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Aus der Stadt Amazon baut großes Logistikzentrum bei Hannover 
Hannover Aus der Stadt Amazon baut großes Logistikzentrum bei Hannover 
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00:18 17.01.2018
So könnte es aussehen: Entwurf der Unternehmensgruppe Baum für das Logistikzentrum an der Autobahn bei Garbsen. Quelle: Unternehmsgruppe Baum
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Hannover/Garbsen

Bisher unterliegt alles der Geheimhaltung: Westlich von Hannover beginnt der Bau eines riesigen Sortierzentrums für den Internetgiganten Amazon. Die Investition soll nach HAZ-Informationen mindestens 50 Millionen Euro betragen.Entwickler ist die hannoversche Unternehmensgruppe Baum. Eine offizielle Bestätigung gibt es noch nicht: Amazon ist börsennotiert und muss zunächst die Aktionäre informieren. „Wir geben keine Stellungnahme ab, weil Amazon noch keine Ankündigung veranlasst hat“, sagt Anette Nachbar, Sprecherin von Amazon Deutschland

Hier ist zu sehen, wie das Baufeld an der A2 für Amazon vorbereitet wird.

Der Internethandel wächst enorm, Amazon stellt weltweit seine Transportkonzepte um. Zusätzlich zu den elf deutschen Logistikzentren, in denen Waren nach der Bestellung verpackt werden, errichtet das Unternehmen an Knotenpunkten sogenannte Sortierzentren, in denen die Pakete nach Postleitzahlen umsortiert und auf Lkw von DHL, Hermes und anderen verladen werden. Das soll in Garbsen im Fünfschichtbetrieb geschehen, gearbeitet wird rund um die Uhr und auch an Wochenenden. 

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Die neue Amazon-Logistikstrategie unter dem Titel „europäisches Fulfillment-Network“ sieht vor, dass die Sortierzentren wiederum kleinere, regionale Amazon-Verteilzentren beliefern, in denen dann für die Auslieferung auf kleinere Transporter umgeladen wird. In Krefeld wurde im vergangenen Jahr das erste deutsche Amazon-Sortierzentrum eröffnet: In der Spitze werden dort täglich 200.000 Pakete umgepackt, in starken Wochen bis zu einer Million.

Der hannoversche Unternehmer Gregor Baum hatte das 128 000 Quadratmeter große Ackergelände direkt gegenüber der A2-Abfahrt Garbsen 2014 aus der Insolvenzmasse des Internethändlers Netrada gekauft. Auf Baums Wunsch hin war damals der Bebauungsplan geändert worden: Statt 9,50 Metern wollte er 13 Meter Hallenhöhe für den Komplex. Im Ortsrat Garbsen hatte es heftige Diskussionen über das geplante Großprojekt gegeben, obwohl bislang der Name Amazon noch gar nicht im Gespräch war. Die Kommunalpolitiker monierten, dass zuviel Platz für zuwenig neu zu schaffende Arbeitsplätze verschwendet wurde. Am Ende gab es aber dann doch Zustimmung zu den Plänen. Dem Vernehmen nach ist jetzt bereits eine Teilbaugenehmigung erteilt worden, die Arbeiten haben sichtbar begonnen. Baums Sprecherin Friderike Weiss wollte das aktuelle Projekt wegen vereinbarter Vertraulichkeit nicht kommentieren, verwies aber für mögliche Stellungnahmen auf Amazon

Auch Garbsens Bürgermeister Christian Grahl sagt nichts zu der Ansiedlung – betont aber, dass die Fläche optimal für Logistikbetriebe geeignet sei. „Sie liegt direkt am Autobahnanschluss, die Lkw aus Fahrtrichtung Hannover oder Berlin können das Gelände problemlos erreichen.“ Aus Fahrtrichtung Westen aber, also aus dem Ruhrgebiet, müssen die Transporter an der Autobahnratsstätte abfahren und dann ein stückweit durch Altgarbsen fahren. Dort befinden sich überwiegend Firmengebäude, aber zum kleinen Teil auch Wohnhäuser. 

In Krefeld ist die Mitarbeiterzahl im Herbst von 250 auf etwa 350 aufgestockt worden. Dem Vernehmen nach soll die Zielzahl am neuen Standort in Garbsen deutlich höher liegen. Amazon ist als Arbeitgeber nicht unumstritten, weil als Arbeitskräfte Mitarbeiter von Leiharbeitsfirmen beschäftigt werden, die nur knapp über dem Mindestlohn bezahlt werden. Anfangs verdienen sie 10,52 Euro die Stunde, nach Firmenangaben kann man sich nach zwei Jahren auf bis zu 2699 Euro Monatsbrutto steigern. Im neu eröffneten Logistikzentrum in Winsen (Luhe), wo der Stundenlohn etwas höher ist, nimmt zudem die Automatisierung stark zu, dort klagen Gewerkschaften, dass Mitarbeiter zunehmend unter Druck stünden, dem Rhythmus der Maschinen zu folgen. Andererseits sind Arbeitsplätze vor allem auch für gering Qualifizierte in Ballungsräumen hochwillkommen. 

Wann das neue Sortierzentrum in Betrieb gehen soll, will Amazon in Kürze bekanntgeben.

Von Conrad von Meding