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Aus der Stadt Anklage: „Sie durfte keine Freier ablehnen"
Hannover Aus der Stadt Anklage: „Sie durfte keine Freier ablehnen"
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21:12 10.08.2012
Von Sonja Fröhlich
Seit Freitag steht der 45-jährige Daniel Z. vor Gericht. Er soll zwei Frauen aus Rumänien verschleppt, vergewaltigt und sie zur Prostitution gezwungen haben. Quelle: dpa (Symbolfoto)
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Hannover

Seit Freitag muss sich der Angeklagte vor dem Landgericht Hannover verantworten. Laut Staatsanwaltschaft hat die 16-jährige Consuela Z. im vergangenen Februar ein regelrechtes Martyrium erlebt. Der Angeklagte soll das Mädchen in ihrem rumänischen Heimatort unter einem Vorwand in sein Auto gelockt haben. Er habe sie mit dem Personalausweis seiner 19-jährigen Nichte ausgestattet und unter Drohungen, er würde ihren Freund töten lassen, zunächst in das Bordell „Partytreff“ in Osnabrück und später in den „Pauschalclub Exzess“ (heute „Totalclub Hannover“) nach Hannover-Misburg gebracht, wo er sie bis zu ihrer Befreiung am 23. Februar zur Prostitution gezwungen haben soll. Die Anklägerin: „Er nutzte die hilflose Lage der Minderjährigen aus, die ohne Orts- und Sprachkenntnisse und ohne Bargeld in ein fremdes Land verschleppt wurde.“

So habe sie gegen ihren Willen täglich von 11 Uhr morgens bis 3 Uhr nachts Freier empfangen müssen. Das Mädchen hatte gegenüber der Polizei angegeben, bis zu 25 Männer täglich bedient zu haben – am Wochenende doppelt so viele. „Sie durfte keine Freier ablehnen“, so die Staatsanwältin, sonst habe er sie geschlagen. Den Verdienst von täglich 100 Euro habe sie stets komplett an Daniel Z. weitergeben müssen, der mit in ihrem Raum schlief, um sie zu überwachen.

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Zweimal soll er das Mädchen in der Zeit vergewaltigt haben – dabei habe er gewusst, dass sie von ihrem Freund schwanger sei. Offenbar arbeiteten mehrere Frauen für Z., in seinem Koffer fanden die Ermittler später ein Notizbuch, in dem er täglich deren Vornamen und Verdienste eintrug. Der 16-Jährigen soll Z. schließlich angekündigt haben, dass ein weiteres Mädchen auf dem Weg sei, um für ihn zu arbeiten.

Der Anklage zufolge war Z. zwischenzeitlich nach Rumänien gereist und hatte dort ein Paar angesprochen. In dem Glauben, der Mann beschaffe ihnen in Deutschland Arbeit als Bauarbeiter und Altenpflegerin ließen sich die jungen Leute von Z.s Fahrer nach Hannover bringen. Der Angeklagte soll das Paar vor dem unscheinbaren roten Backsteinhaus in Empfang genommen haben, in dem sich das Misburger Bordell befindet. Dort soll er die 19-Jährige in das Haus geschickt und deren Freund gewaltsam gezwungen haben, sich in ein Hotel fahren zu lassen. In einem Zimmer des Bordells verging Z. sich an der 19-Jährigen. Deren Freund hatte sich unterdessen erfolgreich bis zu einer Polizeiwache durchgeschlagen und dort die Beamten mithilfe eines Dolmetschers informiert.

Als die Fahnder das Bordell durchsuchten, trafen sie dort auf die 19-Jährige sowie auf die 16-jährige Consuela, die sich den Beamten anvertraute.

Vor Gericht wurde am Freitag nur die Anklage verlesen. Ob sich ihr Mandant zu den Vorwürfen äußert, sei noch nicht klar, sagte Verteidigerin Tanja Brettschneider. Gegenüber der Polizei hatte er die Taten abgestritten. In Rumänien soll der Mann wegen Menschenhandels, Erpressung und Fälschung vorbestraft sein. Bei seinen persönlichen Angaben erklärte der 45-Jährige, ein muskelbepackter Hüne, er betreibe in Rumänien eine Viehzucht und habe zwei Kinder – zwei Mädchen, zwölf und 16 Jahre alt.

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