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Aus der Stadt Anwohner wollen keine Plastikbänke im Welfengarten
Hannover Aus der Stadt Anwohner wollen keine Plastikbänke im Welfengarten
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00:15 30.06.2017
Von Bärbel Hilbig
„Was hat Plastik mit Barock zu tun?“: Dass die barocke Graft mithilfe von geschwungenen Sitzgelegenheiten nachgezeichnet wird, überzeugt nicht jeden. Quelle: Samantha Franson
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Hannover

Besonders seit raumgreifende Sitzenelemente aus Hartplastik die große Wiese hinter dem Uni-Hauptgebäude durchschneiden, ärgern und wundern sich zahlreiche Parkbesucher. „Warum wurden wir nicht gefragt?“, empört sich eine Frau und spricht aus, was viele denken. Weil sich die Beschwerden häuften, haben Staatliches Baumanagement und Uni vergangene Woche zu einer Baustellenbesichtigung eingeladen. Und Uni-Präsident Volker Epping hat einen schweren Stand, als er rund 120 Anwohnern die bereits weit fortgeschrittenen Veränderungen erläutern will. „Wir wollen die barocke Graft, die es früher im Welfengarten gab, mit den Gestaltungselementen oberirdisch nachzeichnen.“ Die Zugehörigkeit des Parks zu den Herrenhäuser Gärten soll sichtbarer werden, so die Idee. Seit 2016 wurde der Welfengarten umgebaut.

Uni und staatliches Baumanagement erläutern den Anwohnern bei einem Besichtigungstermin im Welfengarten die Veränderungen.

Eines wird deutlich: Die Nordstädter, oft selbst Akademiker und zuweilen sehr eigenwillig-anarchisch, lassen sich nicht gern vor vollendete Tatsachen stellen. „Wozu brauchen wir in einer Demokratie den Rückgriff auf barocke Herrschaftselemente?“, doziert eine Dame. Eine andere stellt dagegen spitz die Frage, was Plastik mit Barock zu tun habe. Den Architektenwettbewerb haben die Freunde der Herrenhäuser Gärten finanziert. Vereinsvorsitzender Sepp Heckmann erinnert vorsichtig daran, dass die historischen Gärten für die Bewerbung Hannovers als Kulturhauptstadt wichtig sind. Die Leibniz-Uni, der eigentlich immer ein Campus gefehlt hat, will mit der Neugestaltung des Parks die Attraktivität für ihre Studenten, aber auch die zahlreichen anderen Besucher erhöhen. „Viele haben sich Sitzmöglichkeiten gewünscht“, erklärt Epping. Die Bürger murren und fragen, wer das gewesen sein soll. Frauen in heller Sommerkleidung werfen zweifelnde Blicke auf die Sitzflächen. Blütenpollen und Blätter haben einen grünen Film auf der Plastikoberfläche gebildet. Wer soll da sitzen wollen?

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Budget vom Land

Morsche Bäume, verwachsener Rasen - tatsächlich war der Park in schlechtem Zustand. Daran erinnert Landschaftsarchitektin Dörte Eggert-Heerdegen vom Büro Kamel Louafi, das von einer Jury ausgewählt worden war. „Wir haben uns oft über Probleme im Park beschwert. Es hieß immer, dafür sei kein Geld da“, wirft ein Mann ein. „Unser Budget bekommen wir vom Land für Forschung und Lehre“, betont Uni-Präsident Epping. Für die Pflege der umfangreichen Liegenschaften sei kaum Geld da. Genau das aber ist eine weitere Sorge der Anlieger.

Die Leibniz-Universität will die Wiese hinter dem Hauptgebäude aufwerten. 3 Millionen Euro soll die Neugestaltung des Parks kosten.

Die große Frage, die über allem schwebt: Warum ist der Leibniz-Universität nie der Gedanke an eine Bürgerbeteiligung gekommen? „Die Stadt kann das doch auch! Das hätte bereits in der Ausschreibung für die Architekten verankert werden müssen.“ Tatsächlich war allen Beteiligten bekannt, dass den Welfengarten viele Menschen besuchen: Hundebesitzer, Spaziergänger, Familien, Studenten, Trinker, Nachbarn. Was hätte näher gelegen, als sie einzubinden? Nun fühlen sich viele undemokratisch überrumpelt.

Warum keine Bürgerbeteiligung?

Die Verantwortlichen geben sich kleinlaut, aber auch verwundert. Bis auf Planer Kamel Louafi, der auf die Kritik spürbar beleidigt reagiert, weil seine Arbeit nicht gewürdigt wird. „Wir haben nicht geahnt, dass das Interesse so groß ist“, sagt schließlich der Mann vom Staatlichen Baumanagement. Zur Ausstellung der Wettbewerbs-entwürfe und zur Vorstellung der Pläne im Bezirksrat sei kaum jemand gekommen. Viele Anwohner haben sich erst Gedanken gemacht, als ihnen im Herbst ein Bauzaun den Weg in den Park versperrte. „Aber eine Mitsprache hätten wir doch auch vorher kaum gehabt.“

Mathias Klein 30.06.2017
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