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Aus der Stadt Griechischer Wirt hinterzieht Steuern
Hannover Aus der Stadt Griechischer Wirt hinterzieht Steuern
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00:22 16.01.2016
Von Michael Zgoll
Das Amtsgericht Hannover hat einen griechischen Wirt aus Hannover schuldig gesprochen.
Das Amtsgericht Hannover hat einen griechischen Wirt aus Hannover schuldig gesprochen. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Der Gastronom hatte dem Finanzamt im Laufe der Jahre 2007 bis 2011 Steuern in Höhe von 368 000 Euro vorenthalten: Körperschafts-, Gewerbe-, Umsatz- und Einkommensteuer in insgesamt zehn Fällen. Das griechische Lokal ging 2014 pleite, wird nun aber von einer entfernten Verwandten des Wirts weiterbetrieben. Er selbst hat Privatinsolvenz angemeldet.

Der Gastronom mit griechischen Wurzeln lebt schon seit mehr als 40 Jahren in Deutschland, bereitet seit 25 Jahren griechische Spezialitäten zu. Spät startete er in die Selbstständigkeit, schnell aber verschrieb er sich der doppelten Buchführung. So setzte sich der Wirt nach Geschäftsschluss gerne ins Büro und stornierte Belege über die am Vortag getätigten Umsätze. Ein reguläres Kassenbuch führte er nicht, listete jedoch handschriftlich die tatsächlichen und die heruntergerechneten Tageseinnahmen auf. Das ging einige Jahre gut – bis Finanzbeamten im Vorfeld einer Betriebsprüfung auffiel, dass die Umsätze in dem Traditionslokal deutlich niedriger ausfielen als in vergleichbaren Gaststätten. Im Herbst 2013 wurden die Geschäftsräume durchsucht; dabei übergab der Gastronom den Ermittlern freiwillig das Ringbuch, in dem die wirklichen und die vorgeblichen Umsätze aufgeführt waren. Der Rest war Routine, ein Steuerstrafverfahren wurde in Gang gesetzt.

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass der Fiskus den weitaus größten Teil der Steuerschulden abschreiben muss. Lediglich 18 000 Euro hat der Familienvater bislang ans Finanzamt nachgezahlt, und viel mehr wird es wohl auch nicht mehr werden. Derzeit erzielt der 58-Jährige, der erkrankt ist und als Teilzeitkoch arbeitet, nur noch ein Monatseinkommen von rund 1000 Euro. Hinzu kommt, dass das Gericht ihm auferlegt hat, eine Geldbuße von 4800 Euro zu zahlen – in monatlichen Raten von je 100 Euro.

Für den bislang nicht vorbestraften Angeklagten, urteilte Amtsrichter Süßenbach, hätten seine Aufklärungsbereitschaft und das frühe Geständnis gesprochen. Eher negativ aber sei sein späteres Verhalten zu werten. So habe der Gastronom im späteren Verfahren fast schon gleichgültig gewirkt, habe im Zuge der Hauptverhandlung auch keine echte Reue an den Tag gelegt. Und von ernsthaften Anstrengungen, den Schaden wieder gut zu machen und die Steuerschuld maßgeblich zu tilgen, könne auch keine Rede sein. Dass der 58-Jährige und seine Ehefrau es schaffen werden, die stolze Restsumme von 350.000 Euro zu erwirtschaften – daran mag tatsächlich niemand glauben.

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