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Aus der Stadt Anwohner protestieren gegen Versandhandelszentrum
Hannover Aus der Stadt Anwohner protestieren gegen Versandhandelszentrum
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19:57 20.11.2011
Von Andreas Schinkel
Menschenkette auf den geplanten Baufeld. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Auf den ersten Blick mutet die Menschenansammlung auf den Messeparkplätzen wie ein Stadtteilfest an. Luftballons baumeln im Wind, der Duft von Grillwürstchen weht über die riesige Rasenfläche zwischen Emmy-Noether-Allee und Stockholmer Allee. In Feierlaune sind die rund 400 Anwohner aus den umliegenden Siedlungen aber keineswegs. Sie protestierten am Sonntag auf dem Rasenstück gegen die geplante Ansiedlung eines Versandhandelsunternehmens.

Um die Dimensionen der künftigen Lagerhalle sichtbar zu machen, reihen sich den Protestler entlang den imaginären Gebäudekanten auf. 450 Meter in der Breite, 250 Meter in der Länge misst das geplante Riesenbauwerk. „Das wird ja größer als das Stadion“, vermutet einer der Demonstranten und kneift die Augen zusammen. Bis in weite Ferne reihen sich die Menschen, ein paar Luftballons steigen auf. „Super, dass so viele Leute gekommen sind“, sagt Frank Podschadly, einer der Organisatoren des Protests.

Weder Berufsdemonstranten noch sogenannte Wutbürger haben sich an diesem Sonntagnachmittag auf der Wiese eingefunden. „Ich gehe normalerweise nicht auf Demos, aber ich habe einfach Angst“, sagt Stefan Borsum. Er wohnt mit seiner Familie in der Siedlung am Kronsberg in einem energiesparenden Haus mit Fernwärmeanschluss. „Das Gebiet galt ja immer als Vorzeigeprojekt Hannovers, aber die Tage der Ruhe sind wohl gezählt“, sagt er. Borsum befürchtet, dass Hunderte, vielleicht Tausende von Lastwagen jeden Tag zur Lagerhalle pendeln und die frische Luft am Kronsberg mit Lärm und Abgasen verpesten. Auch sorgt er sich, dass eine Zubringerstraße gebaut werden könnte, die dann unmittelbar an der Grundschule An der Feldbuschwende vorbeiführen könnte. „Für die Kinder wäre das katastrophal“, sagt der Familienvater.

SPD-Ratsherr Michael Klie kann die Ängste der Anwohner gut verstehen – schließlich gehört er als Bewohner Wülfelrodes selbst zum Kreis der Betroffenen. „Wir müssen uns fragen, ob die Ansiedlung verkehrstechnisch gesehen hilfreich ist“, sagt er und blickt auf die Menschenkette in der Ferne. Die Agritechnica-Messe habe bereits gezeigt, wie eng es für den Verkehr werden könne. Dennoch will er sich noch nicht auf eine Meinung festlegen. „Wir prüfen erst das Gutachten und entscheiden dann“, sagt er. Im Grunde sei es sinnvoll, den gesamten Siedlungsbereich in Messenähe einmal unter die Lupe zu nehmen und die Verkehrsbelastung zu untersuchen. „Auch die vielerorts illegal parkenden Lkws müssten dann zum Thema gemacht werden“, sagt Klie. Das Lärm- und Verkehrsgutachten, das derzeit von einem Ingenieurbüro für die Stadt erstellt wird, soll bereits Anfang Dezember den Ratsgremien vorgelegt werden.

Für die Protestierenden dürfte es sich als Vorteil erweisen, dass die Autos ausgerechnet zu Zeiten der Agritechnica gezählt wurden, die einen nie da gewesenen Besucheransturm erlebt hat. Dennoch haben viele besorgte Anwohner Zweifel, ob sich die Ansiedlung noch abwenden lässt. „Das Lager wird ohnehin kommen“, vermutet eine ältere Dame. Aber wenigstens habe man ein Zeichen gesetzt.

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