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Aus der Stadt Nach Krankenhausaufenthalt: „Wie will ich weiterleben?“
Hannover Aus der Stadt Nach Krankenhausaufenthalt: „Wie will ich weiterleben?“
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07:46 28.06.2017
Von Jutta Rinas
„Der Bedarf ist riesig“: Die Initiatoren Clementine Haupt-Mertens und Ulrich Tietze suchen Helfer. Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

Krankheit kann einsam machen. Das ist umso schwerwiegender, wenn ein Patient mit einer schweren Erkrankung nach einem Klinikaufenthalt nach Hause kommt – und niemanden vorfindet, mit dem er reden kann. Zumal, wenn es zum Beispiel bei Krebs, nach einem Schlaganfall oder nach einem Herzinfarkt darum geht, eine neue Perspektive, einen anderen Blick auf das eigene Leben zu finden. In solchen Fällen hilft in Hannover ein Anfang 2015 gestartetes Pilotprojekt, das bislang bundesweit einzigartig ist.

Patienten werden früh entlassen

„Gute Seele“ heißt der ambulante Seelsorgedienst. Er ist im zu Diakovere gehörenden Henriettenstift angesiedelt – und wird vom Innovationsfonds der Evangelischen Landeskirche unterstützt. Er ist nach Angaben der beiden Initiatoren, der Pastoren Clementine Haupt-Mertens und Ulrich Tietze, besonders wichtig, weil Patienten immer schneller nach Hause entlassen werden. „Ambulantisierung“ nennt man dieses Phänomen unter Fachleuten – für viele Patienten bedeutet das, dass sie immer häufiger mit Fragen allein sind, die ihr künftiges Leben mit der Krankheit betreffen.

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„Gute Seele“ bietet in dieser Situation Gespräche an – und sucht für das Projekt jetzt neue ehrenamtliche Mitarbeiter. Wer mitmachen möchte, kann sich bis einschließlich Freitag, 30. Juni, unter der E-Mail-Adresse: ambulanter.seelsorgedienst@diakovere.de melden. Es gehe nicht um rein organisatorische Fragen, die den Haushalt, einen Pflegedienst oder das Essen betreffen. Vielmehr solle es Zeit geben für Neuorientierung, kostenfrei und unabhängig von Konfession und Religion, sagt Clementine Haupt-Mertens. 30 Jahre hat sie in München gearbeitet, bevor sie in Hannover den ambulanten Seelsorgedienst ins Leben rief. Im Zentrum stehe die Frage: „Wie will ich weiterleben?“

Ehrenamtliche Helfer gesucht

„Der Bedarf ist riesig“, sagt Ulrich Tietze, der früher Gefängnisseelsorger in der JVA Hannover war. Den Dienst in Anspruch zu nehmen erfordere aber auch Mut: „Viele Patienten haben anfangs die Sorge, sie müssen ihrem Gesprächspartner ein perfektes Leben vorleben. Darum geht es gerade nicht.“

Patienten zwischen knapp 30 und 95 Jahren haben die Dienste von „Gute Seele“ bislang in Anspruch genommen. Entsprechend wünschen sich die beiden Pastoren als Ehrenamtliche Männer und Frauen zwischen 25 und 75 Jahren, Menschen, die einfühlsam und lebenserfahren sind, verschwiegen – und auch dazu in der Lage, einen Patienten nach drei, vier Besuchen wieder allein zu lassen. Die Ehrenamtlichen bei „Gute Seele“ werden geschult: Am Sonnabend,
12. August, ist ein Einführungstag. Danach geht es an vier Abenden bis zum Abschlusstag am 23. September weiter.

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