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Aus der Stadt Angebliche Keks-Diebe geben TV-Interview
Hannover Aus der Stadt Angebliche Keks-Diebe geben TV-Interview
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11:03 15.02.2013
Quelle: Thomas
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Hannover

Der Krümelmonster-Klamauk um den gestohlenen Leibniz-Keks treibt immer skurrilere Blüten. Am Donnerstag strahlte das Fernsehmagazin „RTL Explosiv“ ein Interview mit vier angeblichen Tätern aus. Deren etwas dümmliches Auftreten allerdings erinnerte nicht im Entferntesten an die Pfiffigkeit, mit dem die Keksklau-Inszenierung selbst ein weltweites Medienecho ausgelöst hatte. Auch die Polizei hat Zweifel an der Echtheit des Berichts, sie will das Material in den nächsten Tagen prüfen.

Das "Krümelmonster" stahl im Januar 2013 den Keks vom Bahlsen-Stammhaus. Die ganze Affäre zum Nachlesen.

Auf einem Sofa präsentierten sich die vier angeblichen Täter komplett vermummt, einer im Krümelmonster-Kostüm. „Wie ein riesiges Spielzeug“ sei ihnen der Keks vorgekommen, sagt einer zur Begründung des Spektakels: „Es glänzte, und sowas will man einfach haben.“ In typischer „RTL“-Manier wurden Aufnahmen gezeigt, die demonstrieren sollten, wie die Keksdiebe sich auf ihre Aktion vorbereitet hatten. „In einer brachliegenden Ruine irgendwo in Deutschland“ hätten die junge Männer Abseiltechniken und schnelles Flüchten gesucht, heißt es geheimnisvoll im Beitrag. Der Drehort allerdings ist offensichtlich die Conti-Ruine in der Wasserstadt Limmer, und dass sich die Täter abseilen mussten, um an den Keks zu kommen, ist neu. Bisher ging die Polizei davon aus, dass als Tatinstrument eine handelsübliche Leiter gedient habe.
RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer sagte am Abend, der Sender sei sicher, dass das Material authentisch sei. Immerhin hätten die jungen Männer Bewegtbilder von sich mit dem Keks kurz vor der Rückgabe präsentieren können, von denen RTL aber nur einen Mini-Ausschnitt zeigte; zudem hätten sie das Original des ersten Erpresserbriefs vorgezeigt. Tatsächlich war der erste Brief bei Bahlsen und der HAZ nur in Kopie eingegangen. Das angebliche Originaldokument gehört zu den Gegenständen, die die Polizei gerne überprüfen würde. Die Sendung sei mitgeschnitten worden, um das Material zu sichern, sagte Polizeisprecherin Anja Gläser. Die Auswertung übernähmen nun die Beamten, die seit dem Beginn von „Krümel-Gate“ mit dem Fall befasst sind.

„RTL“ selbst will zur Entstehungsgeschichte des Beitrags nichts sagen. Offenbar hat eine Agentur das Filmchen gedreht und exklusiv an den Sender verkauft.

Tausende Haushalte in Norddeutschland konnten den skurrilen Beitrag übrigens gar nicht sehen. Während der Sendezeit von „RTL Explosiv“ wird das Regionalfenster „RTL Nord“ ausgestrahlt. Dort liefen statt des Krümelmonsterbeitrags Nachrichten etwa über den Fleischskandal. Die Regionalredaktion in Hannover wusste über den Beitrag zu dem Zeitpunkt noch nichts: „Wir sind selbst gespannt“, hieß es im Medienzentrum Hannover nur.

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