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Hannover Aus der Stadt Hier steht's still
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00:15 21.02.2014
Von Bernd Haase
Foto: Wegen eines technischen Defekts nicht nutzbar: ein Aufzug am Hauptbahnhof Hannover.
Wegen eines technischen Defekts nicht nutzbar: ein Aufzug am Hauptbahnhof Hannover. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Für Bahnreisende, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, einen Kinderwagen oder schweres Gepäck dabei haben, sind Fahrten in der Region Hannover derzeit häufig kein Vergnügen. Seit einigen Monaten häufen sich Fälle, in denen Aufzüge zu den Gleisen nicht funktionieren. Betroffen sind vor allem S-Bahn-Stationen, manchmal aber auch die Aufzüge zu den Gleisen im Hauptbahnhof Hannover. Die Bahn nennt zwei Gründe: Zum einen macht ihr veraltete Technik zu schaffen, die störanfällig ist und bei der sich die Ersatzteilbeschaffung hinzieht. Zum anderen häufen sich Vandalismusschäden.

Fast vier Monate war beispielsweise der Aufzug in der Station Linden/Fischerhof nicht nutzbar. Für Pendler Klaus Ritzheim, der wegen eines eingeklemmten Nervs nicht gut laufen, aber dafür Fahrradfahren kann, bedeutete das täglich einen großen Umweg auf dem Weg von und zur Arbeitsstelle im Hotel Bischofshol. Statt einer kurzen Fahrt vom Fischerhof zum Bismarckbahnhof – „auch dort ist der Aufzug ständig kaputt“, sagt er – musste er den langen Weg mit der Stadtbahn über die Innenstadt nach Bischofshol nehmen. Das bedeutete eine halbe Stunde mehr Zeit für jeden einzelnen Weg.

Immerhin: Ritzheim kann sich jetzt wieder etwas mehr Zeit lassen. Der Aufzug in Linden funktioniert seit vergangenem Wochenende wieder. Stand gestern Nachmittag waren andererseits die Fahrstühle zu den Gleisen 8 und 9 im Hauptbahnhof, an der Karl-Wiechert-Allee, in der Nordstadt und in Seelze-Dedensen/Gümmer defekt.

Im Durchschnitt sind die Aufzüge an den insgesamt 74 Haltestellen im 
 S-Bahn-Netz der Region knapp 15 Jahre alt. „Die Technik befindet sich bedingt durch Alter, Bauart und Witterung in einem Zustand, der trotz Wartung und Instandsetzung zu erhöhten Ausfallzeiten führt“, sagt ein Bahnsprecher. Teilweise hätten die Hersteller Ersatzteile nicht mehr im Programm. „Dann müssen wir die Aufzüge umbauen oder auf Bauteile anderer Hersteller umrüsten. Das erfordert erhöhten Planungs- und Zeitaufwand“, erklärt der Bahnsprecher. Auch den Komplettaustausch schrottreifer Aufzüge hat es schon gegeben, etwa im Hauptbahnhof Hannover.

Defekte Aufzüge sind für Nutzer schon zur Falle geworden; ein entsprechender Fall ereignete sich etwa in Seelze-Letter, als ein 20-jähriger Mann in der Nacht zwei Stunden lang festsaß. Erst die Feuerwehr befreite ihn mit einem Spreizer. Was den jungen Mann aus seiner misslichen Lage rettete, war für den Aufzug schlecht. Dieser musste danach eine Zeit außer Betrieb genommen werden.

Wer in Not gerät, darauf weist die Bahn mit Aufklebern hin, soll in Zukunft grundsätzlich mit der Sicherheitszentrale des Unternehmens Kontakt aufnehmen. Die schickt dann geschulte Monteure, die die Technik wieder in Gang bringen sollen, ohne sie zu zerstören.
Ein anderes Thema sind die sich häufenden Vandalismusschäden. Das beginnt bei Verunreinigungen – nicht selten werden die Aufzugkabinen als Toilette für Mensch oder Hund missbraucht. Es endet bei der mutwilligen Zerstörung von Glasscheiben, der Beleuchtung oder der Steuerungstechnik.

Diese Umtriebe will die Bahn zum einen mit einer Kommunikationskampagne, zum anderen mit einem eher unkonventionellen Konzept eindämmen. „Wir testen seit zwei Jahren optisch ansprechende Beleuchtungen der Aufzugsschächte“, berichtet der Bahnsprecher. Gewonnene Erkenntnisse besagen, dass farbiges Licht die Häufigkeit von Vandalismus zumindest an einigen Stationen vermindert hat und sich „grundsätzlich positiv auf den pfleglichen Umgang mit den Anlagen auswirkt.“

Auch die Üstra muss reparieren

Bei den Stadtbahnen der Üstra müssen die Fahrgäste in den kommenden Tagen ebenfalls improvisieren, wenn sie bestimmte Aufzüge nutzen wollen. Betroffen sind die Stationen Schlägerstraße, Geibelstraße und Altenbekener Damm der Linien 1, 2 und 8 sowie die Station Lister Platz, in der die Linien 3, 7 und 9 verkehren. „Es sind keine Notfälle. Die Aufzugseile müssen in regelmäßigen Abständen erneuert werden“, sagt ein Unternehmenssprecher.

Die Arbeiten beginnen an den Stationen der Linie 1, 2 und 8 in Fahrtrichtung Hauptbahnhof und dauern bis zum 25. Februar. Es folgen zwischen dem 26. Februar und dem 4. März die Aufzüge am Lister Platz, wo beide Fahrtrichtungen betroffen sind. Über die genauen Ausfallzeiten einzelner Fahrstühle informiert die Üstra über Aushänge und im Internet.

Vandalismus kennt auch die Üstra, wenn auch das Ausmaß kleiner ist als an den S-Bahn-Stationen. Daneben gibt es Fälle von Dummheit und Übermut. Kürzlich wollte eine Gruppe testen, wie viele Menschen in einen Aufzug passen. Die Türen schlossen und blockierten dann, weil das zulässige Gesamtgewicht überschritten war. Die Feuerwehr musste die Gruppe befreien und zwei Mitglieder wegen akuter Atemnot ins Krankenhaus bringen.

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