Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Antisemitischer Übergriff in Hannover: Neun Täter ermittelt
Hannover Aus der Stadt Antisemitischer Übergriff in Hannover: Neun Täter ermittelt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:07 25.06.2010
Von Thorsten Fuchs
Bei einem Stadtteilfest am vergangenen Sonnabend ist auf dem Sahlkampmarkt eine Tanzgruppe der Liberalen Jüdischen Gemeinde mit größeren Kieselsteinen beworfen worden. Quelle: Rainer Surrey

Die beiden Zwölfjährigen waren der Polizei bereits zuvor wegen Körperverletzungs- und Sachbeschädigungsdelikten aufgefallen.

Insgesamt hat die Polizei damit nun neun Verdächtige ermittelt. Sie alle sollen zu jenen Kindern und Jugendlichen gehören, die bei einem Stadtteilfest am vergangenen Sonnabend auf dem Sahlkampmarkt eine Tanzgruppe der Liberalen Jüdischen Gemeinde mit größeren Kieselsteinen beworfen und antijüdische Parolen gerufen haben. Dabei wurde eine der Tänzerinnen leicht am Bein verletzt. Die Gruppe musste ihren Auftritt abbrechen.

Die Polizei ist zuversichtlich, damit alle Verdächtigen gefunden zu haben. „Bisher gehen wir von neun Tätern aus“, erklärte ein Polizeisprecher gestern. Diese Zahl könne sich nach den Befragungen aber noch erhöhen. Die bisher ermittelten Verdächtigen sind zwischen neun und 19 Jahre alt. Der 19-Jährige stammt aus Nordafrika, ein 14-Jähriger ist gebürtiger Deutscher, die übrigen sind arabischstämmig. Welche Sanktionen sie möglicherweise erwartet, ist unklar, da sechs der Verdächtigen noch nicht strafmündig sind und die anderen unter das Jugendstrafrecht fallen.

International zieht der antisemitische Übergriff inzwischen ein starkes Medienecho nach sich. Insbesondere Zeitungen, Sender und Webseiten aus Großbritannien, den USA und Israel haben den Vorfall aufgegriffen. So berichten unter anderem die BBC, der „Daily Telegraph“, die „Washington Post“, der „Boston Globe“ und die „Jerusalem Post“ über die Steinwürfe. In den Online-Ausgaben von Zeitungen und Nachrichtenportalen belegen zahlreiche Leserkommentare ein großes Interesse an den Vorfällen. Vor allem auf der Internetseite der „Jerusalem Post“ gibt es eine intensive Debatte, in der zahlreiche Leser ihre Sorge über den Antisemitismus unter jungen Einwandererkindern in Deutschland ausdrücken.

Unterdessen hat in Hannover auch die Türkisch-Islamische Union, Ditib, die Rufe und Steinwürfe verurteilt. „Derartige Übergriffe stören das Zusammenleben und dürfen auf keinen Fall toleriert werden“, erklärte Ali Ihsan Ünlü, Vorsitzender des Landesverbandes Niedersachsen-Bremen. „Der Islam verbietet in seiner Essenz eine solche Tat“, betonte Ünlü.

Als Reaktion auf den Vorfall müsse die Jugendarbeit intensiviert werden, forderte Ünlü. Zugleich mahnte er jedoch auch einen intensiveren Dialog unter den Religionen an. „Internationale Konflikte dürften das Zusammenleben in Deutschland nicht beeinflussen“, fügte er hinzu.

Kommentarfunktion deaktiviert.

Mehr zum Thema

Nach den Steinwürfen auf eine jüdische Tanzgruppe am Sonnabend in Hannover-Sahlkamp hat die Polizei mittlerweile neun Tatverdächtige ermittelt. Die Kinder und Jugendlichen hatten die Gruppe mit Steinen beworfen und antisemitische Parolen gerufen.

25.06.2010

Nach den Steinwürfen auf eine jüdische Tanzgruppe im Stadtteil Sahlkamp hat die Polizei vier weitere Tatverdächtige ermittelt. Experten registrieren seit Längerem eine Zunahme antisemitischer Tendenzen – auch in anderen Stadtteilen.

Thorsten Fuchs 24.06.2010

Nach den Steinwürfen auf eine jüdische Tanzgruppe in Hannover hat die Polizei zwei mutmaßliche Täter ermittelt. Es handele sich um einen 14-jährigen Deutschen und einen 19-jährigen gebürtigen Nordafrikaner, teilte die Polizei am Mittwoch mit.

Thorsten Fuchs 23.06.2010

Das vorerst größte Ziel ist erreicht: Zum ersten Mal seit seinem knapp fünfjährigen Bestehen hat das Klinikum Region Hannover (KRH) ein positives wirtschaftliches Ergebnis erzielt. Die am Freitag dem KRH-Aufsichtsrat vorgelegte Bilanz für das Jahr 2009 weist ein Plus von 534.000 Euro aus.

Veronika Thomas 25.06.2010

Nach den Steinwürfen auf eine jüdische Tanzgruppe am Sonnabend in Hannover-Sahlkamp hat die Polizei mittlerweile neun Tatverdächtige ermittelt. Die Kinder und Jugendlichen hatten die Gruppe mit Steinen beworfen und antisemitische Parolen gerufen.

25.06.2010

Große Erfolge, kleine Wunder: Sie haben das Downsyndrom oder sind taub und gehen trotzdem in eine „normale“ Schule: Integrationsklassen sind in der Region Hannover mancherorts ein Erfolgsmodell.

Jutta Rinas 25.06.2010