende Hunde seien ein Störfaktor. „Wenn jetzt die Störche brüten, halte auch ich mich von den Nestern fern“, sagt er. Die Selbsteinschätzung vieler Halter, ihre Tiere auch ohne Leine unter Kontrolle zu haben, sei falsch: Nester von Bodenbrütern seien sehr gut getarnt und daher nicht leicht zu erkennen. „Wer seinen Hund auspowern möchte, sollte ihn zum Radfahren mitnehmen“, sagt Pyka.

Mehr Freilauf? Weniger Freilauf? Die Initiative um Prof. Nolte betont, es sei nicht das Ziel, Hunde rücksichtslos auf Bodenbrüter loszulassen. „Wir wollen keine unangeleinten Hunde in Schongebieten“, sagt Nolte. Allerdings dürfe ohnehin niemand mehr in Niedersachsen einen Hund halten, der sein Tier nicht registriert und versichert habe und den sogenannten Hundeführerschein absolviert habe. „Damit hat der Besitzer gezeigt, dass er verantwortlich handeln kann“, sagt der TiHo-Professor.

Also könne man dem Besitzer zutrauen, dass er in der Lage sei, einzuschätzen, wann und wo der Hund frei laufen könne. Jährlich werde eine Million Rehe von Jägern geschossen, 200.000 gingen im Verkehr zugrunde, 60.000 durch Arbeiten in der Landwirtschaft. „Wie viele Wildtiere durch Hunde erlegt werden, dazu gibt es keine Zahlen“, sagt Nolte. Auch Hundehalterin Dedolf findet: „Erst wer auffällig geworden ist, soll eine Strafe bekommen. Wer einen Hundeführerschein hat, dem sollte ein Grundvertrauen entgegen gebracht werden.“ Und Yvonne Dröge, 74-jährige Rentnerin aus Buchholz, sagt: „Ein Hund wird aggressiv, wenn er nicht frei laufen kann.“

Bei dem Treffen im Landwirtschaftsministerium soll jetzt besprochen werden, wie es mit Niedersachsens besonders strenger Leinenpflicht weitergeht. Sprecher Manfred Böhling betont, dass das Gespräch nicht nur wegen der vielen Unterschriften zustandekomme: „Uns haben auch andere darauf hingewiesen.“ Vertreter mehrerer Ministerien, von Städtetag, TiHo und Jägerschaft, Naturschutzverbänden und vom Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) sollen teilnehmen - und angeblich auch die Einreicher der Petition. Davon wissen bislang aber weder Nolte noch Hermenau - wobei Nolte als Vertreter des VDH eingeladen ist. „Es wäre schön, wenn die Initiatoren eingeladen worden wären“, findet Hermenau: „Aber Hauptsache es geht voran. Wir wollen eine gemeinsame Lösung finden.“

Wo Hunde frei laufen dürfen

  • Toben auf der Wiese: In Hannover gibt es 22 Hundeauslaufflächen und acht -wege. Auf 20 der Flächen und auf allen Wegen dürfen Hunde ganzjährig ohne Leine laufen. Sie sind auf der Karte mit „G“ gekennzeichnet.
  • Anleinpflicht bis 15. Juli: Vom 1. April bis 15. Juli müssen Hunde im Wald und in der freien Landschaft angeleint werden. Die Anleinpflicht gilt auch in der Eilenriede, in allen Landschaftsschutzgebieten und in der Großen Heide sowie auf den Auslaufflächen im Bornumer Holz und den Auslaufflächen und -wegen am Kronsberg.
  • Ganzjähriger Leinenzwang: Hunde müssen an der Leine geführt werden im Stadtbezirk Mitte (Stadtteile Mitte, Oststadt, Zoo, Calenberger Neustadt), in Fußgängerzonen und Einkaufszentren, 50 Meter entfernt von Kindergärten und Schulen. Ebenfalls dürfen Hunde in den Eilenriedebereichen zwischen Fritz-Behrens-Allee, Bernadotte-Allee und Hohenzollernstraße nicht frei laufen. Das gilt auch für einen Großteil der Landschaftsschutzgebiete und öffentliche Anlagen wie beispielsweise Parks.

Von Sarah Franke

Mehr zum Thema

Ab Mittwoch, 1. April, gilt: Bis zum 15. Juli müssen Hunde in Wald und Flur angeleint werden. In Garbsen gilt die Anleinpflicht nicht für alle Bereiche.

01.04.2015

Ab Mittwoch gilt im Wald und in der freien Natur für Hunde wieder die Anleinpflicht - bis zum 15. Juli. Die Jägerschaft Burgdorf bittet die Hundebesitzer, sich an diese Regel zu halten - zum Schutz der Kinderstube von Hase, Reh, Rebhuhn und Fasan.

Anette Wulf-Dettmer 01.04.2015
Nachrichten Burgwedel/Isernhagen/Wedemark - Ab 1. April müssen Hunde an die Leine

Ab Mittwoch gilt in freier Landschaft die Anleinpflicht für Hunde. Doch was sagen die Hundebesitzer dazu und wie handhaben die Kommunen das Gesetz?

30.03.2015
Aus der Stadt Feuer in Hannover und Umland - Alles klar fürs Osterfeuer
Jan Helge Petri 04.04.2015
Jörn Kießler 04.04.2015
Mathias Klein 01.04.2015