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Aus der Stadt Mann muss Notdurft in Eimer verrichten
Hannover Aus der Stadt Mann muss Notdurft in Eimer verrichten
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08:02 23.12.2014
Von Michael Zgoll
Das Amtsgericht Hannover hat einem Ehepaar für eine verunglückte Urlaubsreise eine Erstattung von 743 Euro zugebilligt. Quelle: Symbolbild
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Hannover

Weil der Mann mit seinem Rollstuhl somit weder Dusche noch Toilette erreichen konnte, musste seine Körperpflege außerhalb der Nasszelle stattfinden. Auch blieb ihm nichts anderes übrig, als seine Notdurft in einen Eimer zu verrichten. Richter André Wilkening nannte den Umstand, dass der Urlauber Dusche und Toilette nicht nutzen konnte, schwerwiegend und kaum zumutbar.

Das Ehepaar aus Andernach hatte die Kanaren-Reise gemeinsam mit einer Begleitperson für die zweite Februarhälfte 2014 gebucht. Der Preis: 7453 Euro. Vor der Buchung im Reisebüro füllte die Frau einen „Fragebogen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen“ aus. Dort gab sie an, dass sie ein behindertengerechtes Hotelzimmer wünsche und dass man im Bad zwischen Toilette und Wänden mindestens zweimal 30 Zentimeter freien Platz für einen Rollstuhl benötige.

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Doch dann gab es eine Panne. Offenbar teilte die Tui dem Reisebüro mit, dass ein behindertengerechtes Zimmer nicht verfügbar sei – doch diese Info erreichte die Kunden nicht. So waren die Urlauber wie vor den Kopf gestoßen, als sie das Hotelzimmer inspizierten. Eine sofortige Reklamation hatte keinen Erfolg: Es gab keine rollstuhlgerechte Unterkunft.

Eine Erstattung von zehn Prozent des Reisepreises lehnte die Tui später jedoch ab. Dem Ehepaar sei schließlich nicht ausdrücklich bestätigt worden, dass das gebuchte Zimmer behindertenfreundlich sei. Auch ein Vergleichsangebot von 600 Euro schlug der Konzern aus, sodass Richter Wilkening entscheiden musste.

Nach seiner Ansicht war klar, dass die Urlauber von einer rollstuhlgerechten Einrichtung ihrer Unterkunft ausgegangen waren – sonst hätten sie die Reise sicher nicht angetreten. Niemand würde es auf sich nehmen, seine Notdurft zwei Wochen lang in einen Eimer zu verrichten. Wilkening ließ auch durchblicken, dass er eine zehnprozentige Minderung des Reisepreises für sehr gering erachtet. Weil die Kläger aber nicht mehr als 743 Euro gefordert hatten, durfte er auch keine höhere Erstattung gewähren.

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