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Aus der Stadt Eintragung eines dritten Geschlechts abgelehnt
Hannover Aus der Stadt Eintragung eines dritten Geschlechts abgelehnt
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20:48 21.10.2014
Von Michael Zgoll
Foto: Die „Kampagne Dritte Option“ setzt sich für sexuelle Gleichberechtigung ein.
Die „Kampagne Dritte Option“ setzt sich für sexuelle Gleichberechtigung ein. Quelle: dpa (Archiv)
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Hannover

Laut Geburtsurkunde ist Vanja eine Frau. Allerdings sieht sie aus wie ein Mann – und möchte in keine der beiden Kategorien eingeordnet werden. Doch am Mittwoch hat Vanja vor dem Amtsgericht Hannover eine Niederlage erlitten. Richterin Gudrun Eichloff-Burbließ wies den Antrag der 25-Jährigen ab, ihre Geschlechtsangabe urkundlich in „inter“ oder „divers“ abändern zu lassen.

Die Richterin verwies auf das Personenstandsgesetz; dort ist in Paragraf 22 lediglich die Möglichkeit des Weglassens vermerkt: „Kann das Kind weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden, so ist der Personenstandsfall ohne eine solche Angabe in das Geburtenregister einzutragen.“ Diesen – nur Kinder betreffenden – Passus gibt es erst seit November 2013, als eine vom Bundestag beschlossene Gesetzesänderung in Kraft trat. Die Wahlmöglichkeit „ohne Angabe“ wurde geschaffen, weil der Deutsche Ethikrat 2012 den Zwang zur Festlegung des Geschlechts auf „männlich“ oder „weiblich“ als „nicht zu rechtfertigenden Eingriff in das Persönlichkeitsrecht und das Recht auf Gleichbehandlung“ von Hermaphroditen gewertet hatte. Dem Vorschlag des Ethikrates, die Formulierung „anderes Geschlecht“ als Option vorzugeben, mochte die Bundestagsmehrheit jedoch nicht folgen; insofern sehen Kritiker die Reform als halbherzig an.

Die 25-jährige Vanja – mit Bart und kurzen Haaren eher männlich wirkend  hatte versucht, beim Gehrdener Standesamt „inter“ oder „divers“ in die Geburtsurkunde eintragen zu lassen. Doch laut Auskunft der Stadt Hannover können Erwachsene ihr Geschlecht nicht nachträglich ändern lassen. So landete der Fall aus Gehrden beim Amtsgericht. Dies lehnte den Antrag ab, ließ lediglich eine Beschwerde beim Landgericht zu. Nach Ansicht von Presserichter Jens Buck ist es aber nicht Sache der Justiz, über eine Benennung des dritten Geschlechts zu befinden: „Das ist eine politische Entscheidung, die vom Parlament zu treffen ist.“

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