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Aus der Stadt In Hannover herrschte am 8. Mai bereits Frieden
Hannover Aus der Stadt In Hannover herrschte am 8. Mai bereits Frieden
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00:15 11.05.2015
Von Simon Benne
Feldmarschall Wilhelm Keitel, Oberkommandierender der Wehrmacht (1938-45), unterschreibt in Berlin-Karlshorst die Kapitulations-Urkunde der deutschen Wehrmach. Quelle: dpa
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Hannover

„Der Kuckuck rief zum ersten Mal in den Moorwäldern.“ Das notierte der Schriftsteller Ernst Jünger am 8. Mai 1945 in Kirchhorst in seinem Tagebuch. „Abends waren wir zum ersten Male seit sechs Jahren ohne Verdunkelung“, schrieb er: „Das ist immerhin eine bescheidene Verbesserung für uns an einem Tage, an dem Siegesfeiern in allen Hauptstädten der Verbündeten von New York bis Moskau strahlen, während der Besiegte ganz tief im Keller sitzt, mit verhülltem Gesicht.“

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Zur Themenseite: Als der Frieden nach Hannover kam.

Heute steht der 8. Mai für eine epochale Wende. Doch damals maß selbst der am Weltgeschehen interessierte Intellektuelle Jünger dem Datum keine allzu große Aufmerksamkeit bei. Er hatte seinen 8. Mai schon am 11. April erlebt, als er in Kirchhorst aus dem Fenster sah und „langsam, wie ein Augentrug, ein grauer Panzerwagen mit leuchtendweißem Stern“ vorbeifuhr. Die Amerikaner. „Von einer solchen Niederlage erholt man sich nicht wieder wie einst nach Jena oder nach Sedan“, schrieb Jünger erschüttert: „Sie deutet eine Wende im Leben der Völker an.“

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Von der Schicksalhaftigkeit, die das Symboldatum des 8. Mai heute umweht, war in Hannover wohl wenig zu spüren. Die Herrschaft der Alliierten war hier schon einen Monat alt; das Geschick der Nation und das persönliche Geschick fielen für die meisten Hannoveraner an diesem Tag nicht in eins. Während Deutschland kapitulierte, erwachte in Hannover das politische Leben bereits neu. Der Sozialdemokrat Kurt Schumacher, gezeichnet von der NS-Haft, war zu seiner Schwester gezogen, die in Hannover lebte. Die Stadt wurde so in den kommenden Jahren zu einem zentralen Ort der Sozialdemokratie.

Schon am 6. Mai kam es unter Schumachers Federführung zur Wiedergründung eines sozialdemokratischen Ortsvereins. Am Tag danach berieten Schumacher und einige Genossen über die Neuorganisation der SPD. Doch als Oberbürgermeister Gustav Bratke am 8. Mai beim britischen Stadtkommandanten vorfühlte, wann Parteien offiziell wieder zugelassen würden, bügelte dieser das Ansinnen ab: „Auf absehbare Zeit werden sie nicht gestattet.“ Zu groß war das Misstrauen der Alliierten gegenüber politisch aktiven Deutschen.

Der Verleger Erich Madsack nahm an jenem 8. Mai schon die Zukunft in den Blick: Er diktierte einen langen Brief an die Militärregierung, in dem er um die Lizenz zur Herausgabe einer Zeitung bat. Die Alliierten hielten ihn jedoch lange hin: Die erste Ausgabe der HAZ erschien erst 1949.

Weit nördlich, im schleswig-holsteinischen Nübel, wurde der 8. Mai für einen Hannoveraner dann doch zum Schicksalsdatum: Bernhard Rust war bis 1940 Gauleiter gewesen. Obwohl Goebbels in ihm einen „absoluten Hohlkopf“ sah, wurde Rust Reichsbildungsminister. Am 8. Mai erschoss er sich in Nübel. In Hannover wurde der Rustplatz zu diesem Zeitpunkt schon wieder bei seinem alten Namen genannt: Georgsplatz.

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