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Aus der Stadt Kein Tanz nach Mitternacht
Hannover Aus der Stadt Kein Tanz nach Mitternacht
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00:15 27.03.2016
Von Jörn Kießler
Licht an, Musik aus: In einer Disco in Hannover stehen auf der Tanzfläche Hocker und Tische. An Karfreitag ist es offiziell verboten zu tanzen.
Licht an, Musik aus: In einer Disco in Hannover stehen auf der Tanzfläche Hocker und Tische. An Karfreitag ist es offiziell verboten zu tanzen. Quelle: Alexander Körner
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Hannover

Nicht einmal eine Woche nach der Eröffnung seines Clubs an der Weißekreuzstraße hat Christian Haas bereits Ärger. „Wegen eines vollkommen veralteten Gesetzes bezahle ich jetzt 100 Euro für nichts“, sagt der Betreiber des neuen Casa Blanca. „Ich hatte vergessen, dass an diesem Freitag Karfreitag ist - und hatte für Donnerstagabend einen Discjockey engagiert“, sagt der 47-Jährige. Doch weil der Karfreitag als sogenannter stiller Feiertag gilt, musste Haas dem DJ absagen - „und die Hälfte der Gage trotzdem zahlen“. Ab Mitternacht gibt es nun „nur noch Berieselungsmusik“.

Doch auch Gastronomen mit jahrelanger Erfahrung lässt das Thema Tanzverbot nicht kalt. „Das Gesetz ist vollkommen veraltet“, sagt Martin Polomka, Betreiber des Palo Palo am Raschplatz. „Die meisten Menschen wissen nicht mal, warum es überhaupt ein Verbot gibt.“ Statt den Betreibern zu verbieten, in ihren Clubs und Discos tanzbare Musik zu spielen, solle das Land über ein Spendensystem nachdenken. „Würde es nicht viel mehr dem Geist Osterns entsprechen, wenn wir ganz normal öffnen könnten und dafür einer gemeinnützigen Organisation einen Teil der Einnahmen spenden würden?“, fragt Polomka.

Für ihn sei es „gefühlt sicher das 15. Ostern, das ich als Gastronom mitmache“, sagt er. „Nachdem wir immer wieder Diskussionen mit Gästen hatten, die nichts mit Ostern am Hut haben und am Karfreitag bei uns im Club standen und tanzen wollten, öffnen wir an diesem Tag gar nicht mehr“, sagt Polomka. Stattdessen öffnet das Palo Palo jetzt am Donnerstag, jedoch ist die Tanzfläche dann mit Stehtischen bestückt, und es läuft nur leise Musik im Hintergrund.

Ganz offiziell heißt es im Niedersächsischen Feiertagsgesetz: „Am Karfreitag sind Veranstaltungen in Räumen mit Schankbetrieb, die über den Schank- und Speisebetrieb hinausgehen, verboten.“ Gezielt kontrolliert wird das aber nicht. Die Stadt überprüft nach eigener Aussage aber bereits im Vorfeld im Internet, welche Clubs und Discos Tanzveranstaltungen in der Nacht zu Freitag anbieten. In diesem Jahr waren das nach Informationen von Stadtsprecherin Anne Ruhrmann etwa 40. „Sofern Veranstaltungen beworben wurden, wurden die Betreiber schriftlich auf die Regelungen des Feiertagsgesetzes hingewiesen“, sagt sie. Auf Bitten der Stadt leistet die Polizei im Rahmen des gewöhnlichen Streifendienstes Amtshilfe und wirft einen Blick auf die Clubs und Discos. Das Gesetz sei den meisten Gastronomen ohnehin schon lange bekannt und werde beachtet. Entsprechend wurde im Jahr 2015 kein Verstoß festgestellt, im Jahr zuvor war es nur einer.

Daniel Alexander Schacht 27.03.2016
Andreas Schinkel 27.03.2016
24.03.2016